Andreas Wolff, 34, Rune Dahmke, 32, Jannik Kohlbacher, 30 – dies sind die einzigen Spieler im deutschen EM-Aufgebot, bei denen im Alter bereits eine „3“ vorne steht. Abgesehen von Wolff handelt es sich, bei allem Respekt, dabei um keine Spieler, deren mittelfristiges Wegfallen für die Nationalmannschaft nicht aufzufangen wäre.
Die Angst geht zu Recht um | Kommentar
Die Angst geht zu Recht um
Und da Wolff, auch im EM-Finale großer Rückhalt der DHB-Auswahl, bereits vollmundig angekündigt hatte, dass so schnell auf keinen Fall Schluss sein soll, wird der Kern der Mannschaft in den kommenden Jahren intakt bleiben. Und weiter zusammenwachsen und an Qualität zulegen.
Der nächstälteste Spieler ist bereits Kapitän Johannes Golla mit 28 Jahren, was Trainer Alfred Gislason als „nicht einmal alt“ salopp, aber passend beschrieb. „Die meisten sind zwischen 22 und 24. Wenn man die Altersstruktur sieht, kann ein Großteil der Mannschaft zehn Jahre zusammenspielen. Deswegen sage ich, dass die Mannschaft wahrscheinlich die beste Perspektive im Welthandball überhaupt hat.“
Das macht eher Mut als Sorgen
Diese Sichtweise, vom Isländer einen Tag vor der 27:34-Niederlage gegen Dänemark getroffen, hat durch dieses Ergebnis keinerlei Schaden genommen.
Über 55 Minuten bewegte sich Deutschland in Schlagdistanz, Kleinigkeiten machten den Unterschied, weshalb es nicht für den ganz großen Wurf reichte: eine Unachtsamkeit hier, eine Zwei-Minuten-Strafe da. Unter dem Ausfall von Justus Fischer und der frühen Roten Karte für Tom Kiesler litt die Defensive mit fortschreitendem Spielverlauf immer mehr.
So wurde aus einem 27:29 innerhalb der letzten sechs Minuten ein 27:34 – für alle Beteiligten mindestens vier Tore zu hoch! Wieder einmal zeigte sich: Die deutsche Mannschaft hat eigentlich alle Bausteine, um jedem Gegner gefährlich werden zu können – auch den schier übermächtigen Dänen, die ihr lang ersehntes Triple aus Olympiasieg und Weltmeistertitel bei der EM nun perfekt gemacht haben.
Dass Deutschland es wieder einmal nicht schaffte, dass alle Protagonisten im gleichen Spiel ihre Bestleistung abliefern konnten, muss für die Zukunft eher Mut als Sorgen machen. „Es fehlt einfach die konstante Qualität auf allen Positionen, auch auf Rückraum rechts“, wurde Renars Uscins deutlich und übertrieb es fast schon mit der Selbstkritik.
In Dänemark geht die Angst um
„Viele Höhen und Tiefen“ sah Juri Knorr und dürfte damit neben dem Vorrundenschock gegen Serbien auch einige Leistungen von sich selbst gemeint haben. Diese Beschreibung trifft auch auf Spieler wie Marko Grgic, der im Finale äußerst positiv in Erscheinung trat, Julian Köster, Justus Fischer oder Uscins zu. „Die Mannschaft kann eigentlich nur besser werden in den nächsten Jahren“, schwärmte Knorr.
Nicht nur beim stolzen Spielmacher herrscht zu Recht das Gefühl vor, dass Dänemark das deutsche Team mittlerweile ernster nehme als noch in den vergangenen Jahren, als es unter anderem im Olympia-Finale eine deftige Abreibung gab und auch sonst nichts zu holen war.
In Dänemark geht die Angst um – zumindest ein bisschen, wenn es nach Welthandballer und EM-MVP Mathias Gidsel geht, der den Heimvorteil als entscheidenden Unterschied ausmachte. Dieser liegt bei der WM in knapp einem Jahr beim DHB-Team. Dann, so Gidsel, werde Deutschland „unser größter Gegner“ sein.
Platz zwei bei der EM mit Siegen gegen Spanien, Portugal, Norwegen, Frankreich und Kroatien ist für diese Annahme gute Indizien.