In der 115. Minute hatte Jamal Musiala genug. Nach mehreren Nickligkeiten, die er vor allem durch Matías Galarza einstecken musste, revanchierte sich der Bayern-Star.
Vor allem Musiala hatte genug von ihm
Vor allem Musiala hatte ihn satt
Nach einem Ballverlust in einem Duell mit Galarza, der nicht mit einem Freistoß geahndet wurde, senste Musiala seinen Gegenspieler, der ihn dabei tunnelte, um und sah zu Recht die Gelbe Karte. Nur zwei Minuten später fand sich wiederum Musiala nach einem Tritt Galarzas in seine Hacke auf dem Boden wieder.
Auch mit Kai Havertz kam Galarza „immer wieder ins Gehege“, wie ZDF-Kommentator Oliver Schmidt formulierte. In einer anderen Szene waren ebenfalls Musiala und der Mittelfeldspieler Paraguays aneinandergeraten, in deren Folge beide zu Boden gingen und vor allem Galarza mit Theatralik glänzte.
Galarza entnervt Fußball-Deutschland
Diese stellte er auch unter Beweis, als Joshua Kimmich ihm in der 113. Minute den Ball aus der Hand schlagen wollte – plötzlich krümmte sich Galarza vor Schmerzen am Boden.
„Ach du lieber Gott“, entfuhr es MagentaTV-Kommentar Wolf-Christoph Fuss, als er die Wiederholung sah und sprach von einem „Komödienstadel“.
Immer wieder Galarza. Neben dem Schiedsrichterteam – wegen des aberkannten Tores von Jonathan Tah – und den eigenen Leistungen entnervte der Mittelfeldspieler die DFB-Spieler und auch die deutschen Fans. Ob in Fußballkneipen, in den sozialen Medien oder auch bei den Kommentatoren, der 24-Jährige sorgte an mehreren Stellen für Unmut.
Galarza verlädt Manuel Neuer
Das lag allerdings auch an seiner Leistung. Denn Galarza fiel nicht nur durch Nickligkeiten und kleinere Fouls auf, sondern setzte auch offensiv und defensiv entscheidende Akzente. Schließlich bereitete er die Führung der Südamerikaner durch Julio Enciso in der ersten Hälfte mustergültig per Flanke vor.
Und im Elfmeterschießen blieb Galarza ebenfalls sicher und verwandelte passenderweise direkt im Anschluss an Musiala – Manuel Neuer war ohne Chance. „120 Minuten getreten wie ein Bürstenbinder – und dann schiebt er ihn ganz entspannt in die Ecke“, kommentierte Fuss. Im ZDF befand Oliver Schmidt: „Ganz, ganz lässig.“
Ein Feindbild fast wie Cucurella
Galarza hatte immer wieder eine Antwort parat, auch die Statistiken wie gewonnene Duelle und Balleroberungen sprachen für ihn. In Paraguay wurde er zum gefeierten Helden.
In Deutschland wiederum wurde er während der Partie zum Feindbild, das ein wenig an Marc Cucurella erinnerte, der sich im und nach dem EM-Viertelfinale 2024 gegen Deutschland nach seinem (ungeahndeten) Handspiel zum Bösewicht entwickelt hatte. Zahlreiche deutsche Fans im Netz liefen ob Galarzas Aktionen Sturm, auch Fuss verlor im Laufe der Partie ein wenig seine Sympathien.
„Schauen Sie mal, wie der sich noch bewegen kann, wenn es sein muss. Wenn es sein muss, kann er aber auch in sich zusammenfallen“, sagte er zwischenzeitlich. Galarza habe „die Schwäche – immer, wenn es etwas bringt.“
Galarza „macht aus dem Spiel eine Kneipenschlägerei“
Nachdem Galarza kurz vor Schluss Deutschland mit einem Foul noch eine aussichtsreiche Freistoßvariante beschert hatte, befand Fuss: „Dass der in der 120. Minute noch auf dem Platz steht, ist ein Wunder für sich. Der hat ausgeteilt. Er hat mit dafür gesorgt, dass Paraguay das Spiel wie eine Kneipenschlägerei gestaltet hat.“
In dieser Auseinandersetzung ging das (vermeintliche) Schwergewicht K.o., auch weil Deutschland selten einen echten Punch, eine schlagkräftige Idee hatte – und der Gier von Galarza und seinen Kollegen zu wenig entgegenzusetzen.
Galarza im Verein aussortiert
Der Deutschland-Schreck, der im Gruppenspiel gegen die Türkei zum Spieler des Spiels benannt wurde, betrieb damit erneut mächtig Eigenwerbung – die er auch nötig hat. Denn zuletzt wurde bekannt, dass sein Klub River Plate, der ihn zuletzt schon nach Atlanta in die MLS verliehen hatte, keine Verwendung mehr für ihn hat.
Direkt nach der WM solle sich Galarza einen neuen Verein suchen, heißt es in argentinischen Medien. An Interessenten wird es nach der heroischen Leistung nun nicht mangeln – einen Namen hat sich Galarza allemal gemacht. TyC Sports nannte ihn gar einen „Star der Weltmeisterschaft“.
In Deutschland wird er nicht in bester Erinnerung bleiben. Doch das wird ihm egal sein.