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WM - Ronaldo-Dreieck: Eine Kultfrisur zur Ablenkung

Wie Ronaldo alle täuschte

Ronaldo kreiert vor 24 Jahren zum WM-Halbfinale seiner Brasilianer als Ablenkung eine Kultfrisur - die nun wieder in aller Munde ist.
Jamie Leweling spricht über einen Scherz, den er im Vorfeld der WM gemacht hat. Dabei erklärt er, dass er diesen im Falle eines Erfolgs tatsächlich wahr werden lassen würde.
Ronaldo kreiert vor 24 Jahren zum WM-Halbfinale seiner Brasilianer als Ablenkung eine Kultfrisur - die nun wieder in aller Munde ist.

Genau 24 Jahre ist es her – es war der 26. Juni 2002 -, da hätten viele Fans und Experten einiges darum gegeben, ihn vom Feld zu bekommen. Die Rede ist von Ronaldo. Brasiliens einstiger Superstar, der seinerzeit für die Selecao im Halbfinale der Weltmeisterschaft kämpfte.

Noch zur Halbzeitpause hielt sich die Begeisterung ob seiner Leistung merklich in Grenzen. „Mit ihm spielen wir wie mit einem Mann weniger“, bemängelte Kommentator Walter Casagrande beim brasilianischen TV-Sender Globo.

Der legendäre brasilianische Trainer Mario Zagallo gab später zu: „In der Halbzeitpause dachte ich auch, dass Ronaldo ausgewechselt werden sollte. Jeder sah, dass er nicht in Form war.“

Entscheidendes Tor von Ronaldo im Halbfinale

Cheftrainer Luiz Felipe Scolari entschied sich aber anders. Er ließ Ronaldo auf dem Platz – und sollte nur wenig später belohnt werden. In der 49. Minute wurde der Offensivstar von Gilberto Silva in Szene gesetzt. Umgeben von drei Gegenspielern zog er aus 14 Metern mit der Pike ab, der Ball schlug in der Folge im rechten unteren Eck ein.

Der Treffer zum 1:0 markierte gleichzeitig den Endstand. Brasilien zog ins Finale ein, in dem später mit dem Sieg gegen Deutschland der fünfte WM-Titel gelang – dort traf Ronaldo sogar doppelt.

„Ich konnte nicht mit der Innenseite meines Fußes schießen, das hätte die Verletzung verschlimmert. Also sah ich die Chance und schoss mit der Fußspitze. Perfekt“, blickte Ronaldo später auf das Halbfinale zurück. Die britische Sun titelte sogar vom „Zeh Gottes“.

Schwere Verletzungsprobleme

Dem entscheidenden Tor im WM-Halbfinale ging dabei eine ganz besondere Leidenszeit voraus. Der überaus begabte Fußballer hatte vor allem in den Jahren 1997 bis 2002 mit massiven Verletzungsproblemen zu kämpfen.

Im November 1999 verletzte er sich schwer am Knie. Nach nur vier Monaten gab er sein Comeback – und musste nach gerade einmal sechs Minuten die Partie unter Schmerzen abbrechen. Es folgten 17 Monate Rehabilitation.

Mit zwei Jahren fehlender Spielpraxis wurde er dennoch – begleitet von ordentlich Kritik – für die WM 2002 nominiert. Doch schon bald machte ihm sein Körper wieder einen Strich durch die Rechnung.

Ronaldo mit Forderung an die Ärzte

Zwar spielte er zweimal über 90 Minuten und schoss bis zum Viertelfinale fünf Tore, dort hatte er gegen England aber mächtig zu kämpfen. 20 Minuten vor dem Ende musste er mit Schmerzen ausgewechselt werden.

Vom Teamarzt verlangte er in der Folge dennoch, ihn für das Halbfinale spielbereit zu bekommen. „Ich möchte, dass Sie mich für das nächste Spiel fit machen. Ich möchte wissen, ob Sie gut sind“, forderte er Mannschaftsarzt Jose Luiz Runco heraus.

