Die englische Nationalmannschaft startete erfolgreich in die WM 2026 und die Mission nach dem lang ersehnten ersten Titel seit 60 Jahren. Neben Doppelpacker Harry Kane stach vor allem einer am Mittwochabend in Dallas heraus: Jude Bellingham.
WM 2026: Bellingham liefert zum richtigen Zeitpunkt
Bei ihm fiel Tuchels Urteil anders aus
Beim 4:2-Sieg gegen Kroatien zum Auftakt der Gruppe L traf der 22-Jährige nicht nur zum zwischenzeitlichen 3:2, sondern überzeugte auch abseits davon auf ganzer Linie. „Bellinghams Leistung war lobenswert“, bewertete etwa die spanische Zeitung Marca.
Dabei war ein Platz in der Startelf für Bellingham keineswegs garantiert.
Tuchel und Bellingham? Es gab Reibereien
Schwer zu glauben, blickt man zurück auf seine herausragende Europameisterschaft 2024, als England erst im Finale gegen Spanien gescheitert war – doch der aufstrebende Morgan Rogers von Aston Villa, der noch im Mai die Europa League gewann, und die Verpflichtung von Thomas Tuchel als Nationaltrainer, der nicht strikt auf ein „Starsystem“ setzt, intensivierten die Debatten um Bellingham.
Zu spüren bekam der Real-Star die Ansichten Tuchels im Oktober des vergangenen Jahres, als ihn der Deutsche nicht für die Länderspiele nominierte – und das, obwohl Bellingham nach genesener Verletzung spielen wollte. Der Frust saß tief, die Entscheidung löste in England einen medialen Aufschrei aus.
Darüber hinaus soll das Verhältnis der beiden nicht immer reibungslos gewesen sein. Als Bellingham sich im vergangenen Winter über eine Auswechslung ein bisschen zu sehr ärgerte, kassierte er von Tuchel sofort eine öffentliche Ansage.
Immer wieder hat der deutsche Trainer in den vergangenen Monaten betont, dass es ihm um weit mehr geht als nur große Namen. Einige davon (unter anderem Trent Alexander-Arnold und Cole Palmer) ließ er entsprechend auch zu Hause.
„Das ist der Bellingham, auf den England gewartet hat“
Nicht jedoch Bellingham. Der einstige Dortmunder lieferte dem Coach offensichtlich genügend Argumente, die nicht alle sportlicher Natur gewesen sein dürften.
Denn bei Real Madrid erlebte er eine eher durchwachsene Saison, die von Verletzungen an der Schulter und am Oberschenkel beeinflusst wurde. Trotz allem kam Bellingham wettbewerbsübergreifend auf 37 Spiele und 13 Torbeteiligungen und wurde von Tuchel für die WM nominiert.
Dort setzte er sich dann im internen Duell um den Platz auf der Zehnerposition gegen Rogers durch und ergänzte hinter Kane das Star-Mittelfeld um Declan Rice und Elliot Anderson. Prompt zahlte der ehemalige BVB-Star das Vertrauen Tuchels zurück und zählte zu den besten Akteuren auf dem Platz. „Das ist der Bellingham, auf den England gewartet hat“, titelte die Marca nach dem Spiel und brachte es damit auf den Punkt.
Bellingham dreht Partie auf links
Pünktlich zum internationalen Saisonhighlight zeigte sich Bellingham in bestechender Form. Während England in der ersten Hälfte laut dem Guardian „wie defekte Maschinen, wie verängstigte Maschinen“ spielte, habe Bellingham mit seinem Tor für einen „Moment voller Tatendrang und Energie“ gesorgt, der im „krassem Gegensatz zu allem stand, was bis dahin geschehen war“.
Nach einem feinen Pass von Anderson auf die rechte Seite setzte sich Bellingham im Sprintduell gegen seinen Gegenspieler durch und überwand Kroatien-Keeper Dominik Livakovic aus spitzem Winkel mithilfe des Innenpfostens. „Das war kein typisches Einzelgängertor, kein Dribbling und auch kein Moment der Raffinesse. Es war Ausdruck puren Willens“, bewerte der Guardian. „Das i-Tüpfelchen, um seine großartige Leistung weiter abzurunden“, meinte die Marca.
Krone für Bellingham nach „Glanzleistung“
„Der Thronfolger wird König“, titelte die spanische Zeitung As und spielte damit auf das Duell mit Altmeister Luka Modric an. Dieser hatte Real Madrid im vergangenen Jahr nach 13 Jahren in Richtung AC Mailand verlassen, Bellingham war bereits zwei Jahre zuvor als sein potenzieller Nachfolger verpflichtet worden.
Der Kroate erwischte im Gegensatz zu Bellingham allerdings einen Tag zum Vergessen. Bei seiner insgesamt sechsten Weltmeisterschaft verursachte der 40-Jährige gleich in der Anfangsphase einen Elfmeter und musste nach nur 58 Minuten das Feld schon wieder verlassen. „Modric übergibt seine Krone nach einer Glanzleistung von Bellingham, seinem Thronfolger bei Real Madrid“, schrieb die As.
Die nächste Chance wieder für „Elite-Momente“ (Guardian) zu sorgen, hat Bellingham bereits am kommenden Dienstag gegen Ghana (22. Juni, 22 Uhr MESZ). Zum Abschluss der Gruppenphase steht dann noch das Duell gegen Panama an (27. Juni, 23 Uhr MESZ). Sollte England die Gruppe als Erster abschließen, würde das Team auf einen der besten acht Gruppendritten treffen.