Als im WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Curacao die 31. Minute lief, sorgte Leroy Sané für eine Szene, die seinen Kritikern neue Nahrung bot: Der 30-Jährige versuchte, mit einem Hackentrick in der eigenen Hälfte Florian Wirtz zu bedienen. Das Abspiel wurde aber zu einem Pass in den Lauf des Gegners. Zur Erinnerung: Zu diesem Zeitpunkt stand es gerade einmal 1:1 – ein denkbar schlechter Moment für solche Aktionen…
WM 2026: Wer hat bei Sané eine falsche Wahrnehmung?
Die Diskrepanz ist riesig
Und auch in der Folge konnte der Offensivmann nicht wirklich überzeugen. Zwar zeigte er sich bemüht, Zählbares sprang dabei aber nicht heraus. Im Vergleich zu Deniz Undav, der während seines 30-Minuten-Einsatzes gleich ein Tor und zwei Assists zum Sieg beisteuerte, wirkte Sané noch zusätzlich ineffizient.
Gut für ihn: Julian Nagelsmann hält eisern zu ihm – trotz der Kritik von Fans, Medien und Ex-Profis. Dabei greift er zu Argumentationen, die teilweise als abenteuerlich aufgefasst werden. „Bei Leroy ist erstmal die Bewertungsgrundlage, wie viel er investiert im Spiel. Er hat sehr viel investiert, er war fleißig in allen Umschaltsituationen. Er war viel dabei, offensiv wie defensiv“, erklärte der Bundestrainer nach der Partie gegen Curacao.
Sané genießt Luxus bei Nagelsmann
Offenkundig wird Sané also nicht an Toren oder Assists gemessen, sondern an seinem Fleiß und Willen. Einen solchen Luxus genießen nicht viele Spieler bei ihren jeweiligen Trainern.
Auch diese kleine Sonderbehandlung irritiert zunehmend. Sané bleibt eine Reizfigur, das war er schon immer. „Ich bin sehr verwundert darüber, dass alle so verwundert sind. Ich kenne es ehrlich gesagt nicht großartig anders von ihm“, sagte Ex-Nationalspieler Markus Babbel jüngst bei ran.
WM: Kimmich verteidigt Mitspieler
Bemerkenswert ist derweil, wie groß die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Meinung zu Sané und dem, was seine Mitspieler über ihn sagen, ist. Am Dienstag setzte Joshua Kimmich auf Nachfrage von SPORT1 zu einer großen Verteidigungsrede an.
„Ich finde das nicht verständlich. Er war extrem engagiert. Speziell sein Umschaltverhalten, er hat mich nie alleine gelassen, ist immer zurückgesprintet“, betonte der DFB-Kapitän und wies darauf hin, wie Sané hinter den Kulissen gesehen wird: „Wichtig ist, dass wir das intern als Mannschaft und mit dem Trainer nicht nur daran (an Toren – Anm. d. Red.) bemessen. Deswegen verstehe ich die Kritik nicht, speziell nach einem 7:1. Wenn ich auf die Körpersprache schaue, die ihm ja oft vorgeworfen wird, war das durchweg positiv.“
Der DFB-Kapitän stellt sich quasi als Kronzeuge für Sanés Einsatzwillen zur Verfügung. Es müssen also Experten wie Babbel und viele Fans sein, die eine falsche Wahrnehmung haben.
Ändert sich der Blick auf Sané?
Tatsächlich wird Sané auch abseits der Mikrofone als „wichtig für die Truppe“ und „gut für die Stimmung“ beschrieben – es kann sich bei Kimmichs Loblied also nicht um ein reines Lippenbekenntnis handeln. Trotzdem ist es fraglich, ob der Flügelspieler sein Image noch ändern kann.
Die Umstände seines Abschieds vom FC Bayern und seine schwankenden Leistungen in München und in der Nationalmannschaft beherrschen den Blick auf ihn. Womöglich lässt sich der auch kaum noch ändern. Obwohl Sané vom Bundestrainer und seinen Kollegen bestmöglich verteidigt wird.