Vier Tage noch bis zum WM-Auftakt der DFB-Elf. Das Gerüst von Julian Nagelsmann steht. Durch die Erkenntnisse der Vorbereitung hat sich eine Stammelf herauskristallisiert. Während ein Defensivspieler überraschte, dürfte einem Noch-Münchner nur noch die Rolle als Reservist bleiben. Obwohl ein DFB-Star aus der ersten Elf rutschte, ist er dennoch ein Gewinner.
WM: Die Gewinner und Verlierer der DFB-Vorbereitung
Ein überraschender Verlierer
SPORT1 blickt auf die Gewinner und Verlierer der Vorbereitung.
Gewinner
Nathaniel Brown: Der Frankfurter mauserte sich still und heimlich zu Nagelsmanns Liebling. „Er weiß gar nicht, wie gut er ist“, lobte der Bundestrainer. Gerade seine feine Technik, Passsicherheit und Spielintelligenz machen ihn so wertvoll für das DFB-Team. Und: Er passt aktuell deutlich besser ins deutsche Spielsystem als der bisherige Platzhirsch David Raum. Wenn er jetzt noch etwas mutiger aufspielt, könnte er nur noch schwer von dieser Position verdrängt werden.
Leroy Sané: Kaum ein Spieler polarisiert so sehr wie der Gala-Star. Durch die Verletzung von Lennart Karl dürfte der 30-Jährige seinen Platz in der ersten Elf, zumindest beim Auftaktspiel gegen Curacao, sicher haben. Auch wegen seines Tores gegen die USA (2:1). Und: Trotz aller Kritik ist Nagelsmann ein absoluter Sané-Fan. Aber auch für ihn gilt: Er muss weiter liefern!
Oliver Baumann: Der TSG-Keeper verlor durch das Comeback von Manuel Neuer den eigentlich sicher geglaubten Platz als deutsche Nummer eins. Durch seine klaren Aussagen („war nicht cool“) sprach er offen und ehrlich aus, wie sich die Degradierung anfühlte. Dennoch bekräftigte er seine volle Rückendeckung und bewies, was für ein Sportsmann er ist. Hut ab! Durch sein kollegiales und professionelles Verhalten erspart er dem Bundestrainer viele andere Baustellen. Obendrein hat er sein Image aufgebessert.
Verlierer
David Raum: Der Leipziger war seit der Heim-EM 2024 unverzichtbar geworden. Auch, weil die Linksverteidigerposition lange als Achillesferse des DFB-Teams galt. Durch die Vorstellungen von Brown wurde ihm allerdings der Stammplatz weggeschnappt. Seine unumstrittene Stärke, dynamisch die Linie entlangzumarschieren und messerscharfe Flanken zu schlagen, wird aktuell nicht mehr ganz so dringend gebraucht. Auch DFB-Sportdirektor Rudi Völler gab zu, dass der RB-Profi „hintendran“ sei. Trotzdem gut, so ein Kampfmonster dabei zu haben!
Leon Goretzka: Durfte sich lange Zeit große Hoffnungen auf einen Stammplatz auf der Doppelsechs neben Aleksandar Pavlovic machen. Auch, weil der aussichtsreichste Startelfkandidat lange Zeit verletzt fehlte. Doch durch die Rückkehr von Felix Nmecha dürfte sich die Zuversicht Goretzkas in Luft aufgelöst haben. An dem Dortmunder gibt es aktuell kein Vorbeikommen. Es gibt kaum jemanden, der nicht von den Fähigkeiten des BVB-Mittelfeldmotors schwärmt. Von Nagelsmanns Schwärmereien für Goretzka aus dem März ist nicht mehr viel übrig.
Nick Woltemade: Der Newcastle-Stürmer schoss die DFB-Elf in der Qualifikation überhaupt erst zur Weltmeisterschaft. Doch aktuell wird er in der Sturmspitze kaum gebraucht. Der aktuell formstärkste deutsche Offensivspieler Kai Havertz ist die unangefochtene Nummer eins. Als erste Backup-Option für den Arsenal-Star steht Deniz Undav bereit. Vor allem Woltemades physische Fähigkeiten könnten im Turnierverlauf dennoch wichtig werden. Rudi Völler schwärmte von einem „überragenden Fußballer, der immer helfen kann, wenn er reinkommt“.
Für das Auftaktspiel gegen Curacao (Sonntag ab 19 Uhr im SPORT1-Liveticker) dürfte die Startelf bereits feststehen. Doch die Erfahrungen vergangener Turniere und auch die klimatischen Bedingungen vor Ort lehren: „Viele Spieler werden zum Einsatz kommen, die hintendran sind.“ Damit macht Völler auch den vermeintlichen Reservisten Hoffnung auf Spielminuten und betont: „Wir brauchen alle.“