Jürgen Klopp zog seinen imaginären Hut und fiel Thomas Tuchel nach dem 4:2-Sieg der Engländer gegen Kroatien anerkennend um den Hals. „Ich habe zu ihm gesagt, da war ja gar kein Druck drauf. War doch ein ganz einfaches Spiel“, sagte der frühere Liverpooler Erfolgscoach in seiner Rolle als MagentaTV-Experte mit einem verschmitzten Lächeln.
WM 2026: Thomas Tuchel lässt die Experten schwärmen
Der Wind hat sich gedreht
Die Wahrheit kannte Klopp nur allzu gut. „Thomas hatte brutalen Druck.“ Schließlich soll der englische Nationaltrainer die 60-jährige Sehnsucht nach dem zweiten WM-Titel für das Mutterland des Fußballs stillen.
Doch die teils biederen Auftritte in der Qualifikation und dann auch noch Nicht-Nominierungen von Stars wie Cole Palmer, Phil Foden und Harry Maguire ließen die kritischen Stimmen auf der Insel lauter werden. „Nicht nur, dass er für manche in der Öffentlichkeit die falschen Spieler dabei hat, sondern dann stellt er mit Madueke auch noch einen davon auf und lässt Saka draußen“, sagte Klopp.
England-Spektakel zum WM-Start lässt Experten schwärmen
Besagter Noni Madueke war gleich zu Beginn hellwach, holte gegen Luka Modric den Elfmeter raus, den Harry Kane dann im zweiten Versuch verwandelte (12.). Es war der Startschuss für ein Spektakel, das die Three Lions trotz der Comeback-Qualitäten der Kroaten verdient für sich entschieden. Und Englands Expertenriege geriet ins Schwärmen.
„Diese Leistung hat so viele positive Aspekte mit sich gebracht. Die Tore, die sie erzielt haben, und die Art und Weise, wie sie dem Druck standgehalten haben“, schwärmte der frühere Nationalstürmer Alan Shearer bei der BBC.
Tuchels Three Lions begeistern auch Rooney
Wayne Rooney stimmte in die Lobeshymne ein: „Ich habe es geliebt. Es war eine großartige Leistung. Bei den beiden Gegentoren hätten sie sich etwas besser anstellen können, aber sie haben so viel Positives gezeigt: Balleroberungen, Torchancen herausgespielt, es Kroatien schwer gemacht, aus der eigenen Hälfte zu kommen.“
Das Fazit des früheren Kapitäns der englischen Nationalmannschaft: „Das war das aufregendste Auftaktspiel eines Turniers, das ich seit langer Zeit gesehen habe.“
Der Wind hat sich offensichtlich gedreht. Auch Tuchel wirkte im ersten Interview mit dem britischen TV-Sender ITV auf dem Rasen des Stadions in Arlington sichtlich gelöst, als er seiner Mannschaft eine gute Reaktion attestierte.
„Die erste Halbzeit war für uns etwas kompliziert. Es war ein bisschen angespannt“, sagte Tuchel: „Wir hatten Mühe, einen Rhythmus zu finden, und uns fehlte das Selbstvertrauen, die Lücken zu nutzen.“
Kane enthüllt besondere Halbzeitansprache von Tuchel
Doppelpacker Kane, der mit seinem zehnten WM-Tor Englands Rekordschützen Gary Lineker einholte, berichtete nach dem Spiel von einer bemerkenswerten Halbzeitansprache Tuchels.
„Wir haben uns in der Halbzeit einiges anhören müssen von Thomas Tuchel“, sagte der Torjäger des FC Bayern. „Wenn wir verlieren, dann verlieren wir auf unsere Art“, habe Tuchel demnach gesagt.
Tuchel selbst bestätigte seinen Weckruf: „Auch wenn das Ergebnis nicht zu unseren Gunsten ausfällt, wollen wir unseren Stil spielen. Ich habe versucht, sie zu ermutigen, alles zu geben.“
Die Worte zeigten Wirkung. Nur wenige Augenblicke nach Wiederbeginn brachte Jude Bellingham (47.) die Three Lions mit seinem Treffer zum 3:2 wieder auf die Siegerstraße. Marcus Rashford sorgte in der Schlussphase für die Entscheidung (85.). Martin Baturina (36.) und Petar Musa (45.+5) hatten zwischenzeitlich ausgeglichen.
Auch Neville schwärmt: „Einfach atemberaubend“
Auch ITV-Experte Gary Neville zollte Tuchel Respekt. „Er hat ihnen in der Halbzeitpause ordentlich die Leviten gelesen, oder? Sie kamen aus der Kabine und waren in den ersten 20 Minuten der zweiten Hälfte einfach atemberaubend.“
Neville lobte auch Tuchels Ein- und Auswechslungen, die eine „große Wirkung“ zeigten. Das vierte Tor war eine Co-Produktion des eingewechselten Duos um Bukayo Saka und Rashford.
Nevilles Urteil lautete abschließend: „Es war eine wirklich gute zweite Halbzeit, und einiges von dem, was in den ersten 10 Minuten passiert ist, war fantastisch.“