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Final Four der Handball-CL: "Gidsel würde ich mit sehr viel Härte angehen"

„Heftig“: Handball-Legende schwärmt

Der SC Magdeburg und die Füchse Berlin kämpfen beim Final Four in Köln um den Titel in der Champions League. Im SPORT1-Interview erklärt Handball-Legende Daniel Stephan, wen er vorne sieht - und wie er versuchen würde, Mathias Gidsel zu stoppen.
Die Highlights der Partie SC Magdeburg - Füchse Berlin aus der Handball-Bundesliga im Video.
Der SC Magdeburg und die Füchse Berlin kämpfen beim Final Four in Köln um den Titel in der Champions League. Im SPORT1-Interview erklärt Handball-Legende Daniel Stephan, wen er vorne sieht - und wie er versuchen würde, Mathias Gidsel zu stoppen.

Am Wochenende steht mit dem Final Four der Champions League eines der größten Handball-Highlights des Jahres an. Mittendrin sind mit dem SC Magdeburg und den Füchsen Berlin auch zwei deutsche Teams.

Meister Magdeburg und Pokalsieger Berlin treffen dabei schon im Halbfinale am Samstag aufeinander. Für viele ist dieses Duell bereits das vorgezogene Finale.

Legende Daniel Stephan sieht das anders. Der Welthandballer von 1998 erklärt im SPORT1-Interview, warum er auch den FC Barcelona und Aalborg HB für äußerst gefährlich hält.

Zudem schildert Stephan, dass für ihn die Füchse im Duell mit dem SCM den psychologisch Vorteil haben, er trotzdem aber im Gefühl habe, dass sich der deutsche Meister durchsetzt. Den Überspieler Mathias Gidsel würde er mit ordentlich Körperlichkeit bearbeiten.

SPORT1: Herr Stephan, das Final Four der Champions League steht an. Wer ist für Sie der Favorit auf den Titel?

Stephan: Das ist eine leichte, aber auch eine ganz schwere Frage (lacht). Im ersten Halbfinale zwischen Magdeburg und den Füchsen gibt es keinen klaren Favoriten. Bei Barcelona gegen Aalborg ist Barcelona natürlich Favorit, wobei man Aalborg auch nicht unterschätzen darf. Wir wissen alle, was ein Final Four bedeutet, egal ob beim DHB-Pokal oder in der Champions League. Wer hätte vor dem DHB-Pokal gedacht, dass der Bergische HC ins Finale kommt oder dass Lemgo lange Berlin ärgert? Es ist alles möglich. Das ist auch der Reiz an so einem Final Four. Ich war ehrlich gesagt nie so wirklich ein Befürworter von einem Final Four. Aber es hat sich bewährt, weil es einfach eine geile Veranstaltung mit tollen Spielen und toller Atmosphäre ist. Da macht es richtig Spaß zuzuschauen.

Gidsel? „Würde ich wirklich mit sehr viel Härte angehen“

SPORT1: Mit Blick auf das deutsche Halbfinale – haben Sie eine Tendenz, wer für Sie leicht favorisiert ist?

