Es war eine dieser Szenen, in der die Torjägerqualitäten von Harry Kane normalerweise voll zur Geltung kommen. Die Betonung liegt auf „normalerweise“. Denn als sich Englands Stürmerstar in der 86. Minute des WM-Spiels gegen Ghana (0:0) urplötzlich die riesige Chance auf das 1:0 bot, schoss der Bayern-Star den Ball freistehend aus fünf Metern über das Tor.
"Wird ihn lange verfolgen": Kane sorgt für große Verwunderung
Kane sorgt für große Verwunderung
Mitspieler Nico O’Reilly hatte Sekunden zuvor per Kopf nur die Latte getroffen, der Abpraller landete bei Kane – doch der Bayern-Superstar scheiterte wie bereits erwähnt überraschend. Und so blieb dem Team von Trainer Thomas Tuchel am Ende nichts anderes übrig, als sich mit dem torlosen Unentschieden zu begnügen.
Kane im Fokus: Schweinsteiger und Hummels überrascht
Der Unglaube über Kanes vergebene Chance stand auch nach der Partie im Vordergrund.
„Den macht er normalerweise. Ich weiß nicht, was er gedacht hat. Er wollte den Ball sauber mit dem Spann treffen, trifft ihn aber nicht 100-prozentig, ist ein bisschen in Rückenlage und dann geht er halt drüber“, analysierte Bastian Schweinsteiger in der ARD: „Das war natürlich die größte Chance und wenn er den macht, gewinnen sie mit 1:0.“
Auch Mats Hummels zeigte sich in seiner Rolle als Experte für MagentaTV sehr überrascht: „Der Abschluss von Kane – wir haben alle erwartet, dass er ihn reinnagelt. Sehr ungewöhnlich für ihn.“
Tuchel gab ebenfalls zu: „Harry hätte den machen müssen. Das war eine klare Chance, eine Hundertprozentige, sogar eine Doppelchance, die wir da hatten.“
WM: Kane lobt Ghanas Defensive
Kane, der insgesamt lediglich 19 Ballkontakte verzeichnete, hob hervor, wie gut Gegner Ghana in der Defensive agiert hatte.
„Ich wurde dort über weite Strecken des Spiels von Thomas Partey eng gedeckt, sodass ich nicht den Raum hatte, mich tief fallen zu lassen und in den Strafraum zu kommen. Sie haben den Strafraum gut verteidigt, und wir konnten bei Flanken den ersten Kontakt nicht herstellen“, analysierte der 32-Jährige.
Es sei ein Spiel gewesen, „bei dem man als Stürmer darauf wartet, dass der Ball abprallt. Das tat er auch, aber ich kam nicht richtig über den Ball. So ist das eben. Ich bin lange genug Stürmer, um zu wissen, dass sie nicht immer reingehen.“
Die für ihre kritischen Worte bekannte englische Presse zeigte sich wenig nachsichtig: „No he kan’t“, titelte The Sun in Anlehnung an Kanes Namen und die vergebene Großchance in der Schlussphase.
Die Three Lions hätten „einen herben Rückschlag“ erlebt: „Leblos und lustlos, eingeschränkt und schwach – genau die Art von Turnierleistung, die wir von England schon viel zu oft gesehen haben“, schrieb das Boulevardblatt weiter.
Presse kritisiert Kanes Leistung
The Independent sprach von einem „schlechten Tag“ für Kane: „Diese großartige Chance in der Schlussphase, bei der er den Ball mit dem linken Fuß weit über das Tor schoss, obwohl er freie Schussbahn hatte, wird ihn noch lange verfolgen.“
Auch beim Daily Star kam der Bayern-Angreifer nicht gut weg. „Hatte Schwierigkeiten, sich durchzusetzen, und ließ sich zu weit zurückfallen. Verpasste in der Schlussphase eine große Chance. Eine Enttäuschung“, fiel das Fazit der Zeitung aus.
Dennoch haben die Three Lions als Tabellenführer der Gruppe L wie auch die Black Stars mit vier Punkten weiter gute Chancen aufs Weiterkommen. Zum Auftakt hatte Kane gegen Kroatien (4:2) doppelt getroffen – und mit seinem zehnten Tor bei einer WM Englands bisherigen Rekordtorschützen Gary Lineker eingeholt.