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Vom Gegner geadelt: Jetzt greift Knorr nach Europas Krone

Knorr greift nach Europas Krone

Juri Knorr steht erstmals beim Final Four der Champions League auf der größten Bühne des Vereinshandballs. Das Lob aus dem Lager von Rekordsieger Barcelona zeigt, welchen Stellenwert der Nationalspieler inzwischen genießt.
Juri Knorr spielt mit Aalborg im Final Four der Champions League
Juri Knorr spielt mit Aalborg im Final Four der Champions League
© IMAGO/Gonzales Photo
Juri Knorr steht erstmals beim Final Four der Champions League auf der größten Bühne des Vereinshandballs. Das Lob aus dem Lager von Rekordsieger Barcelona zeigt, welchen Stellenwert der Nationalspieler inzwischen genießt.

Der kleine Juri Knorr liebte diese Wochenenden. Gemeinsam mit seinem Vater Thomas fuhr er im Wohnmobil zum Final Four der Handball-Champions-League nach Köln. Stundenlang verfolgte er die größten Stars der Welt, sog die Atmosphäre in der Lanxess Arena auf und träumte davon, eines Tages selbst dabei zu sein.

Jetzt ist dieser Traum Realität geworden. Als Spielmacher von Aalborg HB steht Knorr erstmals selbst beim Final Four auf dem Parkett, als einer der Hoffnungsträger des dänischen Topklubs, der am Samstag (18 Uhr im LIVETICKER) im zweiten Halbfinale auf Rekordsieger Barcelona trifft.

„Ich freue mich sehr. Es ist mein erstes Final Four, und das ist natürlich noch einmal eine ganz besondere Erfahrung“, erklärte Knorr einen Tag vor dem Beginn des Saisonhöhepunkts.

Knorr: Meister und Pokalsieger in der Debütsaison

Dabei könnte der Rückenwind für den deutschen Nationalspieler kaum größer sein. In seiner ersten Saison in Dänemark gewann der 26-Jährige mit seinem Team den dänischen Pokal, vor wenigen Tagen führte er Aalborg auch noch zur Meisterschaft.

In Spiel eins der Best-of-Three-Serie gegen Skanderborg AGF unterstrich Knorr eindrucksvoll seinen Wert für den Klub: Beim 30:29-Sieg avancierte er mit acht Toren zum besten Schützen. Spiel zwei (35:31) war für ihn nach kurzer Zeit wegen einer leichten Kopfverletzung vorzeitig beendet. Im Final Four soll diese allerdings keine Rolle mehr spielen.

In Köln bietet sich Knorr nun die Chance, einer ohnehin schon bemerkenswerten Debütsaison die Krone aufzusetzen: Er könnte Aalborg zum ersten Champions-League-Triumph der Vereinsgeschichte führen.

„Nach Köln gekommen, um den Titel zu gewinnen“

„Wir sind nach Köln gekommen, um den Titel zu gewinnen“, kündigte Knorr für seine Verhältnisse ungewohnt offensiv an. Sein Nachsatz fiel dann etwas zurückhaltender aus: „Wir wissen aber auch, dass dafür vieles zusammenpassen muss. Hier stehen die besten Mannschaften der bisherigen Champions-League-Saison.“

Dass Knorr, der im vergangenen Sommer nach vier Jahren sein Kapitel bei den Rhein-Neckar-Löwen beendet hatte, inzwischen voll im Kreis der europäischen Spitzenklubs angekommen ist, zeigt sich auch daran, wie in Barcelona über ihn gesprochen wird.

„Juri ist ein besonderer Spieler“, erklärte Superstar Dika Mem auf SPORT1-Nachfrage. Der dreimalige CL-Gewinner, der 2027 zu den Füchsen Berlin wechselt, kennt Knorr noch aus der gemeinsamen Zeit bei den Katalanen (2018-2019). 

