Wenn nicht jetzt, wann dann? Der Skandal um Folarin Balogun war für Bengt Kunkel der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab. Der Fan und Vorsänger der deutschen Nationalmannschaft will das „willkürliche Handeln“ der FIFA und vor allem von Präsident Gianni Infantino nicht länger einfach hinnehmen.
DFB-Vorsänger ruft zum Protest gegen Infantino auf
„Die FIFA ist krank, sie ist kaputt“
„Er hat eine rote Linie überschritten, die noch nie zuvor überschritten wurde“, sagt der 27-Jährige im Gespräch mit SPORT1 und ergänzt: „Mich macht das extrem wütend. Es ist jetzt an der Zeit, laut zu werden.“ Genau das will Kunkel nun tun – und hat bereits den ersten Schritt eingeleitet.
Protest gegen Infantino und die „kranke FIFA“
Am kommenden Montag, einen Tag nach dem WM-Finale, will er vor dem FIFA-Hauptquartier in Zürich demonstrieren. Die von Kunkel angemeldete Kundgebung unter dem Titel „Rücktritt von Gianni Infantino als FIFA-Präsident“ wurde von den Schweizer Behörden offiziell genehmigt.
Wie viele Menschen sich dem Protest anschließen werden, ist völlig offen. Für Kunkel ist das allerdings zweitrangig, wie er gegenüber SPORT1 betont: „Wenn ich am Ende alleine dort stehe, dann stehe ich eben alleine. Ich habe das Gefühl: Wenn nicht jetzt, wann dann? Wohin soll das alles noch führen? Wir müssen die Integrität unseres Sports bewahren.“
„Die FIFA ist krank, sie ist kaputt“
Seit Jahren beobachtet Kunkel die Entwicklung des Fußballs mit wachsender Sorge. „Der Fußball entwickelt sich seit 20 oder 25 Jahren in die völlig falsche Richtung.“ Besonders die aus seiner Sicht „korrupte FIFA“ und das ausbleibende Aufbegehren gegen deren Führung machen ihn „wütend und traurig zugleich“.
„Jeder pfeift, wenn Infantino im Stadion auftaucht. Keiner findet ihn gut. Aber niemand lehnt sich ernsthaft dagegen auf. Die FIFA ist krank, sie ist kaputt. Ich glaube nicht, dass sie heilbar ist – vor allem nicht mit Infantino an der Spitze.“
Für den FIFA-Präsidenten findet Kunkel im Gespräch mit SPORT1 deutliche Worte: „Gianni Infantino ist der Brandbeschleuniger einer Entwicklung, bei der es nur noch um die Kommerzialisierung des Fußballs geht. Er setzt sich überhaupt nicht für die Werte und Interessen der Fans ein.“
Die letzte Gelegenheit für Fußballfans?
Die Demonstration versteht Kunkel als möglicherweise letzte Gelegenheit für Fußballfans, gemeinsam ein Zeichen zu setzen.
Der 27-Jährige gehörte in den vergangenen Jahren zu den prägenden Gesichtern der DFB-Fanszene. Mit seinem Megafon führte er die Anhänger der Nationalmannschaft unter anderem bei der Heim-EM 2024 sowie bei zahlreichen Länderspielen vor der Weltmeisterschaft an.
Lange hatte Kunkel mit sich gerungen, ob er die WM in den USA, Kanada und Mexiko besuchen sollte. Letztlich entschied er sich bewusst dagegen. Neben den hohen Kosten für Tickets und Reisen spielten für ihn vor allem politische Entwicklungen im Vorfeld des Turniers eine entscheidende Rolle – etwa die Vergabe des eigens eingeführten FIFA-Friedenspreises an Donald Trump, „obwohl er einem NATO-Partner gedroht hatte“, sowie die strengen Einreisebestimmungen für Fans.
Rückblickend fühlt sich Kunkel in seiner Entscheidung bestätigt: „Alles an dieser WM ist maximal fanfeindlich.“
Protest gegen Infantino in Zürich
Seit dem Eingreifen Trumps in den sportlichen Ablauf des Turniers im Fall Balogun war für Kunkel klar, dass er das nicht einfach so hinnehmen könne.
Die Protestaktion beginnt am Montag um 18 Uhr vor dem FIFA-Hauptquartier in Zürich. Kunkel hofft auf zahlreiche Unterstützer.
Sein Ziel ist klar: ein Zeichen gegen die Entwicklung des Weltfußballs zu setzen – auch wenn er sich keine Illusionen darüber macht, dass sich Gianni Infantino davon einschüchtern lassen wird.