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Er erzürnte ganz Fußball-Deutschland - doch sein "Opfer" vergab ihm

DFB-Weltmeister vergibt EM-Skandal

Ronald Koeman hat bei der EM 1988 mit einem Popo-Wischer für Furore gesorgt
Ronald Koeman hat bei der EM 1988 mit einem Popo-Wischer für Furore gesorgt
© IMAGO/Laci Perenyi

Es war einst der Gipfel der deutsch-niederländischen Rivalität: EM-Halbfinale 1988 – die Niederlande gewinnen im Hamburger Volksparkstadion mit 2:1. Doch die eigentliche Demütigung der Deutschen sollte erst nach der Partie folgen.

Ronald Koeman kam zu Olaf Thon, wollte mit dem Nationalspieler das Trikot tauschen. Nur, um sich wenige Augenblicke später zu den Oranje-Fans zu drehen und sich mit dem weißen Trikot sinnbildlich den Allerwertesten abzuwischen. Dabei drehte sich der Blondschopf oberkörperfrei und schelmisch grinsend gen Tribüne – ein Hohn sondergleichen.

Im SPORT1-Podcast „Deep Dive“ reagiert Olaf Thon nun auf den Skandal von vor 38 Jahren – und vergibt Koeman.

Der 60-Jährige erzählt im Gespräch mit Moderator Lenny Peteanu: „Ich habe das erst am Tag danach erfahren, aber direkt gesagt: ‚Das kann der ruhig machen. Ist keine schöne Geschichte – aber er hat auch später gesagt, er hat es bereut, das nehme ich ihm auch ab.‘ Das war eben die Freude, die Deutschen zu schlagen. Da macht man auch mal verrückte Sachen und Fehler.“

Koeman, der unterdessen seine Trainerkarriere beim FC Everton, dem FC Barcelona und der niederländischen Nationalmannschaft vorangetrieben hat, sagte selbst übrigens einst im Wortlaut: „Ich bedauere, was ich nach dem Spiel tat. Es war eine impulsive Reaktion, eine dumme Aktion, die mich mein Leben lang begleiten wird. Ich habe Olaf Thon seither nicht mehr getroffen, ich hatte also nie die Gelegenheit, mich zu entschuldigen.“ 

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Im Allgemeinen sei die Situation ohnehin nur durch die aufgeheizte Stimmung zwischen den beiden Nationen entstanden. Im WM-Finale 1974 hatte die DFB-Auswahl im Münchner Olympiastadion die goldene Generation der Niederlande um Johan Cruyff mit 2:1 geschlagen – seitdem entwickelte sich eine ausgeprägte Abneigung.

Deutschland versus Niederlande: „Das war brutal“

„Die Stimmung zwischen den beiden Ländern in der Phase war immer kochend heiß – auch mit Randalen vor den Spielen“, erklärt Thon: „Mitte, Ende der 1980er war das brutal. Das war so heiß, da brauchtest du gar keine persönliche Emotion.“

Die Popowischer-Aktion verzeiht er Koeman inzwischen. Zwar habe nie ein persönliches Gespräch der beiden stattgefunden, schlimmer wäre es aber gewesen, „er hätte mir meine Achillessehne oder mein Schienbein kaputtgetreten.“

Es sollte jedoch längst nicht der letzte Akt der Rivalität gewesen sein. Auch bei der WM 1990 – wieder hatte Deutschland die Nase vorn – kam es zu einem handfesten Skandal rund um den heutigen DFB-Sportdirektor Rudi Völler und seinen niederländischen Kontrahenten Frank Rijkaard.

Nach einem Foul seinerseits spuckte Rijkaard dem Deutschen im Achtelfinale ins Haar, zog ihn gar noch am Ohr. Schiedsrichter Juan Carlos Loustau zeigte dem Niederländer glatt Rot – und Völler zur Verwunderung aller ebenfalls.

Spuckattacke gegen Völler: „Wer wäre runtergeflogen?“

Thon ordnet in Retrospektive ein: „Wir haben das auch erst später mitbekommen, das konnten wir ja gar nicht sehen. Heute beim Videobeweis, wer wäre runtergeflogen? Nicht Rudi Völler.“

Gerade deshalb sei er ein Verfechter des VAR: „Deswegen ist dieser Videobeweis so wichtig, er muss nur richtig eingesetzt werden. Die waren so heiß und motiviert und dann übermotiviert, so kommt es dann, dass beide Spieler runtergegangen sind.“