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WM-Moment erstaunt über 50 Jahre danach - SPORT1

WM-Moment erstaunt über 50 Jahre danach

Auch nach über 50 Jahren findet der legendäre "Cruyff Turn" auf Social-Media noch großen Anklang. Bei der WM 1974 sorgte die mittlerweile verstorbene niederländische Legende für Staunen - und sorgte dafür, dass sein Gegenspieler in schallendes Gelächter ausbrach.
 Johan Cruyff war einer der besten Fußballer aller Zeiten und eine der wichtigsten Figuren in der Geschichte des Sports. Mit Ajax Amsterdam und der niederländischen Nationalmannschaft revolutionierte er das Spiel.
Conrad Fröhlich
Auch nach über 50 Jahren findet der legendäre "Cruyff Turn" auf Social-Media noch großen Anklang. Bei der WM 1974 sorgte die mittlerweile verstorbene niederländische Legende für Staunen - und sorgte dafür, dass sein Gegenspieler in schallendes Gelächter ausbrach.

Jan Olsson brauchte eine Weile, um zu verstehen, was da gerade auf dem Feld mit ihm angestellt wurde. Kurz stand der ehemalige schwedische Nationalverteidiger wie angewurzelt auf dem Rasen, während er mit ansehen musste, wie Johan Cruyff sich nach der Finte Richtung Grundlinie aufmachte und die Kugel in die Mitte flankte.

Auch wenn die Hereingabe letztendlich verpuffte, blieb die Szene aus dem Gruppenspiel der WM 1974 zwischen den Niederlanden und Schweden im Gedächtnis. Der Trick, den Gegenspieler mit einem angetäuschten Schuss oder einer angetäuschten Flanke ins Leere laufen zu lassen, trägt den Namen der niederländischen Fußball-Ikone bis heute. Der „Cruyff Turn“ findet auch aktuell noch Anwendung, um gegnerische Abwehrreihen zu überlisten.

Es war mehr als nur ein simpler Haken, der den Gegner ins Leere laufen ließ. Johan Cruyff sorgte vor genau 52 Jahren am 19. Juni für einen Moment, auf den nicht nur die älteren Fußballliebhaber gerne zurückschauen. Social-Media-Clips, die die Spielszene im Dortmunder Westfalenstadion zeigen, haben auch heute Hunderttausende Klicks und Likes.

Cruyff brachte Gegenspieler zum Lachen

Auch wenn Gegenspieler Olsson im direkten Duell beileibe kein glückliches Bild abgab, brauchte der Schwede nicht lange, um den Schock abzuschütteln. „Meine Teamkollegen nach dem Spiel, wir haben uns angesehen, sie haben angefangen zu lachen und ich habe dasselbe gemacht“, sagte Cruyffs „Opfer“ damals.

Damals war Olsson 32 Jahre alt und amüsiert sich immer noch über die Szene: „Damals habe ich gelacht und ich lache jetzt. Es war sehr lustig. Er war ein Weltklassespieler. Ich gab mein Bestes, aber ich war kein Weltklassespieler.“ Eine noble Einschätzung von Olsson über Cruyff, der 2016 im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung starb.

Auch wenn Cruyffs Tod nun bereits über zehn Jahre zurückliegt, gehört er weiterhin stets zu den ersten Namen, die genannt werden, wenn es um die Legenden geht, die den Sport am meisten geprägt haben.

Cruyff tat dies erst als Spieler, durch Eleganz, Kreativität und Genialität am Ball. Und später als Trainer, durch seine taktische Raffinesse sowie innovative Spielansätze.

Johan Cruyff: Einer der größten Namen im Weltfußball

Diese Attribute ließen Cruyff insgesamt 22 große Titel einheimsen. Als Spieler gewann der Offensivmann dreimal mit Ajax Amsterdam den Europapokal der Landesmeister plus einmal den Weltpokal. Auch als Trainer reckte er den Europapokal der Landesmeister in die Höhe – diesmal jedoch mit Barcelona.

1974 war er das Aushängeschild einer holländischen Mannschaft, die als eines der aufregendsten und offensivfreudigsten Teams aller Zeiten galt. Erst im WM-Finale war Endstation. Durch Treffer von Paul Breitner und Gerd Müller krönte sich Deutschland zum zweiten Mal zum Weltmeister.

Für Schweden war derweil in der zweiten Finalrunde Schluss. In der legendären Düsseldorfer Regenschlacht beendete Deutschland die Titelträume der Skandinavier mit einem 4:2. Das torlose Unentschieden gegen die Niederlande reichte den Schweden, um sich für die nächste Runde zu qualifizieren – auch, weil Cruyffs Finte nicht zum Erfolg geführt hatte.

Olsson gratulierte Cruyff nach der Partie

Dennoch sprach Olsson nach der Partie seine Glückwünsche aus: „Nach dem Spiel bedankte ich mich für das Spiel und gratulierte ihm. Auch wenn es 0:0 stand, war es richtig, herzlichen Glückwunsch zu sagen.“

Wiederholungsbedarf gab es beim Verteidiger aber nicht. Jedes Mal vor den nächsten Duellen mit Cruyff dachte Olsson sich „bei jedem Moment, in dem er den Ball bekam: Bitte, mache es nicht nochmal.“

Auch wenn der Verteidiger in der Szene kein gutes Bild abgab, erfüllte ihn die Situation noch Jahrzehnte später mit Stolz. Schon damals habe der Abwehrmann die Ahnung gehabt, „dass es ein berühmter Moment werden sollte“.

Cruyff-Turn allgegenwärtig

Der heute 84-Jährige sagt: „Ich habe das im Gedächtnis. Es ist ein Moment, an den ich mich jeden Tag erinnere. Jeden Tag denke ich an Fußball, ich denke an Johan Cruyff. Ich hatte das Vergnügen, ihn kennenzulernen – ein großartiger Spieler, großartiger Trainer, großartiger Gentleman, ich denke, er hatte alles„.

Auch 52 Jahre nach dem Vorrundenduell zwischen Schweden und den Niederlanden ist die Finte nicht in Vergessenheit geraten – und dient jungen Fußballern in der Ausbildung. In den Sozialen Netzwerken finden sich neben der originalen Szene zahlreiche Videos und Kurzanleitungen, die Schritt für Schritt zu erklären versuchen, was Cruyff damals aus dem Hut gezaubert hat. Ganz verblassen dürfte dessen Turn, der sich nun im Repertoire zahlreicher Weltstars befindet, nie.