Barca-Stars schwärmen von Knorr

Seinerzeit sei Knorr zwar vor allem in der zweiten Mannschaft aktiv gewesen, „er hat aber immer wieder mit uns trainiert und auch mit uns gespielt“, berichtete Mem und stellte klar: „Schon damals konnte man erkennen, dass er ein besonderer Spieler werden würde. Deshalb freue ich mich sehr, ihn heute auf diesem Niveau zu sehen.“

Der französische Weltklasse-Rückraumspieler ist überzeugt, dass Knorrs Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen ist. „Ich bin sicher, dass er sich sowohl als Mensch als auch als Spieler noch weiterentwickeln wird.“

Auch Barcelonas dänischer Top-Torhüter Emil Nielsen zählt Knorr zu den gefährlichsten Akteuren des Turniers. „Juri ist ein herausragender Spieler“, meinte Nielsen gegenüber SPORT1. „Er ist in jeder Spielsituation gefährlich und kann auf unterschiedlichste Weise für Probleme sorgen.“

Aus Sicht eines Torwarts sei gegen Knorr jederzeit höchste Aufmerksamkeit gefragt: „Er kann aus nahezu jeder Position abschließen und verfügt über einen sehr starken Wurf. Auf ihn müssen wir uns besonders gut vorbereiten. Wenn wir ihm zu viele Freiräume lassen, wird er uns mit Sicherheit wehtun.“ Größeres Lob vom Gegner kann es kaum geben.

Knorrs besonderes Wiedersehen mit alten Bekannten

Wenig überraschend wurde auch Knorr vor dem Duell am Samstag mit seiner Barca-Vergangenheit konfrontiert. „Direkten Kontakt zu den Spielern gab es im Vorfeld nicht“, verriet der DHB-Star. „Wenn man sich hier und da trifft, ein bisschen Smalltalk. Aber einige bekannte Gesichter sind noch dabei. Deshalb ist es ein schönes Gefühl und irgendwie cool, das jetzt erleben zu dürfen.“

Vorfreude herrscht bei Knorr nicht zuletzt wegen der zu erwartenden besonderen Atmosphäre vor rund 20.000 Zuschauern in der Lanxess Arena. „Wenn man in die Halle einläuft zum Aufwärmen, ist das schon ein Gänsehautmoment“, schilderte der Spielmacher, der diese Bühne nicht nur von Länderspielen, sondern auch von zwei Teilnahmen am DHB-Pokal-Final-Four kennt.

Die Königsklasse sei natürlich noch einmal etwas anderes. Dennoch helfe es, „wenn man schon Erfahrungen vor großen Kulissen gesammelt hat und weiß, dass man dabei bestehen kann“, fügte Knorr hinzu.

Knorr: „Nervosität und Aufregung“ ist da

Zugleich könne er „eine gewisse Nervosität und Aufregung“ nicht leugnen. „Das gehört dazu“, betonte er.

Ohnehin reist Aalborg nicht als Favorit nach Köln. Neben Rekordsieger Barcelona werden auch dem SC Magdeburg als Titelverteidiger und den Füchsen Berlin größere Chancen auf den Titel eingeräumt. 

Das weiß auch Knorr. „Sicherlich gehören wir nicht zu den Topfavoriten“, sagte er. „Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass in Köln nicht immer der größte Favorit gewinnt.“

Auch deshalb glaubt der Nationalspieler an eine Chance für Aalborg: „Oft entscheiden Tagesform und Momentum. Am Ende setzt sich wahrscheinlich die Mannschaft durch, die im richtigen Moment den größten Schwung entwickelt – und genau das hoffen wir natürlich auch für uns.“

Knorr erwartet Spektakel gegen Barcelona

Im direkten Vergleich spricht die Historie aber klar für Barcelona: 2021 und 2024 standen sich die Katalanen und Aalborg jeweils im Endspiel gegenüber – beide Male zogen die Dänen den Kürzeren. Jedoch damals noch ohne Knorr.

Dieser erwartet nun ein temporeiches Halbfinale mit vielen Toren. „Beide Mannschaften werden aufs Gaspedal drücken“, prognostizierte er. Entscheidend werde sein, dem Rekordchampion möglichst wenig einfache Ballgewinne und Tempogegenstöße zu ermöglichen.

Und sollte Aalborg tatsächlich die Überraschung gegen Barca schaffen, trennt Knorr nur noch ein Sieg vom größten Titel seiner Karriere. Der Weg zur europäischen Krone ist also zum Greifen nah – für den Jungen, der einst mit seinem Vater im Wohnmobil zum Final Four nach Köln reiste und auf der Tribüne von genau solchen Momenten träumte.