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Handball-Macht in München? "Diesen Kreislauf wollen wir jetzt durchbrechen"

Der Traum von der Bundesliga 

Der Münchner Handball nimmt durch eine Fusion Kurs auf die nationale Spitze. Mit an Bord ist auch Weltmeister Dominik Klein. Im exklusiven SPORT1-Interview spricht er über die Fusion, große Ziele und warum der Handballstandort München bislang hinter seinen Möglichkeiten bleibt.
Der Münchner Handball nimmt Kurs auf die Spitze, das klare Ziel lautet Bundesliga. Im exklusiven SPORT1-Interview spricht Klein über die Fusion, große Ziele und warum der Handballstandort München bislang hinter seinen Möglichkeiten geblieben ist.
Der Münchner Handball nimmt durch eine Fusion Kurs auf die nationale Spitze. Mit an Bord ist auch Weltmeister Dominik Klein. Im exklusiven SPORT1-Interview spricht er über die Fusion, große Ziele und warum der Handballstandort München bislang hinter seinen Möglichkeiten bleibt.

Es ist in diesen Tagen gar nicht mal so leicht, Dominik Klein zu erwischen. Als Handball-Experte für die ARD rund um das Final Four des DHB-Pokals viel unterwegs treibt der Weltmeister von 2007 parallel ein ambitioniertes Projekt voran: einen Münchner Handballverein in die Bundesliga zu führen.

Gemeinsam mit seinem früheren DHB-Kollegen Steffen Weinhold und Lisa Bieberbach bildet der 42-Jährige den Vorstand der „Handballgemeinschaft München“.

Top-Handball: „In München besteht seit Jahren der Wunsch“

Die Fusion mit TuS Fürstenfeldbruck zur „HG München Fürstenfeldbruck“ ist dabei nur der Anfang. Im exklusiven SPORT1-Interview spricht Klein über die Hintergründe des Zusammenschlusses, große Ziele – und den Traum von einer neuen Handball-Macht in München.

SPORT1: Herr Klein, wie kam es zur Fusion im Münchner Handball?

Dominik Klein: Die Idee hinter der Handballgemeinschaft München war von Anfang an, eine Perspektivmannschaft für die vielen Talente in der Region zu schaffen. Dafür braucht es die Möglichkeit, sportlich möglichst hoch einzusteigen – und genau da kommt ein Verein wie Fürstenfeldbruck ins Spiel. Die bringen jahrelange Drittliga-Erfahrung mit, eine starke Tradition, leidenschaftliche Fans und vor allem die Offenheit, gemeinsam etwas Neues aufzubauen.

SPORT1: Wann wurde aus einer ersten Idee tatsächlich ein konkretes Projekt?

Klein: Die Vision gab es eigentlich schon lange. In München besteht seit Jahren der Wunsch, Handball auf ein höheres Niveau zu heben. Große Events wie Weltmeisterschaften oder internationale Turniere haben gezeigt, wie groß das Interesse ist. Aber es braucht eben eine Gemeinschaft, um daraus etwas Nachhaltiges zu machen. Genau das spiegelt sich auch in unserem Namen wider: Alleine geht es nicht.

Weltmeister Klein will Kreislauf durchbrechen

SPORT1: Warum hat es Ihrer Meinung nach bislang nicht für Spitzenhandball in München gereicht?

Klein: Das Problem ist weniger das Talent – davon gibt es hier genug. Die Jugendarbeit in der Region ist hervorragend. Aber es fehlt die Perspektive vor Ort. Viele Talente gehen früh nach Leipzig, Berlin oder Magdeburg, weil dort die Strukturen und Internate vorhanden sind. Dadurch verliert München seine besten Spieler, und ohne sie lässt sich natürlich kein Spitzenhandball aufbauen. Diesen Kreislauf wollen wir jetzt durchbrechen.

SPORT1: Wie schwierig war es, alle Beteiligten von der Fusion zu überzeugen?

