29 Scorerpunkte – genauer gesagt 20 Tore und neun Vorlagen – in 49 Pflichtspielen für den FC Chelsea: Die sich dem Ende zuneigende Saison ist für Joao Pedro ein voller Erfolg.
WM 2026: Fiel ausgerechnet er Neymar zum Opfer?
Wurde er für Neymar geopfert?
Vor diesem Hintergrund wurde der 24 Jahre alte Stürmer nach seinem Debütjahr an der Stamford Bridge auch als Spieler der Saison ausgezeichnet. Bei der Fan-Abstimmung erhielt Pedro mehr als 60 Prozent der Stimmen und setzte sich damit deutlich vor den Stammkräften Enzo Fernández und Moisés Caicedo durch.
Aus seiner Heimat Brasilien gibt es sogar nur einen Spieler, der in dieser Spielzeit mehr direkte Torbeteiligungen als Pedro sammeln konnte: Real Madrids Vinicius Júnior mit 22 Toren und 14 Vorlagen in 53 Vereinsspielen.
Ancelotti nominiert Neymar – und lässt Chelsea-Star außen vor
Doch seine persönliche Erfolgsbilanz reicht Pedro nicht für eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft: Nationaltrainer Carlo Ancelotti berief den Chelsea-Angreifer nicht in seinen 26-köpfigen Kader für das Turnier im Sommer.
Dabei scheint Pedro wohl ausgerechnet zum Opfer der umjubelten Rückkehr von Neymar geworden zu sein. Dem brasilianischen Medium UOL zufolge soll Ancelotti sogar zwei verschiedene Kaderlisten vorbereitet haben – eine mit Neymar und eine mit Pedro.
Hintergrund ist offenbar, dass Neymar im Spiel mit dem FC Santos am vergangenen Sonntag noch mit Schmerzen in der Wade kämpfte. Nach positivem Feedback der Ärzte soll sich Ancelotti dann aber doch für Neymar entschieden haben.
Im Rahmen der Kaderbekanntgabe am Montag räumte Ancelotti ein, dass seine Nominierungen vermutlich einige Spieler enttäuschen dürften – und sprach direkt den Chelsea-Durchstarter an: „Natürlich sind wir traurig um Joao Pedro. Für die Saison, die er in Europa hatte, hätte er es wahrscheinlich verdient, auf dieser Liste zu stehen, aber leider haben wir mit höchster Sensibilität und Respekt einen anderen Spieler ausgewählt. Ich habe großes Mitleid mit Joao Pedro und all den anderen.“
Ancelotti-Entscheidung: Joao Pedro reagiert enttäuscht
Später meldete sich Pedro selbst zu Wort und machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: „Ich habe versucht, jederzeit mein Bestes zu geben. Leider war es nicht möglich, mir diesen Traum zu erfüllen, mein Land bei einer Weltmeisterschaft zu vertreten, aber ich bleibe ruhig und fokussiert, so wie immer“, schrieb der ehemalige Brighton-Stürmer in einer Instagram-Story.
Den nominierten Akteuren wünschte der 24-Jährige „viel Glück“. Er werde „einfach ein weiterer Fan sein, der sie anfeuert, damit sie den sechsten Titel nach Hause bringen“.
Weniger diplomatisch zeigte sich im ersten Moment seine Familie. In den sozialen Medien kursiert ein Video, das zeigt, wie sich Pedros Freunde und Angehörige vor dem Fernseher versammelt hatten und gespannt darauf warteten, dass der Name des Chelsea-Stürmers von Ancelotti vorgelesen wird. Als klar wurde, dass ihr Held nicht mit zur WM fahren darf, ging ein unzufriedenes Raunen durch den Raum.
Pedro trug zuletzt das Trikot der Selecao
Für Verwunderung sorgt die Entscheidung wohl auch deshalb, weil Pedro noch vor rund eineinhalb Monaten für die Selecao aufgelaufen war. Hinzu kommt, dass der nominierte Neymar in den letzten Monaten beim FC Santos wesentlich durchwachsenere Leistungen zeigte, sich sogar mit den eigenen Fans anlegte und immer wieder von Verletzungen ausgebremst wurde.
Die Verdienste des 128-maligen Nationalspielers mit 79 Treffern für Brasilien sind zwar unbestritten. Allerdings prägt der inzwischen 34-Jährige nicht mehr mit derselben Konstanz Spiele durch spektakuläre Dribblings, Tore und geniale Momente wie noch in seinen besten Jahren.
Pedro hingegen verkörpert den modernen Offensivspieler: Er ist vielseitig einsetzbar, lauf- und zweikampfstark und bereit, auch nach hinten mitzuarbeiten.
Ancelotti macht Pedro und Co. Hoffnung
Ohne ihn reist Brasilien mit nur einem echten Mittelstürmer zur WM: Igor Thiago vom FC Brentford bringt mit seinen 1,91 Metern vor allem physische Präsenz ins Spiel der Selecao. Umso überraschender erscheint es daher, dass Ancelotti auf einen beweglichen und dribbelstarken Angreifer wie Pedro verzichtet.
Auch wenn das seine aktuelle Enttäuschung kaum lindern dürfte, könnte sich der Traum von einer WM-Teilnahme für den 24-Jährigen dennoch eines Tages erfüllen.
Mit Blick auf die nicht berücksichtigten Spieler erklärte Ancelotti jedenfalls: „Sie werden in der Zukunft Chancen haben.“