Der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts hat den Deutschen Fußball-Bund nach dem frühen WM-Aus zu einem offeneren Blick in andere Länder aufgefordert. „Wir dürfen nicht mehr in einem Elfenbeinturm sitzen und sagen: Wir sind der DFB, so wie wir es machen, ist es richtig“, schreibt der 79-Jährige in seiner Kolumne für die Rheinische Post.
Nach WM-Aus: Früherer Bundestrainer kritisiert den DFB
Ex-Bundestrainer kritisiert den DFB
Vogts kritisiert den DFB unter anderem dafür, zu sehr im eigenen Saft zu kochen. „Schaut über den Tellerrand! Damit meine ich nicht, dass wir wie zum Beispiel England oder Brasilien einen Toptrainer aus dem Ausland holen. Der Bundestrainer muss nach England fahren, nach Frankreich, nach Südamerika. Er muss schauen: Was wird da anders und vielleicht besser gemacht, was können wir für uns nutzen?“, so Vogts.
Vogts hatte 1996 mit Deutschland den EM-Titel geholt, später war er unter anderem Trainer bei Bayer Leverkusen sowie in Schottland und Nigeria.
Deutschland: Vogts macht gefährliche Tendenz aus
„Früher gab es regelmäßige Treffen des Bundestrainers und der Bundesliga-Trainer, um eine moderne Analyse des internationalen Fußballs zu machen. Da wurde auch mal der englische, der spanische oder italienische Nationaltrainer eingeladen zum Austausch über taktische Entwicklungen. So ein Meeting müsste es zweimal im Jahr geben, damit unsere Trainer immer auf dem neuesten Stand sind. Da lernt man mehr als auf Lehrgängen an der Sporthochschule“, schrieb er nun.
Bei den Profis hat Vogts eine gefährliche Tendenz ausgemacht: „Wir haben im Moment keine Spieler, die auf höchstem Niveau mithalten können. Es gibt einzelne Spieler, die Qualität haben, aber zu viele sind zu schnell zufrieden. Das ist keine deutsche Mentalität. Da müssen wir ansetzen: Warum sind unsere Spieler nicht mehr Weltklasse? Warum sind wir in den Disziplinen hinten dran, die uns früher stark gemacht haben?“
„Die anderen sind schneller, sie sind athletischer, sie können besser kämpfen. Wir haben entscheidende Entwicklungen im internationalen Fußball verpasst, das wird immer deutlicher“, so Vogts weiter.