Es sollte ein erfolgreiches Comeback werden, eines, das der deutschen Mannschaft zusätzlichen Schwung und Mut für das EM-Finale gegen Dänemark verleihen sollte: Rechtzeitig zum Endspiel meldete sich Abwehrspezialist Tom Kiesler wieder fit, nachdem er zuvor zwei Partien krankheitsbedingt verpasst hatte.
Handball-EM: Bitteres Final-Comeback - "Ich war auch enttäuscht von mir selber"
Selbstkritik nach Final-Comeback
Doch die Rückkehr auf die Platte verlief für den 24-Jährigen und die DHB-Auswahl äußerst bitter. Bereits nach acht Minuten kassierte Kiesler eine Zeitstrafe, nur sechs Minuten später folgte die Rote Karte, weil er Mathias Gidsel unglücklich getroffen hatte.
„Ich treffe Gidsel im Gesicht, am Hals. Das ist sehr unglücklich. Ich wollte natürlich ein Stoppfoul machen, aber er taucht ein bisschen ab und ich treffe ihn dann am Hals“, erklärte Kiesler nach dem Finale in der Mixed Zone über die folgenschwere Szene. Der Abwehr-Hüne räumte selbstkritisch ein: „Es ist eine berechtigte Rote Karte, auf jeden Fall.“
Handball-EM: Kiesler hadert mit seiner Roten Karte
Seine unglücklichen Aktionen sah Kiesler auch als einen Faktor für die 27:34-Niederlage gegen Dänemark an. „In der Abwehr war es teilweise nicht so gut gespielt. Auch meine Rote Karte und die zwei Minuten haben nicht dazu beigetragen“, stellte er klar.
Dabei hatte die Kaderbekanntgabe vor dem Endspiel zunächst auf ein positives Turnierende für Kiesler hingedeutet, dessen Einsatz am Samstag noch ungewiss gewesen war. Zwar hatte der Debütant das letzte Hauptrundenspiel gegen Frankreich (38:34) und das Halbfinale gegen Kroatien (31:28) wegen eines Magen-Darm-Infekts verpasst, doch zuvor mit starken Leistungen in der Deckung überzeugt.
Für diese Auftritte war er von Bundestrainer Alfred Gislason sogar als „bester Abwehrspieler des Turniers“ getauft worden – Leistungen, die er nun auch bei seinem Comeback im Finale bestätigen wollte.
„Ich wollte dem Team helfen und habe mich fit gemacht“
„Mir ging es körperlich so, dass ich spielen konnte“, schilderte Kiesler nach dem Endspiel. „Ich bin immer noch nicht auf den 100 Prozent, aber das ist nun einmal so, wenn man zwei bis drei Tage einfach im Bett liegt und sich auf gut Deutsch auskotzt.“
Dass seine Rückkehr am Sonntag allerdings schon vorzeitig endete, ließ den Gummersbacher hadernd zurück. „Man ist natürlich sehr enttäuscht, keine Frage. Ich wollte dem Team helfen und habe mich fit gemacht, um alles für das Team zu geben“, berichtete Kiesler.
Mit Blick auf seine Rote Karte führte er aus: „Dass dann so was passiert, ist extrem ärgerlich. Ich war auch enttäuscht von mir selber. Das muss man abhaken, daraus lernt man, vielleicht ein bisschen zu ungestüm.“
Trotz der bitteren Finalniederlage wollte Kiesler den Blick nach vorne richten: „Wir haben jetzt die Silbermedaille und sollten uns darüber freuen und nicht nur den Kopf hängen lassen.“
Gislason hebt Kieslers Bedeutung für das DHB-Team hervor
Dass der Abwehrmann bei den kommenden Aufgaben des DHB-Teams ebenfalls eine wichtige Rolle spielen kann, geht auch aus den Worten des Bundestrainers hervor.
„In den letzten Jahren waren wir extrem von Golla und Köster im Block abhängig. Da sind wir auseinandergebrochen, wenn sie nicht dabei waren. Diesmal hatten wir viele Leute“, hob Gislason im ZDF die Variabilität des Teams hervor und nannte in seinem Turnierfazit auch Kiesler, den er als „eine riesige Bereicherung für uns“ bezeichnete.
Gewohnt ehrlich meinte der DHB-Coach aber auch, dass die Rote Karte gegen Kiesler - neben dem Ausfall von Justus Fischer - sein Team „extrem gekostet“ habe.
Selbst wenn es am Ende nicht für Gold reichte und sein Finale frühzeitig mit Rot endete, kann Kiesler sein erstes Turnier mit der DHB-Auswahl aber insgesamt als Erfolg verbuchen. Davon zeugt nicht zuletzt seine Nominierung für das All-Star-Team des Turniers – trotz der zwei verpassten Spiele.