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WM: Sein Fehler gegen Brasilien ist bis heute unvergessen

Sein Fehler ist bis heute unvergessen

Vor exakt 24 Jahren besiegelte Ronaldinhos legendärer Freistoß Englands WM-Aus. Der Torhüter, der damals im Tor stand, sah nicht gut aus - doch was macht er heute?
Mit einer Offensive aus Ronaldo, Ronaldinho und Rivaldo wollte Brasilien bei der WM 2002 in Japan und Südkorea den fünften WM-Titel eintüten. Vor allem der Auftritt von Stürmer-Legende Ronaldo blieb dabei groß in Erinnerung. Neben seinen fantastischen Abschlussqualitäten, die auch Deutschlands Torhüter Oliver Kahn kennenlernen musste, fiel der Weltfußballer auch durch eine ganz spezielle Frisur auf.
Conrad Fröhlich
Vor exakt 24 Jahren besiegelte Ronaldinhos legendärer Freistoß Englands WM-Aus. Der Torhüter, der damals im Tor stand, sah nicht gut aus - doch was macht er heute?

Bogenlampen, Hereingaben oder Schüsse mit unberechenbarer Flugkurve in unmittelbarer Nähe zum Tor werden häufig als „eklige Bälle“ oder „eklige Schüsse“ bezeichnet. Was David Seaman vor exakt 24 Jahren, am 21. Juni 2002, auf den Kasten bekommen hat, lässt sich wohl besser nicht beschreiben.

Bei der Weltmeisterschaft 2002 galt das Viertelfinale zwischen Brasilien und England als eines der spannendsten Duelle des Turniers. Es stand außer Frage, dass individuelle Fehler oder brillante Einzelaktionen beim Aufeinandertreffen dieser beiden Fußball-Schwergewichte einen entscheidenden Einfluss auf das Resultat haben könnten.

Doch damit, wie gnadenlos Ronaldinho einen Moment der Unaufmerksamkeit bestrafte, hatte England-Keeper Seaman nicht gerechnet. Als der Brasilianer sich den Ball im rechten Halbfeld circa 35 Meter vor dem Tor zum Freistoß zurechtlegte, war der damals 38-Jährige gerade dabei, die Ein-Mann-Mauer zu formatieren und seinen Verteidigern noch ein paar letzte Anweisungen zuzurufen.

Ronaldinhos Freistoßtor: Genialität, Glück oder ein Fehler?

Als Ronaldinho Anlauf nahm, schien alles vorbereitet. Etwas dagegenzusetzen hatte der Torhüter mit dem Pferdeschwanz aber trotzdem nicht. Als der Ball Richtung linker Winkel flog, machte Seaman einen entscheidenden Fehler – und zwar zwei kurze Schritte nach vorne zur Kugel. Diese senkte sich aber erst später, nämlich genau dann, als sie im linken Winkel einschlug (50. Spielminute). Eklig eben.

Beim Rückwärtslaufen bekam der englische Schlussmann die Hand nicht mehr an den Ball. Es war der 2:1-Siegtreffer des späteren Weltmeisters, bei dem der Keeper sicherlich keine glückliche Figur machte. Klar, Seaman hatte mit einem Flankenball gerechnet und stand deshalb etwas zu weit vor dem Kasten. Doch diese Art der Erzählung ignoriert Ronaldinhos Genialität.

Der Brasilianer ließ alles auf einen Flankenball hindeuten: Körpersprache, der obligatorische Blick zu den Mitspielern im Getümmel vor dem Tor, selbst die Fußstellung, mit der er das Leder traf. Dennoch wirft die Szene Fragen auf: Eine brillante Aktion des brasilianischen Schlitzohrs? Pures Glück? Wollte Ronaldinho eigentlich flanken? Oder war es gar ein kapitaler Fehler des englischen Schlussmanns? Am Ende ist es wohl eine Mischung aus allem.

Ronaldinho: „Wenn ich ganz ehrlich bin…“

Naturgemäß hatten die Beteiligten nach Schlusspfiff unterschiedliche Erklärungsansätze, angefangen mit dem Hauptakteur: „Es war definitiv ein Schuss. Es war Cafu, der mich vorher darauf hingewiesen hat, dass es eine Lücke gab und dass Seaman weit vorne im Strafraum stand. Es war ganz natürlich, es zu versuchen, und es war kein Glück dabei“, beteuerte Ronaldinho.

Wirklich kein Glück? „Als ich den Ball traf, wollte ich aufs Tor schießen – aber vielleicht nicht genau dorthin, wo der Ball landete. Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich auf die andere Seite des Netzes gezielt.“

Die Engländer waren logischerweise nicht zu Scherzen aufgelegt. Für Innenverteidiger Sol Campbell war es ein „Zufallstreffer“ für Teddy Sheringham gar ein „Fehlschuss“ und „einfach eine Schande, dass uns ein solches Tor aus dem Turnier geworfen hat. Es war verrückt.“ David Beckham meinte: „Es war nicht seine (Seamans; Anm. d. Red.) Schuld. Das war ein Zufallstreffer. Es war eine Flanke, die zu einem Tor wurde.“

Pechvogel Seaman wird von England-Fans gefeiert

Und der Torwart? Der dachte direkt nach dem Treffer an etwas ganz anderes: „Schießt dieses Tor, und wir haben noch eine halbe Stunde zu spielen. Und jetzt sind wir in der K.-o.-Runde. Ich stehe auf dem Platz und denke mir: ‚Scheiße, wenn der Spielstand so bleibt, werde ich dann so behandelt wie Beckham 1998?'“, erklärte Seaman im „Beast Mode On“ Podcast.

Doch es kam dann ganz anders: „Als ich nach Hause kam, landeten wir in Heathrow und dort waren viele englische Fans, die alle anfingen, meinen Namen zu singen. Gott sei Dank.“

Auch wenn der Freistoß immer noch allgegenwärtig ist und kontrovers diskutiert wird, trübt dieser „Fehler“ Seamans große Karriere nur ein wenig.

Mit dem FC Arsenal holte er dreimal den Meistertitel und gewann viermal den FA-Cup. Außerdem reckte er 1994 den Europapokal der Pokalsieger in die Höhe.

Der aktuell 62-jährige Seaman ist als Experte tätig und in verschiedenen Fußballshows auf YouTube sowie bei Liveveranstaltungen zu sehen.

In seinem Podcast „Seaman Says“ spricht er über die Premier League und begrüßt prominente Gäste. Außerdem ist er Botschafter für den FC Arsenal.