WM 2026>

Völler liefert Erklärungen, wo sie Nagelsmann schuldig bleibt

Wie lange geht das noch gut?

Nach der Niederlage gegen Ecuador steht naturgemäß Julian Nagelsmann im Fokus. Rudi Völler stützt ihn, aber so manches Detail lässt aufhorchen.
Haben dem DFB gegen Ecuador die nötigen Prozente gefehlt? In der Nationalmannschaft wird sich widersprochen - auch auf Bosse-Ebene.
Nach der Niederlage gegen Ecuador steht naturgemäß Julian Nagelsmann im Fokus. Rudi Völler stützt ihn, aber so manches Detail lässt aufhorchen.

Es war direkt nach der 1:2-Pleite gegen Ecuador vorherzusehen, was am Samstagmittag Ortszeit in Winston-Salem passieren würde: Rudi Völler musste es richten.

Der DFB-Sportdirektor nahm in der Pressekonferenz Platz und lieferte dort Erklärungen, wo sie Bundestrainer Julian Nagelsmann direkt nach dem Spiel schuldig geblieben war.

Völlers großes Pfund: Seine Autorität speist sich aus all den Erfolgen, die er für Fußball-Deutschland errungen hat – als Spieler, als Teamchef. Seine joviale Art ist aktuell auch dringend nötig, denn Nagelsmanns Auftritte in East Rutherford wirkten am Donnerstag teils „unsouverän“, teils „bockig“ (Marcel Reif bei Bild) – zumindest wurden sie so bezeichnet. Wie gut also für den DFB, dass es Rudi gibt!

Nagelsmann und Völler ziehen unterschiedliche Schlüsse

„Wir haben natürlich ein absolutes Top-Verhältnis, ein freundschaftliches Verhältnis“, sagte der Sportdirektor und fügte an: „Julian Nagelsmann hat sich durch viele Jahre in der Bundesliga einen Top-Namen gemacht und ist ein Top-Trainer“. Das sage er nicht, weil er es sagen müsse, ließ Völler die Öffentlichkeit wissen. Es ist seit Monaten seine Botschaft: Ich vertraue dem Trainer, also tut ihr es bitte auch.

Für den 66-Jährigen ist es ein schmaler Grat. Nagelsmann bezeichnete ihn bereits als „Papa-Figur“. Das klingt so, als schätze er stets den väterlichen Rat Völlers. Der wiederum möchte keinesfalls altväterlich daherkommen und als graue Eminenz im Hintergrund dastehen.

Trotzdem: In manchen Situationen wirkt es tatsächlich so, als müsse der Papa die Dinge einordnen, die der Sohn in all seiner Emotionalität schnell daherredet.

Völler hilft Nagelsmann nicht immer

Während Nagelsmann den Verdacht, die Mannschaft habe den Sieg „weniger gewollt“ als der Gegner, brüsk als „Quatsch“ abtat, gibt Völler Spielern wie Joshua Kimmich und Deniz Undav Recht: Ein paar Prozentpunkte weniger seien „verständlicherweise“ normal, wenn man schon als Gruppensieger feststehe, so der Sportdirektor.

Es ist eine Analyse, die sich von der von Nagelsmann unterscheidet. Die Folge: Völler hilft seinem Schützling meistens, aber nicht immer. In Detailfragen kommen sie offenkundig zu unterschiedlichen Schlüssen.

WM 2026: Wie lange kann Völler die Rolle des Erklärers durchhalten?

Der Weltmeister von 1990 scheint das nicht immer zu bemerken. Und wenn, dann fängt er seine Aussagen zeitnah wieder ein.

Die Frage ist, wie lange Völler die Rolle des großen Erklärers noch durchhält und das gut geht. Ein Aus gegen Paraguay oder eine Blamage in einem möglichen Achtelfinale gegen Frankreich dürfte auch für den Sportdirektor schwer zu verteidigen sein. Beides dürfte unweigerlich zu einer Trainer-Diskussion führen.

„Ich sitze ja auch nicht hier, um den Julian permanent in Schutz zu nehmen“, sagt Völler.

Trotzdem ist es nicht unwahrscheinlich, dass er diese Rolle, die sich als Dauermission entpuppt, weiter tapfer durchhalten muss.