Während seine Kollegen vor dem Halbfinale trainierten, verbrachte Ronaldo seine Zeit mit Physiotherapie, Elektrotherapie und Kryotherapie. Nichts, aber auch wirklich gar nichts wollte er unversucht lassen.

Frisur als Ablenkungsmanöver

Trainer Scolari gab sich trotz der immer lauter werdenden Kritik kämpferisch. „Wir brauchen jetzt jeden. Wenn man noch ein halbes Bein hat, spielt man. Ronaldo weiß, dass Brasilien ihn braucht.“

Aus Angst vor einer weiteren Verletzung – und auch aus Aberglauben – entschied sich der Brasilianer schließlich kurz vor dem so wichtigen Halbfinale für einen besonderen Schritt. Ein Schritt, der ihn noch einmal auf eine ganz andere Art bekannt machen sollte.

„Ich habe mir vor den Spielen immer den Kopf rasiert. Dieses Mal habe ich aber eine Stelle stehen lassen. Ich ging den Hotelflur entlang und alle lachten, machten Witze, neckten mich und sagten, ich hätte nicht den Mut, so zum Training zu erscheinen“, schilderte er die ersten Momente mit seiner neuen Frisur.

Jener Frisur, dem Haardreieck oberhalb seiner Stirn bei sonst kahlem Kopf, die augenblicklich zum Kult wurde.

Scolari sauer auf Ronaldo: „Was soll diese Frisur?“

Während seine Teamkollegen ihn veräppelten, reagierte Cheftrainer Scolari verärgert. Sein Offensivstar habe einen „lächerlichen“ Look gewählt. „Was soll diese Frisur?“, fragte Scolari seinen Schützling.

„Ich war nervös, verärgert. Warum fängt er jetzt damit an? Was, wenn es nach hinten losgeht? ‚Hast du mich um Erlaubnis gefragt?‘ Ich war wirklich stinksauer“, erinnerte er sich später.

Doch entgegen vieler Vermutungen hatte sich Ronaldo sehr wohl etwas bei seinem Look gedacht. Der angeschlagene Fußballer wollte keinen modischen Trend setzen, sondern die Aufmerksamkeit weg von seiner Blessur und hin zu seinem Look richten. Ein Ablenkmanöver im klassischen Sinne.

Leweling imitiert Ronaldo

„Ich war nur zu 60 Prozent fit, also habe ich mir den Kopf rasiert. Alle redeten nur über meine Verletzung. Als ich mit dieser Frisur zum Training kam, hörten alle auf, über die Verletzung zu reden“, gab er im Jahr 2017 im Interview mit der britischen Sun zu.

Der Plan funktionierte – und ganz nebenbei kreierte Ronaldo eine Kultfrisur, die gerade jetzt wieder in aller Munde ist. DFB-Profi Jamie Leweling bekam für die WM 2026 überraschend die Rückennummer neun. Jene Nummer, die einst Ronaldo trug.

Entsprechend zeigte sich der Deutsche in den sozialen Medien via Fotomontage mit der legendären Frisur. Die Aktion des Stuttgarters schlug hohe Wellen – und erreichte sogar Ronaldo selbst.

Ronaldo-Frisur bleibt Kult

„Jeder hat mitbekommen: Ich habe mein Profilbild geändert vor der WM, ja diese Ronaldo-Frisur. Es war eigentlich ein Spaß oder als Spaß gedacht. Aber mittlerweile hat es so viel Aufmerksamkeit bekommen, dass auch der echte Ronaldo mir ein Trikot geschenkt hat. Das hat mich sehr gefreut“, betonte Leweling.

Dass sein Ablenkungsmanöver fast 25 Jahre später noch in aller Munde sein würde, hätte sich der inzwischen 49-jährige Ronaldo wohl nicht erträumen lassen.