Exakt 59 kleine Sprengsätze haben die mexikanischen Sicherheitskräfte in dieser Woche sichergestellt. Im Gepäck hatten sie besonders radikale Aktivisten der „Lehrergewerkschaft“ CNTE. Die CNTE (Coordinadora Nacional de Trabajadores de la Educación; d. Red.) ist eine Art Koordinierungsstelle für Beschäftigte im Bildungssektor.
WM 2026: WM-Euphorie in Mexiko? Fehlanzeige!
WM-Euphorie bei 133.000 Vermissten?
„Wir befürworten friedliche Demonstrationen, aber die Bevölkerung darf durch den Einsatz von Sprengkörpern bei Protesten nicht gefährdet werden“, stellte Mexikos Staatssekretär Arturo Medina klar.
Lehrerproteste in Mexiko eskalieren
Seit Tagen sorgen sie mit Protesten nicht nur in Mexiko-Stadt, sondern im ganzen Land für Aufsehen.
Kurz vor dem Eröffnungsspiel am Donnerstag (21 Uhr MESZ im LIVETICKER) zwischen Co-Gastgeber Mexiko und Südafrika im legendären Azteken-Stadion verstärkten sie ihre Kräfte noch einmal. Aus dem ganzen Land haben sich Abordnungen angekündigt.
Auf Bauzäunen in Mexiko-Stadt haben Aktivisten die Botschaft aufgesprüht: „Gibt es keine Lösung, wird kein Ball rollen.“
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum wirft der CNTE vor, gezielt Bilder provozieren zu wollen, auf denen die Demonstranten mit Sicherheitskräften zusammenstoßen. Deren Forderung: Eine saftige Gehaltserhöhung und eine Rücknahme einer Rentenreform.
Mütter ziehen auf die Straßen
Einen ganz anderen Hintergrund hat ein für den Vorabend des Eröffnungsspiels angekündigter Protestmarsch der Mütter verschwundener Menschen in Mexiko-Stadt.
Die Frauen wollen in Richtung Azteken-Stadion ziehen. Anders als die CNTE drohen sie nicht, mit den Aktionen die WM zu blockieren oder zu boykottieren, sondern wollen das internationale Interesse dazu nutzen, auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.
„Während sich weltweit Millionen von Menschen darauf vorbereiten, die von der FIFA als ‚größte Eröffnungsfeier der Welt‘ bezeichnete Veranstaltung zu verfolgen, werden Tausende mutiger Frauen in Mexiko diese Gelegenheit nutzen, um auf die Straße zu gehen und die Welt daran zu erinnern, dass ihre Angehörigen immer noch vermisst werden und dass die Suche nach ihnen weitergeht“, kündigte Edith Olivares Ferreto, Geschäftsführerin von Amnesty International Mexiko, in dieser Woche an.
In Mexiko-Stadt sind inzwischen tausende Bilder an strategisch wichtigen Kreisverkehren aufgehängt. „Mehr als 133.000 Verschwundene“ steht in großen schwarzen Buchstaben darauf geschrieben. „Wir wollen dieses Leid sichtbar machen“, sagt Antonia im Gespräch mit SPORT1.
Sie ist eine der Aktivistinnen, die in dieser Woche Handzettel auf der „Avenida Paseo de la Reforma“ verteilte. Sie fordert die mexikanische Regierung auf, mehr Engagement in die Suche und die Aufklärung dieser Schicksale zu stecken.
Massengräber nahe WM-Stadion
Demonstrationen werden auch in Guadalajara erwartet. Dort wird das zweite Spiel des Eröffnungstages zwischen Südkorea und Tschechien (Samstag, 4 Uhr MESZ im LIVETICKER) angepfiffen.
Auf dem Gelände des Stadions fanden Such-Kollektive in den vergangenen Jahren die Überreste von mehr als 500 menschlichen Körpern. Das Stadion wurde auf einer “abgelegenen grünen Wiese” erbaut.
Dort nutzte die organisierte Kriminalität die Abgeschiedenheit des Areals, um Opfer zu foltern, zu ermorden und später zu verscharren.
Wetter-Alarm in Mexiko-Stadt
Seit Tagen hängen über Mexiko-Stadt dunkle Regenwolken, die sich immer wieder ausregnen. Das sorgt für überschwemmte Straßen und verstärkt das Verkehrschaos. Am Spieltagmorgen ist auch eine Pro-Palästina-Demonstration angekündigt, die die ohnehin chronisch überforderte Verkehrsinfrastruktur weiter belasten könnte.
Und so hoffen die WM-Gastgeber, dass „El Tri“ mit einem Heimsieg über Südafrika die noch sehr zurückhaltende Stimmung in Mexiko aufhellen könnte.
Dem Land steht am Donnerstag eine sehr lange Mittagspause bevor, wenn ab 13 Uhr der Ball im Azteken-Stadion rollt. Die mexikanische Regierung ordnete nun Home-Office an, um die Straßen zu entlasten.
Präsidentin Sheinbaum übergab zu Wochenbeginn die mexikanische Fahne an Mexikos Kapitän Guillermo Ochoa und erhöhte noch einmal den ohnehin schon großen Druck auf die Auswahl Mexikos. „Ich vertraue diese Flagge, die Ihre Unabhängigkeit, Ihre Ehre, Ihre Institutionen, unser Volk und die Unversehrtheit Ihres Landes symbolisiert, Ihrem Patriotismus an.“
Jetzt muss Mexiko nur noch gewinnen.