Christoph Kramer hat das Aus von Frankreich im WM-Halbfinale gegen Spanien (0:2) auch an einem Detail festgemacht. „Du siehst heute bei Frankreich im Anlaufverhalten, dass Spanien gegen sie ewig spielen kann. Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie einfach keinen Bock haben zu trainieren und du es deswegen nicht einstudieren kannst“, sagte der Weltmeister von 2014 im ZDF.
Kramer mit gewagter Frankreich-These: "Keinen Bock zu trainieren"
Gewagte Frankreich-These von Kramer
Auf die Frage, ob sich der Vorwurf etwa an Trainer Didier Deschamps richte, sagte Kramer: „Nicht an den Trainer. Ich war nie Trainer. Auf dem Niveau ist es so ein bisschen untrainierbar.“
„Du musst diese Rasselbande auch irgendwie trainieren“
Generell lautete sein Fazit: „Frankreich kannst du gar nichts absprechen, die wollten alle, die sind gelaufen. Auch von den Laufwerten her haben sie gute individuelle Leistungen. Der große Unterschied ist, dass sie es nicht zusammen machen, weil du diese – in Anführungsstrichen und auch nicht böse gemeint – Rasselbande auch irgendwie trainieren musst.“
Wenn man „so viele internationale Top-Weltklasseleute“ wie Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé habe, „dann ist es die größte Aufgabe als Trainer, sie bei Laune zu halten“, ergänzte Kramer.
Streich: „Diese Superstars zu trainieren, ist schwierig“
Zuspruch für seine These erhielt der 35-Jährige vom früheren Freiburg-Trainer Christian Streich. „Diese Superstars zu trainieren, ist schwierig.“
Im Vergleich dazu nannte er Spaniens Trainer Luis de la Fuente und dessen Vergangenheit als spanischer Nachwuchstrainer als wichtigen Aspekt.
„Luis de la Fuente spielt mit Spielern, die er seit zehn Jahren aus der Jugend kennt und die ihn alle kennen. Das sind keine Superstars gewesen. Die kommen als U19-Spieler, sie waren U21-Spieler bei ihm. Dann haben sie eine Demut vor dem Trainer. Eine Dankbarkeit, weil er sie gefördert hat. Dann ist es eine andere Geschichte“, sagte Streich.
Auch Lamine Yamal ordnete sich dann dem taktischen Konzept unter und half bei der Defensivarbeit mit. „Der das natürlich machen muss, der ist 19 Jahre alt, der ist ein junger Kerl. Aber er hat es gemacht“, sagte Streich.
Er lobte das spanische Kollektiv: „Jedes Mal, wenn ihnen ein Franzose den Rücken gezeigt hat, raus aus dem Pressing. Jedes Mal! Das ist unglaublich, wie sie das gemacht haben.“