Dieser Vorfall spaltet sogar die Schiedsrichter-Szene! Beim WM-Auftakt der USA gegen Paraguay (Endstand: 4:1) hat sich nach Wiederanpfiff eine durchaus ungewöhnliche Szene abgespielt. Eine neue Regel kam erstmals zum Einsatz – aber wurde sie überhaupt richtig angewendet?
Hinter dieser Entscheidung steckt eine neue FIFA-Regel
Premiere für neue Regel
In der 50. Minute hatte der niederländische Schiedsrichter Danny Makkelie die Gelbe Karte gezückt und US-Verteidiger Tim Ream nach einem vermeintlichen Foul an Gegenspieler Miguel Almirón verwarnt. So weit, so normal.
WM 2026: Plötzlich schaltet sich der VAR ein
Der darauffolgende Freistoß war sogar schon ausgeführt worden, als sich plötzlich der VAR einschaltete. Im TV wurde als Grund eine „Spielerverwechslung“ angegeben.
Makkelie schaute sich die Szene am Monitor am Spielfeldrand noch einmal an und kam zu dem Entschluss, dass Ream gar kein Foul begangen hatte. Also nahm der Unparteiische die Gelbe Karte wieder zurück und verwarnte stattdessen Almirón wegen einer Schwalbe.
Wie es dazu kommen konnte? Eine neue, im Februar von den Regelhütern der IFAB verabschiedete Regel besagt im Wortlaut: „Wenn es klare Beweise gibt, darf der VAR dem Schiedsrichter helfen, in Verbindung mit ‚Personenverwechslung‘: Wenn der Schiedsrichter das falsche Team für ein Vergehen bestraft hat, das in einer Gelben oder einen Roten Karte resultiert, die dem falschen Spieler gezeigt wurde.“
Den falschen Spieler hatte Makkelie fraglos erwischt. Und dennoch herrschte selbst unter den Experten Verwirrung, wie der Ex-Schiedsrichter Patrick Ittrich verriet.
Ittrich berichtet von großer Verwirrung unter Schiedsrichtern
„Ich bin heute Morgen aufgewacht und hatte mein Handy voll mit Nachrichten. Es gibt diverse Blogs für Schiedsrichter: Es war alles voll und jeder hatte eine andere Meinung“, sagte er bei MagentaTV.
Der TV-Experte versuchte dann auch, Licht ins Dunkel zu bringen.
„Eine Regeländerung am 28. Februar hat besagt, ‚Mistaken Identity‘ heißt nicht nur der Spieler, sondern auch das Team. Jetzt ist die Frage: Bezieht sich die Änderung auf die Person oder auch auf die Aktion? Für mich liegt hier ein absoluter Prozessfehler vor“, befand der langjährige Bundesliga-Referee.
Gefragt sei nun die FIFA, die die genau Auslegung der Regel festlegen müsse. Ittrich selbst „bezweifelt“, dass die Formulierung die Aktion – also die Gelbe Karte für den falschen Spieler wegen einer Schwalbe – mit einbeziehe.
Zudem bemängelte er einen zweiten Punkt: Das Spiel sei zunächst fortgesetzt worden: „Normalerweise kannst du nach einer Spielfortsetzung beim VAR-Protokoll gar nicht mehr angreifen. Der Prozess war komplett schlecht. Die Überprüfung muss vor der Spielfortsetzung stattfinden.“
Eine weitere von der IFAB festgelegte Regelung besagt jedoch, dass der Schiedsrichter nicht nur bei „möglichen feldverweiswürdigen Vergehen (wegen einer Tätlichkeit, Anspuckens oder Beissens des Gegners oder einer äusserst anstössigen, beleidigenden und/oder schmähende Handlung)“, sondern eben auch bei der so genannten Personenverwechslung eine Videoüberprüfung vornehmen könne.
Hummels: „Verwechselt hat er auf jeden Fall nichts“
Schon nach dem Schlusspfiff war die Szene ein großes Thema gewesen. Moderatorin Laura Wontorra wandte sich an Experte Mats Hummels und fragte: „Was ist eigentlich passiert und worüber müssen wir uns morgen beschweren?“
Hummels erahnte, dass es sich vielleicht um eine neue Regel handelt, meinte aber auch: „Es klingt für mich ein bisschen so, dass die Spielerverwechslungs-Thematik Vorwand gewesen ist, dass er sich die Szene nochmal anschauen kann, weil verwechselt hat er davor auf jeden Fall nichts.“
Die Szene hatte sich beim Stand von 3:0 ereignet. Paraguay wirkte in der ersten Halbzeit über weite Strecken überfordert, die Amerikaner hingegen waren kaum zu stoppen.
Reyna mit Traumtor kurz vor Schluss
Die USA gingen früh durch ein Eigentor von Damián Bobadilla in Führung (7.). Folarin Balogun sorgte mit einem Doppelpack noch vor dem Pausenpfiff für klare Verhältnisse (31., 45.+5).
In der zweiten Halbzeit ging die USA dann ein wenig vom Gas. Mauricio verkürzte in der 73. Minute für Paraguay auf 1:3.
Der Gladbacher Giovanni Reyna sorgte mit einem traumhaften Treffer für ein echtes Highlight und den 4:1-Endstand (90.+8). Mit viel Gefühl setzte er den Ball per Außenrist neben den linken Pfosten.