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WM 2026: Ein tragischer Tod ebnete seinen Weg

Ein tragischer Tod ebnete seinen Weg

Enner Valencia ist der Rekordtorschütze von Ecuador. Erst ein tragischer Tod eines früheren nationalen Aushängeschilds veränderte seine Karriere schlagartig.
Deutschlands WM-Gruppengegner beeindruckte in der Südamerika-Qualifikation mit einer bärenstarken Defensive und taktischer Disziplin, an der sich selbst Weltmeister Argentinien die Zähne ausbiss.
Enner Valencia ist der Rekordtorschütze von Ecuador. Erst ein tragischer Tod eines früheren nationalen Aushängeschilds veränderte seine Karriere schlagartig.

Als Ecuador im Sommer 2014 zur Weltmeisterschaft nach Brasilien reiste, stand die Mannschaft noch immer unter dem Eindruck eines Schicksalsschlags, der das gesamte Land ein Jahr zuvor erschüttert hatte.

Der plötzliche Tod von Christian Benítez veränderte nicht nur die ecuadorianische Nationalmannschaft, sondern auch die Karriere eines Spielers grundlegend, der auch 2026 noch im Rampenlicht steht: Enner Valencia. Aus einem schnellen Flügelspieler wurde innerhalb weniger Monate der neue Hoffnungsträger des Landes.

Benítez stirbt plötzlich

Benítez, genannt „Chucho“, galt Anfang der 2010er-Jahre als der wichtigste Offensivspieler Ecuadors. Der Stürmer war mit 24 Toren in 58 Länderspielen die unumstrittene Nummer eins im Angriff der „Tri“.

Am 29. Juli 2013 klagte er über starke Bauchschmerzen. Wenige Stunden später erlitt er einen Herzstillstand und starb im Alter von nur 27 Jahren. Erst drei Wochen zuvor war er vom mexikanischen Topklub Club América für fast zwölf Millionen Euro nach Katar gewechselt.

Später wurde ein angeborener Herzfehler als Ursache diagnostiziert. Die Nachricht hatte in Ecuador eine nationale Trauerwelle ausgelöst. Zehntausende Menschen erwiesen ihm in Ecuadors Hauptstadt Quito die letzte Ehre.

Valencia rückt in den Mittelpunkt

Sportlich hinterließ Benítez eine Lücke, die eigentlich nicht geschlossen werden konnte. Der damalige Nationaltrainer Reinaldo Rueda bezeichnete ihn als „praktisch unersetzbar“. Ecuador hatte sich mitten in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 befunden, als plötzlich jener Spieler fehlte, auf den das gesamte Offensivspiel ausgerichtet war.

In dieser Situation rückte Valencia, der erst ein Jahr zuvor sein Debüt auf Nationalmannschaftsebene gegeben hatte, in den Mittelpunkt. Der damals 23-Jährige hatte seine Karriere überwiegend auf den Flügeln begonnen. Seine Stärken lagen in Schnelligkeit, Dynamik und Tiefenläufen, weniger im Spiel als zentrale Sturmspitze.

Doch nach Benítez’ Tod begann Rueda, mit Valencia als Mittelstürmer zu experimentieren. Die Maßnahme entstand aus der Not heraus, sollte sich jedoch als Glücksgriff erweisen.

Hoffnungsträger eines ganzen Landes

Valencia reagierte auf das Vertrauen seines Trainers mit einer bemerkenswerten Entwicklung. In der WM-Qualifikation war er noch ohne Treffer geblieben, ehe er Ende 2013 erstmals für Ecuador in einem Testspiel traf und 2014 endgültig den Durchbruch schaffte.

Ecuador schaffte die Qualifikation für die WM in Brasilien, bei der Valencia für alle drei Treffer der Mannschaft selbst verantwortlich war. Trotz eines Unentschiedens gegen den Gruppensieger aus Frankreich schied Ecuador als Gruppendritter hinter der Schweiz aus.

Dennoch war mit Valencia ein neues Gesicht der Nationalmannschaft in den Vordergrund gerückt. Nach der Weltmeisterschaft wechselte er aus der mexikanischen Liga für 15 Millionen Euro in die Premier League zu West Ham United.

Die Veränderung auf Nationalmannschaftsebene war allerdings nicht nur taktischer Natur. In Ecuador wurde Valencia zunehmend als jener Spieler wahrgenommen, der die Verantwortung übernahm, die eigentlich für Benítez vorgesehen gewesen war. Er trug die Hoffnungen eines Landes, das noch immer um seinen verlorenen Star trauerte.

Rekordbrecher bei der WM in Katar

Viele Beobachter sahen in seinem Aufstieg eine direkte Folge jener Tragödie. Hätte Benítez weitergespielt, wäre Valencia vermutlich deutlich länger als „nur“ Flügelspieler eingesetzt worden. Stattdessen hat er sich bis heute mit 49 Treffern zum erfolgreichsten Torjäger der Nationalmannschaftsgeschichte entwickelt.

Valencia führte Ecuador als Kapitän zur WM 2022 in Katar – ausgerechnet in jenes Land, in dem Benítez neun Jahre zuvor gestorben war. Dort erzielte er erneut drei Tore und stellte damals Rekorde auf. Auf Vereinsebene funktionierte nicht jeder Wechsel perfekt, gescheitert ist Valencia allerdings auch nie. Bei Fenerbahce wird man sich gerne an seine verrückte Saison mit 29 Toren in der Süper Lig erinnern. Mittlerweile spielt er wieder bei CF Pachuca in Mexiko, von wo er einst den Sprung nach England wagte.

Auch mit 36 Jahren ist er bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko der Kapitän seiner Mannschaft. Anders als in den vorherigen Jahren blieb Valencia – wie sein ganzes Team – in den ersten beiden Gruppenspielen gegen die Elfenbeinküste und Curacao torlos. Dies soll sich am Donnerstag (ab 22 Uhr LIVETICKER) gegen Deutschland ändern.