Pierre Littbarski ist Weltmeister, stand beim Titelgewinn 1990 im Finale gegen Argentinien (1:0) über die volle Distanz auf dem Platz – mit angerissenem Kreuzband. Im SPORT1-Podcast Deep Dive erinnerte sich der 66-Jährige an das Turnier und verriet, wie er die Physiotherapeuten dazu brachte, seine Knieverletzung vor Teamchef Franz Beckenbauer geheim zu halten.
WM-Finale trotz Kreuzband-Anriss: "Die Physios habe ich mit Weißbier bestochen"
„Habe Physios mit Weißbier bestochen“
Bereits im Viertelfinal-Duell gegen die Tschechoslowakei hatte sich Littbarski verletzt. „Ich werde in der 82. Minute umgegrätscht und irgendwas war komisch in meinem Knie. Irgendetwas hat geknackt“, erläuterte Littbarski, der sich allerdings nicht auswechseln ließ.
Mit den Physiotherapeuten machte er im Anschluss an das Spiel einen Deal. „Die Physios habe ich mit Weißbier bestochen. Ich habe denen gesagt: ‚Leute, ihr könnt alles machen mit meinem Knie. Aber Franz erfährt davon nichts‘. Und Franz hatte die eigentlich so erzogen, dass er jeden Tag Meldung bekam.“
Littbarski trotz schwerer Knieverletzung im Finale in der Startelf
In die Startelf für das Halbfinale gegen England schaffte es Littbarski dann allerdings nicht. „Franz hat aber natürlich ein Gespür und sieht, wie du dich im Training bewegst. Ich habe es dann nicht geschafft in den Kader gegen England, was vollkommen richtig war“, blickt der gebürtige Berliner heute verständnisvoll darauf zurück.
Im Finale war Littbarski dann wieder in der Startelf, trotz schwerer Knieverletzung. Aufgrund der zwei verlorenen WM-Finals 1982 und 1986 wollte sich der damalige Köln-Profi die Chance nicht entgehen lassen.
„Stell dir mal vor, du bist in der Situation. Du hast zwei WM-Finals verloren und bist jetzt ein Spiel vom WM-Gewinn entfernt. Du siehst zweimal den Pokal im Finale und fährst dann nach Hause mit nichts, obwohl wir sehr gute Mannschaften hatten. Wenn du jetzt also das dritte Mal dabei bist und in irgendeiner Weise spielen kannst…“, begründete Littbarski seine Entscheidung, trotz des verletzten Knies zu spielen.
Adrenalin machte Einsatz möglich
Zumal es ihm möglich war. „Ich war ja spielfähig. Das sieht man auch am Bewegungsablauf, ich hatte überhaupt keine Probleme im Finale“, betonte er. „Mit Einfluss von Adrenalin natürlich. Ich konnte da bestehen.“
Nur deshalb kam es überhaupt zum geheimen Pakt mit den Physios. „Wenn ich gedacht hätte, dass ich nichts beitragen könnte, dann hätte ich es Franz auch sagen können. Sonst hätten auch die Physios was gesagt“, machte Littbarski klar.