Oliver Bierhoff war fast 30 Jahre lang eines der Gesichter der deutschen Nationalmannschaft. Als Teammanager verantwortete er sowohl den WM-Titel 2014 als auch den Absturz ab 2018. Im SPORT1-Interview macht er sich nicht frei von Schuld.
WM: Bierhoff gesteht Fehler ein
Bierhoff gesteht Fehler ein
„Fehler macht man immer. Gerade am Anfang habe ich viele Fehler gemacht, weil ich unerfahren war“, räumte der 58-Jährige ein. Gleichzeitig rechtfertigte er aber auch seine teils umstrittenen Ideen: „Ich habe allerdings nie versucht, den bequemen Weg zu gehen.“
Bierhoff hatte 2004 die neue Rolle als Teammanager der Nationalmannschaft übernommen und war auf der Karriere-Leiter seitdem immer weiter hochgestiegen. Bis zu seiner Vertragsauflösung hatte er schließlich das Amt des DFB-Direktors inne. Während dieser Zeit war er auch oft mit kontroversen Ideen angeeckt.
DFB: Bierhoff erschuf „Die Mannschaft“
„Den meisten Ärger habe ich bekommen, weil ich immer wieder Themen angestoßen habe – etwa den Bau des DFB-Campus, die Akademie oder die Entwicklung der Marke ‚Die Mannschaft‘„, sagte Bierhoff.
Letztgenannten Slogan versuchte Bierhoff, wie in anderen Ländern oft üblich, nach 2014 als neuen Markennamen für das DFB-Team zu etablieren. Ganz nach dem Vorbild der „Selecao“ (Brasilien) oder der „L’Équipe“ (Frankreich). Durchgesetzt hat sich der Titel aber nie.
Im Gegenteil: In einer Phase, in der die Außenwahrnehmung der Nationalmannschaft massiv unter den sportlichen Leistungen litt, trug die Etablierung der Marke erheblich zur weiteren Entfremdung zwischen Fans und Verband bei.
„Man darf niemals die Seele verlieren“
Ein Fehler, den auch Bierhoff einsieht: „Rückblickend hätte ich nach dem WM-Titel 2014 wahrscheinlich noch stärker darauf achten müssen, die Dinge wieder auf den sportlichen Kern zu konzentrieren und den Hype um die Mannschaft zu begrenzen.“
Gleichzeitig betonte er aber auch die Gratwanderung, die mit solchen Entscheidungen einhergingen: „Es ist immer schwierig, das richtige Maß zu finden. Ich habe immer gesagt: Je mehr Einnahmen wir generieren, desto mehr Geld kann wieder in die Basis fließen. Aber man darf niemals die Seele dessen verlieren, was man eigentlich macht. Im Nachhinein hätte ich an manchen Stellen vielleicht noch konsequenter sein und häufiger sagen müssen: Bis hierhin und nicht weiter.“
Um den DFB und die Männer-Nationalmannschaft wieder aus ihrer Tristesse herauszuholen, hat der Europameister von 1996 aber auch Lösungsansätze parat: „Wir müssen wieder neugieriger, demütiger und selbstkritischer werden. Wir müssen uns ständig fragen: Was können wir besser machen? Was müssen wir verändern?“