Stephan: Man kann auf jeden Fall nicht sagen, dass es ein vorgezogenes Finale ist. Dafür ist ein Final Four zu unberechenbar. Die anderen beiden Mannschaften sind auch tolle Teams, die einen anderen Handball-Stil spielen. Magdeburg war die letzten Wochen nicht mehr so souverän, ist aber trotzdem Deutscher Meister geworden und hat auch die Füchse Berlin zweimal in der Liga geschlagen. Die Füchse haben dagegen bewiesen, dass sie Final Four können und den DHB-Pokal gewonnen. Magdeburg hat vielleicht im Hinterkopf, dass es im DHB-Pokal im Final Four überhaupt nicht gelaufen ist und sie sind auch nicht so gut drauf. Psychologisch denke ich, dass die Füchse Berlin sogar im Vorteil sind. Zudem hat Magdeburg eben zuletzt nicht mehr die Leistung gebracht, die sie in der Hinrunde gezeigt haben. So kommt es sicher auf Kleinigkeiten an, zum Beispiel auf die Torhüterleistung oder ob Magdeburg seinen Spielstil, dieses 1-gegen-1 mit immer wieder Zwei-Minuten-Zeitstrafen und 7-Meter ziehen, durchziehen kann. Es ist auch immer spannend, was mit Gidsel ist. Kriegen sie ihn in den Griff oder lassen sie ihn vielleicht sogar einfach 12 Tore machen und fokussieren sich dann auf den Rest? Es gibt viele taktische Punkte, die man da variieren kann und die bestimmt auch versucht werden. Das wird auf jeden Fall ein unglaublich spannendes Spiel. Ich vermag nicht zu sagen, wer mein Favorit ist. Ich tendiere fast, auch wenn es psychologisch anders wirkt, dazu, dass Magdeburg da vielleicht die Oberhand hält. Aber das ist einfach nur ein kleines Gefühl.

SPORT1: Es liegt zwar eigentlich auf der Hand, aber wie wichtig kann Mathias Gidsel werden? Seine 18 Tore gegen Flensburg waren ja unglaublich.

Stephan: 18 Tore sind schon heftig. Ich habe das Spiel leider nicht gesehen, aber er macht ja auch nicht nur die unwichtigen Tore. Er hat diese Saison auch so viele wichtige Tore erzielt, zum Beispiel sein Tor gegen den TBV Lemgo in allerletzter Sekunde. Er ist einfach ein toller Spieler, dem es Spaß macht, zuzuschauen. Wenn ich Magdeburg-Trainer wäre, dann würde ich den wirklich mit sehr viel Härte angehen, muss man ja wirklich sagen (lacht). Oder man sagt: lass ihn. Wir konzentrieren uns auf Lasse Andersson und die anderen Spieler, damit sie nicht so viele machen. Lass Gidsel zwölf Tore machen und wir konzentrieren uns auf die anderen Sachen. Aber er ist sicherlich der Entscheidungsspieler und ich bin gespannt, wie Magdeburg das lösen möchte. 

Stephan schwärmt von Magdeburg-Star: „Eine Augenweide“

SPORT1: Wer könnte bei Magdeburg der X-Faktor werden?

Stephan: Gisli Kristjansson wird derjenige sein, der dann den Stempel aufdrückt. Er wurde ja auch schon zweimal MVP des Final Four und ist vorne einfach eine Augenweide. Natürlich spielt er viel im 1-gegen-1 und es wirkt auch oft verdächtig nach Schritten, aber es wird halt kaum gepfiffen. Aber diese Wucht, diese Power, diese Athletik, die der hat, das ist schon Wahnsinn. Wenn er einen Lauf hat, beim 1-gegen-1, dann ist er einfach schwer zu halten.

SPORT1: Welche Rolle spielt Erfahrung oder vielleicht auch Gier beim Final Four?

Stephan: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gier den Ausschlag geben wird. Wenn man im Final Four der Champions League Köln ist, dann will jeder gewinnen und jeder wird 120 Prozent geben. Da kann mir keiner sagen, dass ein Team gewinnt, weil es gieriger ist.

SPORT1: Wie schätzen Sie die beiden übrigen Teams Barcelona und Aalborg ein?

Stephan: Bei Aalborg ist es natürlich so, dass sie erstmal der Underdog sind, aber wenn Landin mal das Tor zunagelt und Juri Knorr auch sein Talent richtig ausspielen kann, dann haben sie auch eine tolle Mannschaft. Zudem haben sie nichts zu verlieren. Da kann man gut auftrumpfen. Ich sehe sie nicht chancenlos. Barcelona ist richtig stark. Speziell mit Emil Nielsen im Tor und Dika Mem ist es natürlich eine Augenweide. Nielsen beeindruckt mich, der sieht so überhaupt nicht sportlich aus, aber wenn der dann einen Lauf kriegt, das ist Wahnsinn. Dann kann man den kaum überwinden.