An der Größe kann es schon mal nicht liegen. Mit 1,91 Metern strahlt Patrik Schick eine enorme Strafraumpräsenz aus, in der Luft spielt er seine Kopfballstärke aus. Mit seinen Fähigkeiten soll er Tschechien erstmals seit 1990 bei einer WM in die K.o.-Runde führen.
WM 2026: Mit Schick hat eine Tschechien-Legende nur noch Mitleid
Legende leidet mit Schick
Doch weil der Leverkusener bislang völlig abgeschnitten ist vom Spiel seiner Mannschaft, droht die Mission frühzeitig zu scheitern. „Die Munition bleibt im Magazin“, heißt es in der tschechischen Presse.
Bereits vor dem zweiten Gruppenspiel in Atlanta gegen Südafrika am Donnerstag (18 Uhr im LIVETICKER) steht die Auswahl von Trainer Miroslav Koubek mächtig unter Druck. Nach der 1:2-Auftaktniederlage gegen Südkorea „müssen wir gewinnen“, stellte Koubek klar, „wir brauchen die drei Punkte“.
Was Tschechien auch braucht: die Torjägerqualitäten von Patrik Schick, der in der vergangenen Saison mit 16 Treffern für Bayer Leverkusen zum viertbesten Torschützen der Bundesliga avancierte.
Doch damit diese zum Tragen kommen, ist das gesamte Team gefordert.
Sein WM-Debüt hatte Schick sich wohl anders vorgestellt
Schick sollte eigentlich der Star der Mannschaft sein, wurde gegen Südkorea allerdings schon nach 63 Minuten ausgewechselt. Sein Arbeitsnachweis: elf Ballkontakte, null Torschüsse.
Indiskutabel für den 30-Jährigen, der sich sein WM-Debüt ganz anders vorgestellt hatte. „Patrik war nicht wirklich sichtbar“, räumte selbst Coach Koubek ein.
Doch zur Wahrheit gehört eben auch: Gefährliche Abschlusssituationen kreierten Schicks Mitspieler für den Topstürmer quasi gar nicht.
„Patrik hat sich für die Mannschaft ins Zeug gelegt, in dieser Hinsicht sind wir zufrieden. Aber wir wissen, dass er ein Torjäger ist. Nur bringen wir ihn derzeit nicht in die Positionen, in denen er stark ist“, wird Co-Trainer Jan Rezek von der größten tschechischen Tageszeitung Blesk zitiert.
„Das gelingt uns im Moment nicht. Wir wissen, dass er mehr Unterstützung braucht“, räumte der 44-Jährige ein, der früher selbst für die tschechische Nationalmannschaft stürmte (21 Einsätze) und das Team nun in die Pflicht nahm: „Patrik hat dort Spieler, die ihn hätten unterstützen sollen, doch leider hat das in der Praxis nicht so recht funktioniert.“
Flanken zu schlecht? „Schick bräuchte Nackenmassage“
In Tschechien ist Kritik an Schick, der in 54 Länderspielen 26-mal traf, nichts Neues.
Bei Legende Tomas Rosicky löst dies Mitleid aus: „Patrik tut mir wirklich leid. Die Leute kritisieren ihn oft, dass er während des Spiels nicht viel zeigt, aber wenn er keine guten Pässe bekommt, hat er es furchtbar schwer“, wird der 45-Jährige von Blesk zitiert.
„Manchmal habe ich das Gefühl, dass er nach dem Spiel eine Nackenmassage bräuchte, weil die meisten Bälle über seinen Kopf hinwegfliegen“, erklärte der ehemalige Kapitän der tschechischen Nationalmannschaft, der auf Vereinsebene für den FC Arsenal und Borussia Dortmund als Spielmacher agierte.
Legende ärgert sich über Umgang mit Schick
Gleichzeitig kann Rosicky nicht nachvollziehen, warum viele Fans lieber Tomas Chory im Sturm sehen wollen, auch wenn dieser nach Einwechslung für Schick vier Kopfballduelle gewinnen konnte, während Schick nur eins gewann.
„Die Debatte darüber, ob Chorý oder Schick spielen soll, erscheint mir völlig daneben. Wenn man einen Spieler wie Patrik hat, sollte das gar kein Thema sein“, behauptete er und fügte angesichts der Kritikwelle an Schick schroff hinzu: „Ich wundere mich ehrlich gesagt, dass er überhaupt noch zu den Nationalmannschaftstreffen fährt!“
Gegen Südafrika, das im Eröffnungsspiel dem Co-Gastgeber Mexiko 0:2 unterlag und dabei phasenweise sehr unstrukturiert agierte, sind die Osteuropäer klar favorisiert. Dass Tschechien die deutliche Favoritenrolle nicht unbedingt guttut, zeigt ein Blick auf die WM-Qualifikation.
Es eilt! „Wie auch immer. Hauptsache sofort“
Dabei verlor die Mannschaft von Schick gegen den Fußball-Zwerg Färöer und schaffte es erst durch zwei Siege im Elfmeterschießen in den Playoffs zur WM.
„Jetzt steht Koubek jedoch unter Zeitdruck, Schick die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen“, forderte die Boulevardzeitung Blesk nach dem verpatzten WM-Auftakt unmissverständlich: „Durch eine Umstellung des Systems, der Aufstellung, der Taktik – wie auch immer. Hauptsache sofort.“
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)