Der Abgang passte ins Bild. Während sich seine Teamkollegen noch auf eine Ehrenrunde machten, war Cristiano Ronaldo längst frustriert in der Kabine verschwunden. Und es drängte sich die Frage auf: Wäre Portugal ohne seinen 41 Jahre alten Kapitän nicht einfach besser dran? Die Gegenspieler scheinen ihn schon mal nicht mehr zu fürchten.
WM 2026: Cristiano Ronaldo: Nur noch eine traurige Hülle
Ronaldo reagiert in Sozialen Medien
Ob man sich dennoch besonders auf ihn vorbereitet habe? „Um ehrlich zu sein, nein. Er ist nicht mehr derselbe wie früher, er ist etwas älter“, lautete die vielsagende Antwort von Kongos Ngal’ayel Mukau nach dem Spiel. Besondere Manndeckung habe es „nicht wirklich“ gebraucht. Portugals Presse ging ebenfalls wenig schonend mit ihrem Nationalhelden um.
Portugals Presse ging ebenfalls wenig schonend mit ihrem Nationalhelden um.
„Vertrauen allein genügt nicht“
„Das Team, dem es an Vertikalität mangelte, war seinem Vertrauen in Ronaldo ausgeliefert. Doch Vertrauen allein genügt nicht – erst recht nicht in den aktuellen Ronaldo“, lautete das harte Urteil der Tageszeitung Público nach dem enttäuschenden 1:1 (1:1) gegen die Demokratische Republik Kongo. „Houston, wir haben ein Problem“, klagte Expresso: Ronaldo sei „wirkungslos“ geblieben.
„Cristiano Ronaldo wirkt wie eine traurige Hülle des großartigen Fußballers, der er einst war“, fasst The Athletic in einer Analyse, bei der Ronaldo erwartbar schlecht wegkommt, zusammen.
Schuld trifft den Portugiesen selbst demnach aber keiner. „Wenn du immer wieder von einem Trainer aufgestellt wirst, der das Offensichtliche ignoriert, wirst du denken, du hättest es immer noch drauf.“
Auch Thierry Henry kannte keine Gnade. Der französische Weltmeister von 1998 warf Ronaldo blanken Egoismus vor. „Für alle Leute zu Hause, eine Sache ist ganz wichtig“, sagte der frühere Torjäger Henry in seiner Rolle als TV-Experte bei Fox: „Die Mannschaft muss treffen, nicht du musst treffen.“ Laut Henry verweigerte CR7 Laufwege, die seine Teamkollegen in gute Abschlusspositionen bringen würden, weil er selbst Tore erzielen will.
Die Debatten um Ronaldo sind nicht neu beim Europameister von 2016. Immerhin liegt sein letztes Tor bei einem großen Turnier schon zehn Spiele und 802 Minuten zurück. Im Auftaktspiel der WM 2022 in Katar traf Ronaldo per Elfmeter, im weiteren Turnierverlauf und auch bei der EM 2024 in Deutschland warteten Millionen von „CR7″-Fans vergeblich auf den legendären „Siuuu“-Jubel.
CR7: „Das ist noch lange nicht das Ende“
Sichtlich getroffen lehnte Ronaldo nach dem Spiel sämtliche Interviewanfragen ab, schlich im Pulk seiner Mitspieler an den rund 60 wartenden Journalisten vorbei aus dem Stadion.
„Es war nicht der Start, den wir wollten, aber das ist noch lange nicht zu Ende. Kopf hoch und Fokus auf das nächste Spiel“, schrieb er nach dem Auftakt zu seiner sechsten WM lediglich in den Sozialen Medien.
Besonders dürfte ihn wurmen, dass alle anderen großen Stars am ersten Vorrundenspieltag geglänzt hatten. Erling Haaland, Kylian Mbappé und Harry Kane etwa trafen doppelt, ausgerechnet sein ewiger Rivale Lionel Messi war sogar ein Dreierpack gelungen.
Ronaldo dagegen wirkte fehl am Platz.
„Die historische Bürde lastet schwer auf Ronaldo“
Die Horrorbilanz: Null Schüsse aufs Tor, null abgeschlossene Dribblings, null Schlüsselpässe – und sogar weniger Ballkontakte (25) als der kongolesische Torhüter Lionel Mpasi-Nzau (35). Nationaltrainer Roberto Martínez wollte das Ergebnis nicht zu hoch hängen.
„Es ist besser, in der Gruppenphase so eine Leistung zu zeigen und sich noch deutlich zu verbessern, denn die Einstellung war sehr gut“, sagte der 52-Jährige. Die frühe Führung von Joao Neves (6.) hatte Yoane Wissa (45.+5) noch vor der Pause egalisiert.
Doch Martínez, der seinen Posten nach der WM räumen wird, steht vor einer kniffligen Entscheidung: Bleibt Ronaldo auch gegen Usbekistan seine zentrale Figur?
„Die historische Bürde, Cristiano Ronaldo in guten wie in schlechten Zeiten auf dem Platz zu halten, lastet schwer auf ihnen. Und das hilft sicherlich nicht“, schrieb die spanische Marca – und brachte es damit zumindest für den Stotterstart in der Astronautenstadt auf den Punkt.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)