Erstmals seit 30 Jahren hatte die englische Nationalmannschaft die Chance, wieder in ein WM-Finale einzuziehen. Anthony Gordon hielt diesen Traum am Leben, als er England in der 55. Minute mit 1:0 in Führung brachte. Doch in der Schlussphase kippte die Partie: Enzo Fernández glich in der 85. Minute aus, Lautaro Martínez erzielte in der Nachspielzeit (90.+2) die 2:1-Führung. Der Traum von Englands WM-Finale war damit geplatzt.
Tuchel: „Das ist wie auf den Tod zu warten“
Tuchel: „Das ist wie auf den Tod zu warten“
Im Anschluss geriet vor allem das Spielmanagement von Trainer Thomas Tuchel in die Kritik. Viele glaubten, dass seine Wechsel ausschlaggebend für die spätere Niederlage waren. Nun äußerte er sich erstmals ausführlicher zu seiner Entscheidung. Der Coach verteidigte sein Vorgehen, räumte aber zugleich ein, möglicherweise den falschen Zeitpunkt gewählt zu haben.
Konkret geht es um die Wechsel in der 82. Minute. Seine Spieler wirkten zunehmend erschöpft und Tuchel wollte mit Dan Burn, Nico O’Reilly und Ezri Konsa frische Kräfte bringen. Declan Rice und Torschütze Anthony Gordon mussten dafür unter anderem vom Platz.
WM 2026: Spott und Kritik nach Halbfinal-Aus
Tuchel stellte auf Fünferkette um mit der Hoffnung, den knappen 1:0-Vorsprung retten zu können. Doch der Plan ging nicht auf. Nur wenige Minuten nach den Wechseln erzielte Argentinien den Ausgleich, ehe Martínez in der Nachspielzeit die Argentinier erlöste.
Was folgte, war eine Welle an Spott, Hass, Kritik und Anfeindungen. Auch knapp zwei Monate nach seiner folgenschweren Entscheidung lässt Tuchel das Halbfinale nicht los.
Auch knapp zwei Monate nach seiner folgenschweren Entscheidung lässt Tuchel das Halbfinale nicht los. Das Halbfinale habe etwas mit ihm gemacht. „Niemand ist mehr verletzt als ich, niemand wollte es mehr“, versicherte der Deutsche. Auch er habe sich im Nachgang gefragt, ob eine andere Entscheidung England möglicherweise ins Finale gebracht hätte. Seine Antwort: „Man weiß es einfach nicht.“
Tuchel schilderte zudem, wie sehr ihn das Auftreten der Argentinier in der Schlussphase überrascht habe. England sei mit der hohen Geschwindigkeit und der veränderten Spielweise des Gegners zunehmend überfordert gewesen.
Thomas Tuchel: „Das ist wie auf den Tod zu warten“
„Argentinien spielte dann sehr, sehr schnell. Entschuldigt die Ausdrucksweise, sie spielten Scheiß-drauf-Fußball. Nach dem Motto: Wir haben nichts zu verlieren“, beschriebt Tuchel seine Wahrnehmung. Dabei habe er einen Moment erlebt, in dem er befürchtete, seine Mannschaft würde die Kontrolle über das Spiel verlieren. „Ich dachte: Das überstehen wir nicht. Das ist wie auf den Tod zu warten.“
Seine Wechsel seien deshalb die verzweifelte Hoffnung gewesen, die Kontrolle zurückzugewinnen und die Führung über die Zeit zu retten. „Natürlich hätte man offensivere Wechsel vornehmen können. Niemand weiß, was dann passiert wäre“, fasste der 53-Jährige seine Zwickmühle zusammen.
Am Ende sorgten der 6:4-Sieg gegen Frankreich und der dritte Platz bei der Weltmeisterschaft für ein halbwegs versöhnliches Ende. Für Tuchel blieb dennoch ein bitterer Beigeschmack. Das WM-Finale nur als Zuschauer verfolgen zu können, habe ihn sehr geschmerzt und es werde noch „eine Weile dauern, darüber hinwegzukommen.“