Klein: Überraschend wenig schwierig. Wir haben von Anfang an mit externen Beratern gearbeitet, die ohne Vereinsbrille auf das Projekt geschaut haben. Dadurch ging es schnell nicht mehr um das „Warum“, sondern um das „Wie“. Die Initiative kam sogar aus Fürstenfeldbruck – mit der klaren Frage, ob wir diese Vision gemeinsam angehen wollen. Das hat vieles erleichtert.

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SPORT1: Die Brucker Panther sind aktuell Schlusslicht in der 3. Liga, der Abstieg droht. Bedeutet das, dass die Münchner Panther ab kommender Spielzeit dann in der Regionalliga angreifen?

Klein: Natürlich hoffen wir noch auf mögliche Szenarien wie eine Relegation, um die Liga zu halten. Aber wir planen aktuell mit der vierten Liga. Wichtig ist, dass wir dem Verein eine neue Vision geben. Aus den Brucker Panthern werden die Münchner Panther – mit frischem Elan und einer klaren Perspektive.

Heim-WM 2027: DHB-Gruppenspiele in München

SPORT1: Wo soll München langfristig im deutschen Handball stehen?

Klein: Ein wichtiger Meilenstein ist die Heim-WM 2027, bei der München wieder eine große Rolle spielen wird. Die deutsche Mannschaft wird zum Beispiel hier ihre Gruppenspiele austragen. Genau dort wollen wir ansetzen. Unser Ziel ist es, den Standort nachhaltig zu stärken – sowohl im Jugendbereich als auch im Profibereich. Wir wollen zeigen, wie viel Potenzial und Begeisterung für Handball in dieser Stadt steckt.

SPORT1: Welche Auswirkungen hat die Fusion auf den Kader? Müssen viele Spieler den Verein verlassen?

Klein: Der Kern der bisherigen Mannschaft aus Fürstenfeldbruck, der „Brucker Block“, bleibt größtenteils zusammen. Diese Identität ist uns wichtig. Gleichzeitig werden wir punktuell verstärken, um mehr Stabilität reinzubringen und unsere ambitionierten sportlichen Ziele auch erreichen zu können.

Bundesliga? „Das wäre unser großes Ziel“

SPORT1: Stichwort Ziele: Wie realistisch ist die Bundesliga? Und vor allem: Wann?

Klein: Das wäre unser großes Ziel, aber wir müssen seriös bleiben. Aufstiege lassen sich nicht planen. Was wir aber planen können, sind die Strukturen – mit professioneller Führung, einem starken Trainerteam und einem leistungsfähigen Kader. Wenn diese Basis stimmt, kann sich sportlicher Erfolg entwickeln.

SPORT1: Wie haben die Fans in Fürstenfeldbruck reagiert? Schließlich geht mit den „Brucker“ Panthern ja auch ein Stück weit ihrer Identität verloren …

Klein: Die Fans und die Atmosphäre in der Wittelsbacher Halle sind etwas ganz Besonderes. Da kommt ganz München zusammen, um die Panther in ihrem Käfig spielen zu sehen. Diese Leidenschaft und Nähe zum Sport sind ein zentraler Bestandteil unserer DNA. Natürlich gab es anfangs Fragen, natürlich wollten die Fans wissen, was wir genau vorhaben. Aber wir haben viel Vertrauensvorschuss bekommen. Auch, weil wir nahbar sind und immer mit Herz und Leidenschaft dabei sind. Genau diese Identität wollen wir bewahren und weiterentwickeln.

SPORT1: Wie reagieren kleinere Vereine in der Region auf diese Fusion? Stichwort: Konkurrenz.

Klein: Wir haben eigentlich fast nur positive Resonanz bekommen. Viele sehen in diesem Projekt die Chance, den Handball insgesamt zu stärken. Und das tun wir auch. Wir wollen ja nicht nur so schnell wie möglich wieder in die 3. Liga aufsteigen, sondern eine Perspektive für junge Talente aus den vielen sehr guten Vereinen aus der Region schaffen. Dadurch profitieren andere Klubs automatisch. Unser Ansatz ist, dass Talente ihre Identität im Heimatverein behalten können, aber zusätzlich eine Perspektive auf höherem Niveau bekommen.

