Es war eine dieser Geschichten, die nur der Sport schreibt. Gisli Kristjansson, Regisseur und Antreiber des SC Magdeburg, spielte 2023 und 2025 jeweils körperlich angeschlagen im Finale der Champions League. Beide Male gewann er den Titel und wurde zudem zweimal zum MVP des Final Four in Köln gewählt.
Final Four: Magdeburger kann Historisches schaffen
Historische Chance im Final Four
Jetzt, ein Jahr nach dem 32:26-Triumph im Endspiel über die Füchse Berlin, bietet sich dem 26-Jährigen eine historische Chance: Er könnte der erste Spieler überhaupt werden, der die seit 2014 vergebene MVP-Auszeichnung zum dritten Mal abräumt.
Der Isländer steht derzeit wie Aron Pálmarsson bei zwei Ehrungen. Pálmarsson wurde 2014 im Trikot des THW Kiel ausgezeichnet und triumphierte zudem zwei Jahre später als Spieler von Telekom Veszprém.
Klar ist: Ein Titelgewinn erhöht die Chancen auf die Auszeichnung deutlich. Bislang gab es nur drei Fälle, in denen ein Spieler der unterlegenen Finalmannschaft zum MVP gewählt wurde.
Historische Chance: Für Kristjansson zählt nur der Titel
Von SPORT1 auf seine mögliche historische Bestmarke angesprochen, blieb Kristjansson gelassen. „Ich bin vor allem hochmotiviert, mit der Mannschaft ein erfolgreiches Wochenende zu spielen. Alles andere wird sich ergeben. Wenn so etwas passiert, ist das schön, wenn nicht, ist es auch nicht schlimm“, betonte er am Freitag, einen Tag vor dem Halbfinale gegen die Füchse (15 Uhr im LIVETICKER): „Mein voller Fokus liegt darauf, den Titel zu gewinnen.“
Dass er bei diesem Unterfangen erneut eine Schlüsselrolle einnehmen könnte, ist naheliegend. Handball-Legende Daniel Stephan erklärte im SPORT1-Interview: „Gisli Kristjansson wird derjenige sein, der dann den Stempel aufdrückt. Er wurde ja auch schon zweimal MVP des Final Four und ist vorne einfach eine Augenweide.“
Der Welthandballer von 1998 schwärmte weiter: „Diese Wucht, diese Power, diese Athletik, die der hat, das ist schon Wahnsinn. Wenn er einen Lauf hat, beim Eins-gegen-eins, dann ist er einfach schwer zu halten.“
Final Four: Eine verrückte Vorgeschichte
In den vergangenen Jahren schienen Kristjanssons körperliche Probleme in Köln sogar einen zusätzlichen Antrieb freizusetzen. Nach dem Motto „Jetzt erst recht“ führte er den SCM mit beeindruckenden Leistungen jeweils zum Champions-League-Titel.
2023 hatte sich der Magdeburger im Halbfinale gegen Barcelona die Schulter ausgekugelt, ließ sie sich anschließend einrenken und spielte das Finale am Folgetag unter Schmerzmitteln. Dort erzielte er sechs Tore.
Zwei Jahre später verletzte sich Kristjansson rund zwei Wochen vor dem Final Four an der linken Schulter und wusste lange nicht, ob er rechtzeitig fit werden würde. Im Endspiel gegen die Füchse war er dann mit acht Treffern bester Werfer.
Kristjansson ist dieses Mal fit: „Freue mich mega“
Doch dieses Mal – und das ist bei Kristjansson angesichts der Vorgeschichte schon eine Besonderheit – ist er ohne größere körperliche Sorgen nach Köln gereist.
„Ich hatte in den vergangenen Final Fours in der Champions League immer irgendwelche Probleme“, erklärte er am Freitag: „Dieses Mal will ich das Wochenende ohne irgendwelche Probleme absolvieren und trotzdem gut spielen. Ich freue mich mega darauf.“
Bei der vierten Final-Four-Teilnahme des SCM in Folge erwartet Kristjansson im Halbfinale gegen die Füchse „ein sehr schweres Spiel“. Es komme vor allem auf Kleinigkeiten an: „Berlin gibt über die gesamten 60 Minuten Vollgas und lässt nie nach. Sie spielen mit enormem Tempo, halten die Intensität hoch und laufen die ganze Zeit.“
Finale gegen Rekordchampion oder Knorr?
Wie man die Füchse schlägt, wissen die Magdeburger nicht nur wegen des Finalsiegs im vergangenen Jahr. Auch die beiden Ligavergleiche in dieser Saison gingen an den frischgebackenen Deutschen Meister aus Sachsen-Anhalt.
In einem potenziellen Finale warten auf Kristjansson und Co. dann Rekordchampion Barcelona oder Aalborg um Nationalspieler Juri Knorr.