WM 2026>

Tuchel spaltet eine ganze Nation

Axtschwinger Tuchel? „Überfällig“

Thomas Tuchel scheut sich nicht davor, prominente Namen aus seinem ersten WM-Kader zu streichen. Die englische Presse reagiert gespalten.
Thomas Tuchel will mit den Three Lions bei der WM in wenigen Wochen den großen Coup landen. Der England-Coach erklärt, warum er Stars wie Palmer und Foden außen vor ließ und was ihn so zuversichtlich macht.
Thomas Tuchel scheut sich nicht davor, prominente Namen aus seinem ersten WM-Kader zu streichen. Die englische Presse reagiert gespalten.

Die Sehnsucht nach dem ersten großen Titel seit der Weltmeisterschaft 1966 könnte in England kaum größer sein. Umso gespannter blickten am Freitag viele Fans auf den Kader, den Trainer Thomas Tuchel für sein erstes Turnier berufen hatte.

Tuchel verzichtet bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada dabei auf große Stars wie Harry Maguire, Cole Palmer, Phil Foden oder Trent Alexander-Arnold, die der Deutsche kurzerhand aussortierte.

Es waren Entscheidungen, die eine ganze Nation wohl noch einige Tage beschäftigen wird – und vor allem die englische Presse geizte danach nicht mit meinungsstarken Reaktionen. SPORT1 zeigt einige ausgewählte Pressestimmen im Überblick.

Englands Presse gespalten: „Der umstrittenste Kader aller Zeiten“

The Sun: „Wer glaubt, dass dieser englische Kader die Weltmeisterschaft gewinnen kann, sollte sich den Kopf untersuchen lassen.“

„Wie zu erwarten war, richtet sich die Aufmerksamkeit nach einer Nacht voller Überraschungen wohl eher auf die Namen, die fehlen, als auf diejenigen, die in die USA fliegen werden. (…) Die Debatten über diese Anrufe begannen gestern Abend und werden die nächsten acht Wochen andauern.“

Talksport: „In dem wohl umstrittensten englischen Kader aller Zeiten entschied sich Tuchel dafür, einige Ausnahmetalente der Generation für die Weltmeisterschaft zu Hause zu lassen.“

Kaveh Solhekol, Sky Sports UK: „Ich finde das sehr schockierend, sehr überraschend. Meiner Meinung nach hat er einige der talentiertesten englischen Spieler nicht berücksichtigt. Das ist wahrscheinlich der schockierendste Kader Englands seit 1998, als Glenn Hoddle Paul Gascoigne nicht nominiert hat.“

Daily Mail: „Tuchels Welt voller Ärger. Der Kader steht fest. Tuchel bezeichnet die ’schmerzhafte‘ Streichung von Maguire, Palmer und Trent als ‚die richtige Entscheidung für England‘.“

Daily Star: „Der englische Kader für die Weltmeisterschaft steht fest: Thomas Tuchel lässt Mega-Stars links liegen und setzt auf seine Lieblinge.“

England-Ikone: „Dafür hast du Tuchel engagiert“

The Mirror: „Der entschlossene Thomas Tuchel gibt dem englischen Fußballverband genau das, was dieser sich für die englische WM-Kampagne gewünscht hat. Der englische Fußballverband wollte, dass Thomas Tuchel seine kompromisslose Mentalität in den Posten als englischer Nationaltrainer einbringt. Seine Auswahl für den WM-Kader zeigt, dass er genau das getan hat.“

BBC: „Ob es nun darum ging, Jude Bellingham aus dem englischen Kader auszuschließen, obwohl der Superstar von Real Madrid dabei sein wollte, oder darum, nach dessen beeindruckendem Comeback in der Nationalmannschaft im März zu verkünden, dass Harry Maguire in der Innenverteidigung nur die fünfte Wahl sei – Tuchel weigert sich, sich der öffentlichen Meinung oder einem Starsystem zu beugen. Wurde sein Vorgänger Gareth Southgate dafür kritisiert, in Konservativismus gehüllt zu sein und auf Nummer sicher zu gehen, so hat sich Tuchel mit seinem eisernen Willen, seinen Instinkten zu folgen, nun effektiv als Anti-Southgate positioniert.“

Ex-Nationalspieler Jamie Carragher, The Telegraph: „Ein England-Trainer, der sich nicht davor fürchtet, große Namen zu streichen, ist längst überfällig (…) Ich mag es, dass Thomas Tuchel sich nicht von dem beeinflussen lässt, was andere über ihn sagen. Ich hätte ihn gerne als Trainer zu meiner Zeit als Nationalspieler gehabt. Die bisherigen Trainer der Three Lions haben versucht, mit ihrer WM-Kaderauswahl die großen Namen bei Laune zu halten. Doch Thomas Tuchel beweist, dass er keine Angst vor Unruhe hat.“

Ex-England-Stürmer Alan Shearer, Betfair: „Ich nehme an, dafür hast du Thomas Tuchel engagiert. Er lässt sich von Reputationen nicht einschüchtern und wird mutige Entscheidungen treffen.“

The Independent: „England hat seinen 26-köpfigen Kader bekannt gegeben. Thomas Tuchels Strategie zielt auf bestimmte Spielsituationen und Vielseitigkeit bei einer Weltmeisterschaft ab, die ungewöhnliche Herausforderungen mit sich bringt.“