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"Ein Gott auf dem Olymp": Real-Flop blüht wieder auf

Abseits des Trubels blüht er auf

Nach seinem Wechsel zu Real Madrid geriet die Karriere von Luka Jovic ins Stocken. Nun hat sich der Angreifer gefangen – fernab der ganz großen Bühne.
Luka Jovic blüht in Athen wieder auf
Luka Jovic blüht in Athen wieder auf
© IMAGO/One Inch Productions
Nach seinem Wechsel zu Real Madrid geriet die Karriere von Luka Jovic ins Stocken. Nun hat sich der Angreifer gefangen – fernab der ganz großen Bühne.

Als Luka Jovic im Sommer 2019 Eintracht Frankfurt verließ, um zu Real Madrid zu wechseln, wirkte dies wie die logische Fortsetzung seines kometenhaften Aufstiegs. Schließlich hatte der Serbe 27 Tore in einer Saison erzielt und Europa-League-Abende voller Jubel und Glücksmomente erlebt. Und doch begann für ihn bei den Königlichen eine andere Geschichte als viele erwartet hatten: eine des Stillstands. Eine Story, die von Zweifeln geprägt war.

Jovics Karriere geriet zwischen den Erwartungen eines Weltklubs und dem eigenen Anspruch ins Stocken. Der Rückblick auf diesen Transfer erzählt daher nicht nur von einer Umstellung, sondern auch davon, wie schnell ein steiler Aufstieg ins Wanken geraten kann.

Denn danach trat Jovic nirgendwo mehr überzeugend in Erscheinung – weder in Madrid noch bei seiner kurzen Rückkehr nach Frankfurt, auch nicht bei seinen Stationen in Florenz und bei der AC Mailand.

Die Zahlen unterstreichen dies: Von Sommer 2019 bis Sommer 2025 erzielte der serbische Stürmer nur 33 Pflichtspieltore. Das sind lediglich sechs mehr als zu seinen besten Zeiten in Hessen während einer einzigen Spielzeit.

Ein Wechsel nach Griechenland bringt die Wende

Es schien, als könne Jovic seine Karriere gar nicht mehr in Schwung bringen. Zumindest bis jetzt. Bis ein Wechsel nach Griechenland vieles veränderte. Zur Saison 2025/26 schloss sich der 28-Jährige AEK Athen an – und fand nach schweren Jahren endlich zu alter Stärke zurück.

Jovic liefert jedenfalls: In seinen ersten 37 Einsätzen für den griechischen Hauptstadtklub kommt er auf 20 Treffer und zwei Vorlagen. Eine besondere Sternstunde erlebte er Mitte Januar im Derby gegen Panathinaikos, als er beim 4:0-Erfolg alle vier Tore selbst erzielte.

Solche Abende wirken nach – auf das Selbstvertrauen eines Profis ebenso wie auf die Statik einer Mannschaft. AEK profitiert davon spürbar: In der Liga rangiert das Team knapp vor Olympiakos Piräus und PAOK Saloniki an der Spitze, zudem steht es im Viertelfinale der Conference League.

Im vergangenen Sommer war Jovic kurz vereinslos

Langsam, aber sichtbar findet der Angreifer in Athen zu seinem Lächeln zurück. „Ich wollte mich von den fünf großen Ligen distanzieren. Ich war mental etwas erschöpft und wollte mich in eine ruhigere Umgebung zurückziehen. Zum ersten Mal in meiner Karriere war ich vereinslos und wollte sichergehen, dass ich mich nicht im Verein irre“, sagte Jovic zuletzt im Gespräch mit Mozzart Sport über die schwierige Phase, als er im vergangenen Sommer plötzlich ohne Vertrag dastand. Auch, weil sich eine andere Option zerschlug.

Eigentlich hatte Jovic nach seinem Ende in Mailand bereits die Koffer gepackt, um bei der Rückkehr von Real Oviedo in die höchste spanische Spielklasse als Star-Neuzugang zu dienen.

Der Torjäger, 2019 immerhin für 63 Millionen Euro aus Frankfurt nach Madrid gewechselt, war ein ausdrücklicher Wunsch des damaligen Trainers Veljko Paunovic, der mittlerweile an der Seitenlinie der serbischen Nationalmannschaft coacht. Doch dann kam es plötzlich zu einer Wendung.

Jovic-Rückkehr nach Spanien platzte

„Ich habe damals gesagt, dass er viel zu teuer war und mir nicht gefiel. Es wäre Wahnsinn gewesen – das hätte bedeutet, den Verein erneut zu verpfänden. Einen Spieler zu holen, der 30 oder 40 Prozent der Gehaltsobergrenze beansprucht, konnten wir uns nicht leisten“, erklärte Jesús Martínez, Hauptaktionär von Oviedo.

Jovic kehrte also nicht nach Spanien zurück, sondern zog nach Athen weiter. Der Start aber fiel ihm schwer: Ohne Vorbereitung musste er erst seine Form finden. Mittlerweile aber liegt er in der Torjägerliste nur noch einen Treffer hinter dem Führenden, Ayoub El Kaabi von Olympiakos.

Kurioserweise misst Jovic seinen derzeit starken Zahlen selbst keine allzu große Bedeutung bei. „Ich gehöre nicht zu denen, die nur darauf aus sind, Tore zu schießen. Ich bin kein Spieler, der im Strafraum wartet, sondern ziehe es vor, mich ins Spiel einzubringen. Bei früheren Vereinen haben mich manche Trainer nicht so gesehen, und das hat mir nicht gefallen. Ich stehe nicht gerne nur im Strafraum und warte darauf, dass ein Ball zu mir kommt. Ich spiele lieber etwas weiter hinten“, betonte der Serbe. Das klappt offenbar wieder deutlich besser.

In Athen wird Jovic gefeiert

„Seit ich zu AEK Athen gekommen bin, habe ich gespürt, dass dies ein Verein ist, bei dem ich etwas Wichtiges, etwas Großes erreichen kann – etwas, das in die Geschichte eingehen wird“, schwärmte Jovic von seinem neuen Arbeitgeber. Kein Wunder, die Fans haben ihn längst ins Herz geschlossen.

„Ich danke den Anhängern für ihre unermüdliche Unterstützung. Oft höre ich meinen Namen auf den Tribünen, und das ist immer ein besonderes Gefühl“, sagte er weiter. Die spanische Marca titelte jüngst gar: „Jovic ist ein Gott auf dem Olymp“ – und das nicht ohne speziellen Anlass.

Am Freitag steht nun mit leichter Verspätung doch noch eine Rückkehr auf die iberische Halbinsel an. Mit der serbischen Nationalmannschaft reist Jovic ins Estadio de la Cerámica nach Villarreal, um gegen Spanien (21 Uhr) zu testen. Viele Augen werden dann auf ihn gerichtet sein: Auf den Spieler, der einst mit hohen Vorschusslorbeeren aus Frankfurt nach Madrid wechselte und anschließend so weit hinter den Erwartungen zurückblieb.