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"Jeder, der mal in Natura vor Wolff gestanden hat ..."

Wolff? „Wird keine Diskussion geben“

Erst unbezwingbar, dann geschont, gegen Frankreich lange kein Faktor – die Personalie Andreas Wolff ist rund um die Handball-EM heißes Diskussionsthema. Ein deutscher Weltmeister-Torhüter hat dazu eine ganz klare Meinung.
Andreas Wolff hat maßgeblichen Anteil am Sieg der deutschen Handball-Nationalmannschaft gegen Norwegen. Am Tag danach nennt er einen kuriosen Grund für seine Top-Leistung: Der neue Bankdrück-Rekord.
Erst unbezwingbar, dann geschont, gegen Frankreich lange kein Faktor – die Personalie Andreas Wolff ist rund um die Handball-EM heißes Diskussionsthema. Ein deutscher Weltmeister-Torhüter hat dazu eine ganz klare Meinung.

Zwei von 17 Würfen pariert, 11,76 Prozent – die erste Halbzeit im Spiel gegen Frankreich war nicht die von Andreas Wolff. Gegen das Starensemble bekam der im vorherigen Turnierverlauf so überragende deutsche Keeper lange kaum einen Ball zu fassen. Für Gesprächsstoff war entsprechend gesorgt, nachdem Wolff zur Überraschung vieler im Spiel gegen Dänemark über weite Teile geschont worden war.

„Weil er diese Pause bekommen hat, ist er raus“, wurde Ex-Nationalspieler Michael Kraus während der Dyn-Übertragung deutlich. Stefan Kretzschmar sprach von einer „Spekulation, die nicht unangebracht ist“. Gleich aus mehreren Gründen sollte das Thema aber schon bald wieder vergessen sein.

Auch die französischen Keeper konnten gegen das deutsche Team – unter anderem den überragenden Juri Knorr, der seine ersten zehn Würfe im gegnerischen Tor unterbrachte – den Bällen nur hinterherschauen (drei Paraden bei 22 Würfen). Entsprechend führte die DHB-Auswahl zur Pause mit 19:15.

Handball-EM: Deutsches Duo in entscheidenden Momenten da

„Es war sicherlich kein Torhüterspiel. Aber dann ist es eben wichtig, dass man die entscheidenden Paraden zeigt“, sagte Wolff nach dem Spiel im ZDF und hatte damit völlig recht. Zur zweiten Halbzeit kam David Späth in die Partie und schaffte es, zu wichtigen Zeitpunkten in Erscheinung zu treten. Unter anderem parierte er völlig freie Würfe gegen Yanis Lenne und Ludovic Fabregas.

Als das Spiel in den finalen zehn Minuten zu kippen drohte, kehrte Wolff zurück. Der wohl heikelste Moment ereignete sich in Minute 54. Der französische Kreisläufer Nicolas Tournat tauchte frei vor Wolff auf – dieser parierte. Statt 31:31 hieß es wenige Momente später 32:30 für Deutschland durch Marko Grgic. Dramatischer sollte es in der Folge nicht mehr werden.

„Wir haben den Jungs in den ersten Spielen geholfen, jetzt haben sie uns geholfen“, verteilte Wolff ein Lob an seine Offensive, die dem Topteam am Ende sogar 38 Tore einschenkte. Mit der französischen Angriffswucht hatten bei der EM bereits andere namhafte Mannschaften große Mühe. So trafen Dika Mem und Co. gegen Norwegen 38-mal und gegen Portugal sogar 46-mal – Einstellung des eigenen EM-Rekords!

Andreas Wolff? „Das kann man nicht erwarten“

Dass es realitätsfern wäre, darauf zu hoffen, dass Wolff jede Partie im Alleingang gewinnt, unterstrich auch der deutsche Weltmeister-Torwart Henning Fritz im Gespräch mit SPORT1. „Man kann nicht erwarten, dass ein Andi Wolff in jedem Spiel 22 Paraden hat. Wichtig war, dass er in den wichtigen Phasen voll da war. Das gilt auch für David Späth. Das hat dafür gesorgt, dass die Mannschaft immer in Führung war, was für den Kopf wichtig ist.“

Die Tatsache, dass Wolff nach seiner Pause gegen Dänemark nicht gut ins Spiel kam und trotz der hohen Belastung gegen den Weltmeister sicher gerne aufgelaufen wäre, will Fritz nicht überbewerten. „Natürlich möchtest du immer spielen, aber wir reden immer von der Breite des Kaders. Wir reden davon, dass wir zwei gute Torhüter brauchen, und David Späth, der von seiner Leistungsfähigkeit her nicht groß abfällt gegenüber Andreas Wolf, muss auch Spielanteile bekommen.“

Nur so könne Späth auch abliefern, wenn er mal gebraucht wird. Entsprechend sei Gislasons Maßnahme „absolut nachvollziehbar“.

„Luxusproblem“ im deutschen Tor

Daran, dass Wolff auch im EM-Halbfinale gegen Kroatien (ab 17.45 Uhr im LIVETICKER) zu Beginn des Spiels im deutschen Tor stehen wird, hat Fritz keine Zweifel. Es handele sich um ein Luxusproblem.

„Die Konstellation ist doch perfekt. Wir haben den Erfahrenen und den Jungen, der weiß, dass ihm die Zukunft gehört. Andi ist von der gebrachten Leistung her natürlich die Nummer eins. Da wird es auch intern keine Diskussion geben.“

Darauf angesprochen, was Wolff auf dem Feld besonders auszeichne, gerät Fritz regelrecht ins Schwärmen. „Er hat in den letzten Jahren sein Spiel optimiert, ist ruhiger geworden, gerade bei Würfen vom Kreis und von außen.“

WM-Held schwärmt: „Garant für den deutschen Erfolg“

Insbesondere bei diesen Abschlüssen könne er seine Größe und sein Stellungsspiel gewinnbringend einsetzen: „Diese besondere Technik mit hohem Bein und armübergreifend hat er perfektioniert.“

In der Tat brachte Wolff seine Gegner speziell aus der Nahdistanz zuletzt reihenweise zur Verzweiflung. „Diese Ruhe und diese Nuancen, noch einen Tick länger zu warten, sind für jeden Spieler tödlich. Irgendwann muss er werfen und jeder, der mal in Natura vor Wolff gestanden hat, kann sich vorstellen, wie klein das Tor dann wird“, meinte Fritz.

Diese persönliche Entwicklung von Wolff sei „wirklich sehr außergewöhnlich“. Er sei „Garant und die Grundlage“ für den deutschen Erfolg – und soll es im Idealfall auch im Halbfinale gegen Kroatien sein.

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