Erstmals reisen offenbar vier Torhüter mit dem DFB-Team zu einer Weltmeisterschaft. Für das große Turnier in den USA, Kanada und Mexiko hätte Bundestrainer Julian Nagelsmann damit eine pikante Zusammenstellung, was die Position zwischen den Pfosten angeht, bestimmt.
Deutscher WM-Kader: Diese Zusammenstellung hat es in sich
Nagelsmanns heikler Torhüter-Plan
Manuel Neuer kehrt nach SPORT1-Informationen ins deutsche Tor zurück und wird bei der WM die Nummer eins sein. Sein Ersatzmann ist Oliver Baumann. Wie nun die Bild berichtete, folgt als Nummer drei Alexander Nübel – und auch Jonas Urbig soll mit nach Nordamerika fliegen, als zusätzlicher „Trainingstorhüter“.
Neuer kehrt ins DFB-Team zurück
Vor der Heim-EM 2024 hatte Nagelsmann zunächst ebenfalls vier Torhüter nominiert. Allerdings strich er Nübel vor dem letzten Testspiel aus dem finalen EM-Kader.
Stattdessen berief der Bundestrainer Jan Reichert vom 1. FC Nürnberg als Ergänzungsspieler fürs Training ins Team. Doch Reichert gehörte nicht zum offiziellen DFB-Aufgebot.
Die nun offenbar geplante Torwart-Zusammenstellung birgt eine gewisse Brisanz. Denn Neuer kehrt nach zwei Jahren Abstinenz ins DFB-Team zurück, obwohl er eine Rückkehr immer wieder ausgeschlossen hatte. Auch der Bundestrainer hatte die Tür eigentlich schon zugemacht.
Doch die Hinweise auf ein Comeback mehrten sich in den vergangenen Wochen, und während Neuer und Nagelsmann entsprechenden Nachfragen immer wieder auswichen, gilt die Personalie bereits vor der offiziellen Kaderbekanntgabe am Donnerstag als beschlossene Sache.
Baumann zur Nummer zwei degradiert
Für Oliver Baumann ist die Entwicklung ein herber Rückschlag. Noch am Samstag ging er davon aus, dass er als Nummer eins zur WM fahren werde, schließlich habe Nagelsmann ihm „das Vertrauen ausgesprochen“.
Nach SPORT1-Informationen hat Nagelsmann Baumann inzwischen darüber informiert, dass er mit Neuer als Nummer eins plant. Eine klare Degradierung und Enttäuschung für den Keeper der TSG Hoffenheim, oder wie Rekordnationalspieler Lothar Matthäus es noch am Wochenende formulierte: „Ein Schlag ins Gesicht“.
Was Nübel angeht, gestaltet sich die Lage nicht gerade einfacher. Neuer und Nübel wird seit Längerem ein kompliziertes Verhältnis nachgesagt. Schon rund um die Heim-EM war zu vernehmen, dass Neuer nicht gerade ein Fürsprecher seines 29 Jahre alten Kollegen ist.
Nübel beim FC Bayern außen vor
Dazu passt ins Bild, dass man beim FC Bayern die sportliche Zukunft ohne Nübel plant, obwohl dieser bei den Münchnern noch bis 2030 unter Vertrag steht.
Der deutsche Rekordmeister setzt stattdessen auf das Trio um Neuer, Urbig und Sven Ulreich, wie der Verein (ausgerechnet nach der Vertragsverlängerung von Neuer) unmissverständlich klarmachte. Im DFB-Team scheint noch Platz für Nübel zu sein, wenn auch wohl nur als Nummer drei.
Und dann ist da noch Urbig in der Außenseiterrolle als Trainingstorhüter. Ob er für diese Funktion überhaupt einen der 26 offiziellen Kaderplätze erhalten würde, ist zwar noch unklar – doch es wäre eine große Ehre für den 22-Jährigen, der im März von Nagelsmann erstmals für das DFB-Team nominiert wurde.
Zu einem Einsatz kam Urbig bislang zwar noch nicht, aber schon beim FC Bayern stellte er diese Saison immer wieder unter Beweis, dass man auf ihn zählen kann, wenn man ihn braucht. Mit der Vorreiterrolle von Neuer scheint er kein Problem zu haben – vielmehr gilt er als enger Vertrauter des Routiniers.
Beim FC Bayern sieht man sich bestätigt
Bei den Münchnern ist man deshalb über Neuers Nominierung und die offenbar feststehende Berücksichtigung von Urbig hocherfreut. Der Klub sieht sich – was den eigenen Torwartplan angeht – bestätigt.
Ob auch der gesamte 26-köpfige Kader Neuers Rückkehr gutheißt, bleibt offen. Dass der 40-Jährige momentan erneut von Wadenproblemen geplagt wird, verkompliziert die Situation weiter und könnte Unruhe in die Hierarchie bringen.
Nagelsmann sorgt somit wohl nicht nur für ein Novum im Tor der deutschen Nationalmannschaft, sondern auch für eine durchaus brisante Konstellation.