Während der Handball-Europameisterschaft musste der deutsche Nationaltorwart David Späth deutliche Kritik von Experten einstecken. Trotz einer starken Quote und überzeugender Leistungen wurde öffentlich behauptet, dass mit seiner Aufstellung das Hauptrundenspiel gegen Dänemark von Bundestrainer Alfred Gislason „abgeschenkt“ wurde.
Handball-EM: "Respektlos!" DHB-Star Späth platzt der Kragen
DHB-Star platzt der Kragen
Im Interview mit dem kicker sprach Späth knapp fünf Wochen nach dem Gewinn der Silbermedaille über die „teils respektlos(en)“ Aussagen von Experten. „Ich habe großen Respekt vor Fußballern, vor Leuten wie Florian Wirtz oder Nick Woltemade, die teils auch grundlos kritisiert werden. Das ist echt Wahnsinn, was sie durchmachen“, meinte der DHB-Torhüter anerkennend.
Pascal Hens: „Okay, wir schenken ab“
Der 23-Jährige erklärte, dass die Besetzung der Torwartposition im Handball nicht mit der im Fußball vergleichbar sei. Einen Torwartwechsel als Hauptgrund für eine mögliche Niederlage anzuführen – ähnlich wie wenn Manuel Neuer nicht zwischen den Pfosten stehen würde – sei für ihn lediglich eine Begründung von Menschen, die weniger Ahnung vom Handball hätten.
Ausgangspunkt der Diskussion war die Torwartentscheidung für das Hauptrundenspiel gegen Dänemark. Späths Teamkollege Andreas Wolff hatte zuvor im Spiel gegen Norwegen mit 22 Paraden überragt und seinem Team maßgeblich zum Sieg verholfen.
Im darauffolgenden Spiel gegen den späteren Europameister Dänemark begann jedoch Späth – eine Entscheidung, die viele Experten überraschte. „Ich habe gedacht: ‚Okay, schenken wir ab‘“, sagte Pascal Hens damals.
Auch Stefan Kretzschmar äußerte sich im Anschluss an das verlorene Spiel kritisch zur Entscheidung von Trainer Alfred Gislason. „Was kann das bedeuten als Zeichen für die Mannschaft? Wie nehme ich das als Mannschaft auf in einem der alles entscheidenden Spiele?“, stellte er den Torwartwechsel infrage.
Späth betonte, dass dieselben Experten ihn vor dem Turnier noch hoch gelobt und das Torhüter-Duo als „auf Augenhöhe“ bezeichnet hätten, ihm später jedoch plötzlich die Qualität abgesprochen hätten. „Da frage ich mich schon, wie man als Experte so was droppen kann?“, so Späth.
DHB-Auswahl profitiert von „Weltklasse-Torhütern“
Trotz der Niederlage gegen die überlegene Mannschaft aus Dänemark zeigte der 23-Jährige selbst eine starke Leistung. Nach knapp 45 Minuten lag seine Quote bei nahezu 40 Prozent. „Ich glaube, besser geht es gegen Dänemark kaum“, stellte der Torwart von den Rhein-Neckar-Löwen begeistert fest.
Die öffentliche Kritik ging alles andere als spurlos an ihm vorbei. „Das hat mich fertiggemacht“, gab der Späth offen zu und ergänzte: „Sie wissen gar nicht, was für eine Wirkung das auf den Spieler hat.“ Dabei hob er hervor, dass ihm die Rolle und die Qualität des Mannes mit der Nummer 33 klar sei: „Natürlich haben wir mit Andi einen Weltklasse-Torhüter“.
Gleichzeitig sei er sich aber auch seines eigenen Wertes für die Mannschaft bewusst. „Ich bin auch ein Teil der Mannschaft und wurde eingesetzt. Dafür so viel Hate, so eine Hatewelle abzubekommen, ist schon brutal - und das, obwohl ich auch noch ein gutes Spiel gemacht habe“, fasste Späth zusammen.
Auch DHB-Shootingstar Juri Knorr wurde von der öffentlichen Kritik an seinem Teamkollegen beschäftigt. Beide verbindet eine enge Freundschaft, während des Turniers waren sie zudem Zimmerkollegen. Späth erzählte, dass sich sein Zimmernachbar „einiges anhören musste“.
Knorr fühlt mit Späth
Knorr äußerte im kicker-Interview großes Mitgefühl: „Es war eine extrem schwierige Situation für David. Er konnte in dem Spiel machen, was er wollte, aber er wird dieser Situation ausgesetzt werden.“
Der Rückraumspieler wies darauf hin, sich immer wieder bewusst zu machen, dass manche Dinge im Sport schlicht nicht kontrollierbar seien.