Klein sieht sich als „Teil einer großen Gipfeltour“

SPORT1: In der kommenden Spielzeit werden Sie weiterhin in Fürstenfeldbruck spielen. Dann steht der Umzug nach München an, auch wenn der genaue Ort noch nicht feststeht. Wie steht die Stadt München zu eurem Projekt?

Klein: Wir führen sehr gute Gespräche. Die Resonanz aus Politik und Verwaltung ist positiv. München ist eine starke Sportstadt, eine Bundesligastadt in vielen Sportarten. Und wir wollen den Handball dort wieder sichtbarer machen. Unser Ziel ist klar: ein echtes „Home Team“ für die Stadt.

SPORT1: Welche Rolle werden Sie persönlich einnehmen?

Klein: Was mir ganz wichtig ist zu betonen: Das Ganze funktioniert nur im Team. Gemeinsam mit meinem Vorstandskollegen Steffen (Weinhold; Anm. d. Red.), meiner Vorstandskollegin Lisa (Bieberbach; Anm. d. Red.) und ganz vielen weiteren tollen und engagierten Menschen. Ich sehe mich als Teil einer großen Gipfeltour. Wir haben klare Strukturen aufgebaut – sowohl im sportlichen als auch im wirtschaftlichen Bereich. Das ist entscheidend für den langfristigen Erfolg und die zunehmende Professionalisierung.

SPORT1: Sie setzen sich seit Jahren für den Handball in der Region ein, Sie sind in Fürstenfeldbruck so etwas wie ein Edelfan. Was bedeutet Ihnen das Projekt persönlich?

Klein: Sehr viel. Vor fünf Jahren haben wir mit dem Handball-Campus angefangen, Kinder für Bewegung zu begeistern. Und genau diese funkelnden Kinderaugen sind es, die uns motivieren. Es gibt nichts Schöneres. Jetzt sehen wir, dass genau diese Kinder weitergehen wollen – im Handball und mit unseren Werten. Das ist für mich der schönste Erfolg.

Erstes Spiel? „Da wird es sicherlich auch ein Tränchen geben“

SPORT1: Wie waren die Reaktionen aus Ihrem Umfeld? Haben sich viele Ex-Mitspieler bei Ihnen gemeldet?

Klein: Viele haben mich schon während meiner Karriere gefragt, wann es endlich Spitzenhandball in München gibt (lacht). Jetzt gehen wir diesen Schritt. Und jeder, der Lust hat, daran mitzuwirken, ist herzlich eingeladen.

SPORT1: Wann würden Sie sagen, dass die Fusion ein Erfolg ist?

Klein: Der erste Erfolg wird der erste Spieltag sein. Wenn wir gemeinsam mit dem Trikot auf dem Feld stehen und das Projekt sichtbar wird – das wird ein besonderer Moment. Da wird es sicherlich auch das ein oder andere Tränchen geben. Aber natürlich denken wir langfristig, auch an den Ausbau im Mädchen- und Frauenbereich.

Auch Frauenmannschaft soll gestärkt werden

SPORT1: Gibt es da schon konkrete Pläne?

Klein: Ja, definitiv. In der Region gibt es starke Frauenmannschaften wie Gröbenzell, Ismaning, Ebersberg oder Laim und auch dort wollen wir Perspektiven schaffen. Unser Ziel ist es, den Handball vollumfänglich gemeinsam weiterzuentwickeln.

SPORT1: Wofür sollen die Münchner Panther künftig stehen?

Klein: Für Leidenschaft. Das ist für mich der Kern des Handballs – Emotion, Nähe und Werte. Wenn wir das nach außen tragen, können wir viel bewegen.