Wenn Deutschland am Samstagabend (ab 22.00 Uhr im LIVETICKER) bei der Weltmeisterschaft auf die Elfenbeinküste trifft, ist es nach 2009 erst das zweite Aufeinandertreffen beider A-Nationalmannschaften. Die Ivorer brachten in der Vergangenheit einige außergewöhnliche Fußballer wie die Touré-Brüder Yaya und Kolo hervor, doch der größte von ihnen ist bis heute Didier Drogba.
Legende der Elfenbeinküste: Was macht eigentlich Didier Drogba?
Was macht eigentlich Didier Drogba?
Für viele Ivorer ist der frühere Stürmer weit mehr als nur ein erfolgreicher Sportler. Er gilt als nationale Ikone, als Symbol für Zusammenhalt und als einer der wichtigsten Botschafter seines Landes. Sein Legendenstatus reicht deshalb weit über seine beeindruckenden Leistungen auf dem Fußballplatz hinaus.
Sportlich gehört der heute 48-Jährige zu den erfolgreichsten afrikanischen Fußballern der Geschichte. Nach seinen Anfängen in Frankreich schaffte er bei EA Guingamp und anschließend bei Olympique Marseille den Durchbruch, ehe er 2004 zum englischen Spitzenklub Chelsea wechselte. Dort schrieb er Vereinsgeschichte.
Drogba wird 2012 zum Bayern-Albtraum
In zwei Amtszeiten erzielte er 164 Tore in 381 Pflichtspielen und gewann unter anderem vier englische Meisterschaften, vier FA Cups sowie drei Ligapokale. Seinen größten Triumph feierte er 2012, als Chelsea erstmals die Champions League gewann.
Im Finale gegen den FC Bayern München wurde Drogba zum Albtraum aller Münchener, denn zunächst erzielte er den späten Ausgleich in der regulären Spielzeit und verwandelte anschließend den entscheidenden Elfmeter im Elfmeterschießen.
Bis heute gilt er deshalb als einer der größten Spieler der Chelsea-Geschichte und als Inbegriff des „Big-Game-Players“, der gerade in den wichtigsten Spielen seine beste Leistung abrief.
Auch mit der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste prägte Drogba eine ganze Generation. Mit 65 Länderspieltoren ist er einer der erfolgreichsten Torjäger der Landesgeschichte. Unter seiner Führung qualifizierte sich die Elfenbeinküste erstmals für eine Fußball-Weltmeisterschaft und nahm anschließend an den Turnieren 2006, 2010 und 2014 teil.
Zwar blieb ihm ein großer Titel mit der Nationalmannschaft verwehrt, doch erreichte er mit den „Elefanten“ zweimal das Finale des Afrika-Cups.
Drogba hält emotionalen Fernsehappell
Noch wichtiger als die sportlichen Erfolge war jedoch sein Einfluss auf die Gesellschaft seines Heimatlandes. Nach der historischen Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2006 richtete Drogba einen emotionalen Fernsehappell an die Konfliktparteien des damaligen Bürgerkriegs. Er forderte die Menschen auf, die Waffen niederzulegen und sich wieder als eine Nation zu verstehen.
Sein Aufruf wurde weltweit bekannt und trug dazu bei, den Friedensprozess zu unterstützen. Viele Ivorer sehen ihn deshalb nicht nur als Fußballhelden, sondern auch als Persönlichkeit, die in einer schwierigen Zeit Hoffnung und Zusammenhalt verkörperte.
Präsidentenwahl wird zum Streitfall
Im November 2018 beendete Drogba schließlich seine aktive Karriere im Alter von 40 Jahren. Sein letztes Engagement führte ihn in die USA zu Phoenix Rising. Dort war er dann sogar als Mitbesitzer am Verein beteiligt.
Nach dem Karriereende zog er sich jedoch keineswegs aus der Öffentlichkeit zurück. Vielmehr versuchte er, die Zukunft des ivorischen Fußballs direkt mitzugestalten. 2020 kandidierte Drogba für das Präsidentenamt des ivorischen Fußballverbandes FIF, doch wurde zunächst aus formalen Gründen nicht zur Wahl zugelassen.
Er kämpfte dafür und sogar die FIFA schaltete sich ein, indem sie eine sogenannte Normalisierungskommission einsetzte, nachdem es erhebliche Streitigkeiten um die Verbandsführung und den Wahlprozess gegeben hatte.
Drogba stand dann doch zur Wahl, aber erhielt 2022 im ersten Wahldurchgang nur 21 Stimmen und unterlag somit seinen Rivalen Idriss Diallo (59 Stimmen) und Sory Diabate (50 Stimmen). Die beiden mussten daraufhin noch in die Stichwahl, die Diallo für sich entschied.
Drogba setzt sich für benachteiligte Bevölkerungsgruppen ein
Die ivorische Fußball-Legende übernahm stets soziale, wirtschaftliche und repräsentative Aufgaben. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Didier-Drogba-Stiftung, die bereits 2007 gegründet wurde. Mit ihr unterstützt der ehemalige Nationalspieler Bildungs-, Gesundheits- und Sozialprojekte in der Elfenbeinküste.
Die Stiftung fördert unter anderem den Bau von Schulen und medizinischen Einrichtungen und setzt sich für benachteiligte Bevölkerungsgruppen ein. Bis heute bleibt dieses Engagement ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit.
Darüber hinaus ist Drogba als Unternehmer, Investor und internationaler Botschafter verschiedener Organisationen aktiv. Regelmäßig tritt er bei Wohltätigkeitsveranstaltungen, Konferenzen und Fußballprojekten auf und nutzt seinen Bekanntheitsgrad, um auf gesellschaftliche Themen aufmerksam zu machen. Im Mai 2026 wurde er bei der UNFP-Gala in Paris für sein humanitäres Engagement ausgezeichnet.
Legendenstatus bis heute manifestiert
Auch viele Jahre nach seinem Karriereende zählt er zu den bekanntesten Persönlichkeiten Afrikas. Während neue Generationen von Fußballern für die Elfenbeinküste auflaufen, bleibt Didier Drogba der Maßstab, an dem sich alle messen lassen.
Sein Vermächtnis beruht nicht nur auf Toren, Titeln und Rekorden, sondern auch auf seinem Einsatz für sein Heimatland. Genau deshalb besitzt er in der Elfenbeinküste bis heute einen nahezu einzigartigen Legendenstatus.