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Einst ein Topklub, nun droht die Drittklassigkeit

„Desaster“ für Traditionsklub

Nur sechs Klubs in Spanien können noch mehr Erfolge vorweisen als Real Saragossa. Aber die glorreichen Zeiten liegen lange zurück. Nun droht dem Traditionsklub der Absturz in die dritte Liga.
Enttäuschung bei Kapitän Francho Serrano
Enttäuschung bei Kapitän Francho Serrano
© IMAGO/NurPhoto
Nur sechs Klubs in Spanien können noch mehr Erfolge vorweisen als Real Saragossa. Aber die glorreichen Zeiten liegen lange zurück. Nun droht dem Traditionsklub der Absturz in die dritte Liga.

Für seinen Hilferuf hatte sich José Manuel Fábregas extra in Schale geworfen. In einem alten weißen Trikot mit markantem blauen Kragen zeigte er eine Reminiszenz an die glorreichen 90er-Jahre seines Klubs – während er über die triste Realität seines Herzensvereins sprach.

José Manuel Fábregas ist Präsident des Fanverbands von Real Saragossa. Und Ende Februar wandte er sich in der Cope-Sendung „El Partidazo“ mit einem Hilferuf an die Zivilgesellschaft Aragoniens, der Heimat seines Klubs. „Es ist ein komplettes Desaster und die Fans wissen nicht mehr weiter“, sagte Fábregas.

Nur noch ein Wunder könne den Absturz in die dritte Liga verhindern, fügte er hinzu und umriss die aktuelle Misere: „Wir haben keinen Präsidenten, niemand übernimmt Verantwortung, und die sportliche Leitung stammt von Atlético Madrid.“

Fanproteste gegen Präsident Mas Santos – dem auch Messis Inter Miami gehört

Gleichwohl gibt es einen Präsidenten: Jorge Mas Santos. Der US-Milliardär ist auch Mehrheitseigner von Inter Miami. Doch vom Glanz des MLS-Teams um Superstar Lionel Messi kommt im Norden Spaniens nicht viel an.

Stattdessen gingen die Anhänger in Saragossa schon gegen ihren Präsidenten auf die Straße. Im Oktober vergangenen Jahres hing ein Protestbanner im Stadtpark mit der Aufschrift: „Real Zaragossa ist kein Farmteam von irgendjemandem.“

Der Verein blickt auf eine schillernde Vergangenheit zurück. 1992/93 trug sogar der deutsche Weltmeister Andreas Brehme, der mit seinem verwandelten Elfmeter 1990 das DFB-Team im Finale gegen Argentinien zum Titel schoss, für ein Jahr das Trikot von Real Saragossa.

Real Saragossa: Europapokalsieger von 1995, sechsmal spanischer Pokalsieger

Den größten Erfolg feierten „Los Blanquillos“ 1995 mit dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger. Im Finale bezwang Saragossa den FC Arsenal mit 2:1 nach Verlängerung.

Nur sechs Klubs in Spanien können einen reicheren Trophäenschrank vorweisen: Sechsmal gewann Real Saragossa die Copa del Rey, der letzte Triumph liegt zwölf Jahre zurück.

2014 drohte dem Verein wegen rund 113 Millionen Euro Verbindlichkeiten gar die Auflösung. Der große Schuldenberg konnte in der jüngeren Vergangenheit zwar abgebaut werden, doch sportlich schaffte es der Klub nicht mehr, an frühere Erfolge anzuknüpfen.

Während die Abstiege aus La Liga 2002 und 2008 mit dem direkten Wiederaufstieg schnell korrigiert werden konnten, hält der Abschied von der Erstklassigkeit aus dem Jahr 2013 bis heute an. Dabei rangiert der Verein noch immer auf Platz zehn der ewigen Tabelle der Primera División. Alles Vergangenheit.

Stadion wird für die WM 2030 neu gebaut

So wie das altehrwürdige Stadion „La Romareda“, das 2024 abgerissen wurde. Für die WM 2030 wird es neu errichtet. Über 40.000 Zuschauern soll es Platz bieten, wenn es planmäßig 2028 fertiggestellt wird. Bekommen die Fans dann nur drittklassigen Fußball zu sehen?

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Am 18. März feierte Real Saragossa den 94. Jahrestag seiner Gründung – doch viel Grund zum Feiern gibt es aktuell nicht. Die sportliche Realität ist ernüchternd: In der zweiten spanischen Liga steht der Klub auf Platz 20, dem drittletzten Rang. Letztmals stand man am 4. Spieltag über dem Strich.

Der Abstand zum rettenden Ufer beträgt nach der 1:2-Niederlage bei Aufstiegskandidat Deportivo La Coruna am Wochenende sechs Punkte. Nur noch elf Spiele verbleiben, um den Absturz in die Drittklassigkeit doch noch zu verhindern. Mit nur 27 Toren nach 31 Spielen stellt Saragossa jedoch die schwächste Offensive der Liga.

„Real Saragossa war angeschlagen, aber nicht tot“

Für neue Hoffnung sorgte zuletzt der neue Trainer David Navarro, der Anfang März übernahm und damit schon der vierte unterschiedliche Coach in dieser Saison ist. Immerhin: Er startete mit zwei Siegen und auch bei der unglücklichen Niederlage in A Coruna am Samstag war seine Mannschaft lange mindestens ebenbürtig.

„Wir dürfen den Ballon weder platzen lassen, noch ihn künstlich aufblasen, damit er explodiert“, beschrieb Navarro in Metaphern die aktuelle Gratwanderung: „Ich habe versucht, neue Wege zu gehen und mich auf die emotionale Komponente zu konzentrieren. Ich wollte die Spieler befreien, denn Emotionen sind ansteckend.“

Seine väterliche Art kommt bei den Spielern an, das bestätigte auch Kapitän Francho Serrano kürzlich bei Aragón TV: „Seine Worte ermöglichen es uns, sie auf dem Platz umzusetzen und alles zu geben. Wir glauben es nicht mehr nur, weil wir es denken, sondern weil wir es beweisen. Real Saragossa war angeschlagen, aber nicht tot.“

Die Wiederbelebung des Traditionsklubs hat erst begonnen, als der Patient schon längst im Koma lag. Aber über den Berg ist er noch lange nicht.

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