WM 2026>

Das Nagelsmann-Paradox

Das Nagelsmann-Paradox

Julian Nagelsmann steht vor seinem ersten K.o.-Spiel als Bundestrainer bei einer WM. Genießen wird er den Nachmittag in Boston aber wohl nicht können.
Julian Nagelsmann spricht vor dem Sechzehntelfinale des DFB-Teams gegen Paraguay über den Gegner und dessen Stärken sowie über Jamal Musiala und Florian Wirtz, die aktuell noch hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Julian Nagelsmann steht vor seinem ersten K.o.-Spiel als Bundestrainer bei einer WM. Genießen wird er den Nachmittag in Boston aber wohl nicht können.

Eigentlich ist Julian Nagelsmann voll im Soll: Als Gruppensieger hat es die DFB-Elf unter seiner Leitung ins Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft geschafft. „Das hätten hier im Raum vor der WM alle unterschrieben“, sagte DFB-Sportdirektor Rudi Völler jüngst in Winston-Salem.

Doch dem Bundestrainer hilft dieser Mini-Erfolg in der Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit fast gar nichts. Er wird immer noch kritisch gesehen – die sportlich eigentlich bedeutungslose Niederlage gegen Ecuador hat das sogar noch verschärft. Immer wieder im Fokus: die Kommunikation des 38-Jährigen.

WM 2026: Scharfe Kritik an Nagelsmann

„Da ist er ja selbst schuld. Er tätigt Aussagen und macht dann etwas anderes. Ich weiß: Wenn er rechts sagt, geht er links. Das sind die Dinge worüber diskutiert wird“, sagte Markus Babbel am Sonntag im FIROCKX.ONE WM Doppelpass. Zudem hatte der Europameister von 1996 ein brisantes Prädikat parat: Nagelsmann habe „wie ein bockiges Kind“ gewirkt.

Es sind Worte, die beim Bundestrainer durchaus ankommen. Bisher behauptete er aber, die Meinungen von Experten würden ihn wenig bis gar nicht beeinflussen. Am Sonntagabend (Ortszeit in Boston) sah das erstmals anders aus.

Auf die Frage, was die Kritik mit ihm selbst mache, antwortete er: „Das ist, glaube ich, wie bei jedem Menschen. Die Frage können Sie sich selbst beantworten. Und dann, glaube ich, ist dazu alles gesagt.“ Zeigt Nagelsmann mit diesen Worten bereits Nerven? Möglich.

Die Botschaft ist jedenfalls klar: Natürlich ist der Wirbel um seine Person ein Faktor – und zwar kein positiver. Der Druck steigt und steigt und steigt. „Im Fußball geht es nur ums Gewinnen. Wenn du gewinnst, ist alles perfekt. Wenn du verlierst, ist alles shit. Also müssen wir gewinnen“, erklärte Nagelsmann weiter.

Eine trotzige Ansage, die Kampfeswillen zeigt.

Was macht Nagelsmann mit Kimmich?

Das Paradoxe: In gewisser Weise ist der Bundestrainer in eine Situation geraten, in der er vor den Spielen den Experten eigentlich nichts recht machen kann – am Beispiel der Diskussion um die richtige Position für Joshua Kimmich ist das gut zu erkennen.

Sollte Nagelsmann seinen Kapitän entgegen der Mehrheitsmeinung in Fußball-Deutschland gegen Paraguay auf der rechten Abwehrseite belassen, dürfte er schnell als beratungsresistent gelten. Lässt er Kimmich zurück in die Mitte, wirkt der Bundestrainer wenig geradlinig.

Zur Erinnerung: Noch vor wenigen Tagen nach der Pleite gegen Ecuador hatte er verkündet, weder auf Aleksandar Pavlovic noch auf Felix Nmecha in der Mittelfeldzentrale verzichten zu wollen. In Boston deutete er nun an, dass es Änderungen geben könne.

Es bleibt dabei: Im Grunde helfen Nagelsmann nur Siege. Und sollte es in einem möglichen Achtelfinale gegen Frankreich nicht reichen, müsste die Mannschaft zumindest heldenhaft kämpfen und nicht mit einer hohen Niederlage untergehen.

Ansonsten dürfte der Druck auf den Trainer womöglich zu groß werden. Im Soll wäre er dann eindeutig nicht mehr.