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WM: Antonio Rüdiger hat aus seinen Fehlern gelernt

Rüdiger tappt nicht in die Falle

Antonio Rüdiger ist zwar Vize-Kapitän, steht in der Nationalmannschaft aber nicht mehr in der Startelf. Trotzdem macht der 33-Jährige kein Theater – im Gegenteil.
Antonio Rüdiger hat sich auf der Pressekonferenz zu seinem gescholtenen Ruf geäußert. Der Real-Verteidiger spricht von zwei verschiedenen Welten und seiner Rolle als Sündenbock in den sozialen Medien.
Antonio Rüdiger ist zwar Vize-Kapitän, steht in der Nationalmannschaft aber nicht mehr in der Startelf. Trotzdem macht der 33-Jährige kein Theater – im Gegenteil.

Als Antonio Rüdiger am Mittwoch das Auditorium in Winston-Salem betrat, wirkte er ruhig, gelassen, fast sanftmütig. Konzentriert stellte er sich den Fragen der Medien und umkurvte mit seinen Antworten geschickt so manches Reizthema.

Nach seinem fast halbstündigen Auftritt war klar: Da ist jemand dabei, sich neu erfinden. Oder: Antonio Rüdiger zeigt seine gelassene Seite jetzt deutlicher.

Rüdiger: „Ich habe mich entschuldigt“

Dass er bei vielen Fans und Experten nicht mehr gewollt ist und seine Nominierung für die Nationalmannschaft kritisch gesehen wird, lässt den Verteidiger kalt: „Ich akzeptiere Meinungen. Ich bin kein Kind von Traurigkeit. Aber: Seriöse Meinungen! Ich habe mich entschuldigt, deswegen gibt es von meiner Seite nichts zu sagen – auch nicht in die Richtung meiner Kritiker“, erklärte Rüdiger und ließ sich nicht dazu hinreißen, gegen die Öffentlichkeit zurückzuschlagen.

Gründe dafür gäbe es genug: Gerade in den sozialen Medien polarisiert der DFB-Star. Er ist niemandem egal und ist für viele eine Reizfigur. „Ich nehme seriöse Kritik wahr. Das generiert Klicks heutzutage. Ich sehe etwas Positives daran: Mein Name bekommt eben viele Klicks. Ich würde sagen: Manchmal ist schlechte Presse auch gute Presse“, sagte Rüdiger dazu lachend auf Nachfrage von SPORT1.

DFB-Team: Nmecha und Tah beten mit Gegenspielern

Es war spürbar, dass der 33-Jährige gut vorbereitet aufs Podium stieg und keine Lust auf Kontroversen hatte. Dass Felix Nmecha und Jonathan Tah nach dem Sieg über Curacao öffentlichkeitswirksam mit einigen Gegenspielern gebetet hatten, wollte Rüdiger nicht groß kommentieren.

„Es ist etwas Persönliches. Ich sehe nichts Falsches dabei. Schöne Bilder. Wir reden von Meinungs- und Glaubensfreiheit. Ich sehe da kein Problem“, erklärte er. Dabei wäre es durchaus interessant gewesen, wie er auf die unterschiedlichen Reaktionen aus Deutschland auf den kleinen Gebetskreis blickt. Immerhin hatte auch Rüdiger selbst schon mit religiösen Posts für Kontroversen gesorgt und Wut auf sich gezogen. Mit Nmecha geht man da sanfter um.

Als Vize-Kapitän weiß Rüdiger, dass das Thema beim DFB als unerwünscht gilt. Dass Nmecha nach der Partie in der ARD so auskunftsfreudig davon sprach, dass Jesus „durch das Spiel verherrlicht“ werde, gefiel hinter den Kulissen nicht jedem. Im Verband hat man kein Interesse an politischen oder religiösen Diskussionen. Dem wird Rüdiger gerecht.

Rüdiger über Tah: „Er ist der neue Chef“

Es ist nicht der einzige Punkt, in dem der Nationalspieler liefert und aus seinen Fehlern in der Vergangenheit gelernt hat. Mit großem Respekt spricht er über jene beiden Männer, die ihn aus der Innenverteidigung verdrängt haben und gibt den Teamplayer. Nico Schlotterbeck sei wahnsinnig gut im Aufbau. Und Jonathan Tah? „Er ist der neue Chef“, sagt der Routinier.

Der Vermutung eines Fragenstellers aus den hinteren Reihen, Rüdiger sei dieses Lob nicht leichtgefallen, trat der 33-Jährige deutlich entgegen. „Kennst du mich?“, fragte er und schob nach: „Dein Gefühl ist falsch!“ Da blitzte kurz ein gewisser Ärger auf. Allzu sanft will Rüdiger offenbar auch wieder nicht sein.