In den internationalen Medien war Luca Zidane kein großes Thema. Klar, dass sich die Presse nach dem 3:0-Sieg der Argentinier gegen Algerien auf Lionel Messi stürzte, der mit seinem Dreierpack plus Rot-Diskussion nach hartem Foulspiel zur absoluten Hauptfigur mutiert ist.
WM 2026: Ist die Last des berühmten Namens zu groß?
Ist die Last des Namens zu groß?
In Algerien wurde allerdings auch der Auftritt der eigenen Nation kritisch beäugt. Im Blickpunkt stand dabei ein anderer Protagonist mit großem Namen: Luca Zidane.
Luca Zidane sah bei WM-Duell mit Argentinien nicht gut aus
Der Sohn des früheren Weltfußballers Zinédine Zidane, der das Tor des Landes hütet, in dem die Familie ihre Wurzeln hat, muss sich die deutliche Niederlage zum Teil ankreiden lassen. Messis Distanzschuss zur Führung fällt unter die Kategorie: „An einem guten Tag, hält er den.“ Den zweiten Treffer von „La Pulga“, muss der Torhüter eindeutig auf seine Kappe nehmen. Einen wuchtigen, aber unplatzierten Fernschuss ließ Zidane genau vor die Füße Messis klatschen.
Dass Luca Zidane wenigstens am Messi-Flachschuss zum 0:3 keinerlei Schuld hatte, dürfte für Vater Zinédine auf der Tribüne eher ein schwacher Trost gewesen sein. Eher ins Gewicht fallen dürfte, dass sein Sohn mit einer starken Parade Messis Viererpack verhinderte (66.).
Die zahlreichen TV-Kameras richteten sich immer wieder auf den berühmten Vater und bemühten sich, sämtliche Reaktionen des Vaters auf die Treffer einzufangen. Spektakuläre Bilder lieferte Pokerface Zinédine dabei nicht – dennoch wurde bei der TV-Übertragung mal wieder überdeutlich, welchen Kampf Keeper Luca bereits seit Jahren zu kämpfen hat: den gegen den langen Schatten des Vaters.
Der berühmte Vater Zinedine bleibt Segen und Fluch
Noch immer wird der mittlerweile 28 Jahre alte Torhüter des spanischen Zweitligisten FC Granada in vielen Überschriften als „Zidane-Sohn“ bezeichnet – der Fluch-Segen, der ihn seit seiner Zeit als Kinderfußballer begleitet.
Der Schlussmann durchlief von 2004 bis 2019 die Jugendabteilung von Real Madrid (wie auch seine Brüder Enzo, Theo und Elyaz) – dem Klub, bei dem Zinédine seine aktive Karriere beendete und mit dem Champions-League-Sieg 2006 krönte.
Rund zehn Jahre nach seinem Karriereende als aktiver Fußballer stieg Zidane als Cheftrainer bei den Königlichen ein – und verhalf seinem Sohn Luca zum Profidebüt bei den Königlichen. Beim 2:2 gegen Villarreal im Mai 2018 war der damals 20-jährige Luca bei den Gegentoren frei von Schuld und lenkte einen Freistoß stark über die Latte.
Doch wer zu diesem Zeitpunkt die Bilderbuch-Karriere eines kommenden Torhüter-Giganten erwartete hatte, musste seine Erwartungen bald herunterschrauben.
Algerien-Trainer von Zinédine-Fragen genervt
Um Spielpraxis zu sammeln, wurde Luca Zidane 2019 an Racing Club Santander verliehen, von dort ging es über Rayo Vallecano zu SD Eibar in die zweitklassige La Liga 2. Mit Eibar verpasste Luca den Aufstieg gleich zweimal und spielt seitdem beim FC Granada.
Bei den meisten anderen Spielern mit diesem Karriereweg wäre das Scheinwerferlicht längst verblasst. Bei Zidane ist die Lage aufgrund seines Familiennamens anders. Und das öffentliche Interesse wuchs nochmal an, als der in Marseille geborene Luca sich im vergangenen Jahr für einen Verbandswechsel nach Algerien entschied – und sich damit die Tür zur WM öffnete.
Beim Afrika-Cup kam Zidane bereits im algerischen Tor zum Einsatz – und bekam eine weitere Kostprobe, was der große Nachname mit sich bringt: Als das algerische Publikum Zidane Senior auf der Tribüne erblickte, stimmten die Fans Gesänge über „Zinédine“ an.
Als sich auch nach der Partie alle Fragen um den prominenten Besucher drehten, platzte Coach Vladimir Petkovic der Kragen: „Sie sprechen über die Anwesenheit eines der Väter meiner Spieler. Die Eltern anderer Spieler waren auch da.“
Petkovic gibt sein Bestes, um Zidane zu schützen
Der Trainerroutinier aus Bosnien gibt sich auch bei der WM alle Mühe, seine Nummer 1 von der medialen Unruhe abzuschirmen.
„Jeder hat das Recht, Fehler zu machen. Ich bin sehr überzeugt von seinen Fähigkeiten“, betonte der langjährige Schweizer Nationalcoach nach dem Argentinien-Spiel und würgte damit die schnell eintretende Debatte um Zidanes Stammplatz ab: „Ich lese nichts. Ich habe keine Social-Media-Accounts“, beantwortete er eine Nachfrage zu der kritischen Stimmung in Sachen Zidane.
In Algerien hofften sie, dass Zidane beim zweiten Gruppenspiel gegen Jordanien (5 Uhr, live im SPORT1-Ticker) ebenso unbeeindruckt von dem Wirbel bleibt.