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Der seltsame Fall eines früheren Weltfußballers

Der seltsame Fall Ronaldinho

Kaum ein Fußballer hat jemals so begeistert wie Ronaldinho. Doch so einmalig seine Karriere war, so speziell ist auch die Zeit danach: Wilde PR-Gags, politische Fehltritte und eine Haftstrafe in Paraguay. Heute feiert "Gaúcho" seinen 46. Geburtstag.
Obwohl sich Brasiliens Superstar Neymar zuletzt Hoffnungen auf eine Nominierung machte, wurde er von Nationaltrainer Carlo Ancelotti für die anstehenden Länderspiele nicht berufen.
Kaum ein Fußballer hat jemals so begeistert wie Ronaldinho. Doch so einmalig seine Karriere war, so speziell ist auch die Zeit danach: Wilde PR-Gags, politische Fehltritte und eine Haftstrafe in Paraguay. Heute feiert "Gaúcho" seinen 46. Geburtstag.

Für viele Fans weltweit ist Ronaldo de Assis Moreira der begnadetste Fußballer, der jemals einen grünen Rasen betreten hat. Weltfußballer 2004 und 2005, Champions-League-Sieger mit dem FC Barcelona 2006 und Weltmeister mit Brasilien 2002 – Ronaldinho, so kennen ihn die meisten, hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Er wurde zum Vorbild ganzer Generationen, von den Favelas in Rio de Janeiro bis zu den Ascheplätzen in Ostwestfalen.

Als Spieler schien Ronaldinho immer ein klein wenig über den Dingen zu schweben. Der Ball gehorchte ihm ehrfürchtig, Ronaldinho tat mit ihm, was er wollte, streichelte ihn – und sah dabei stets so elegant aus, als würde er am malerischen Praia Grande von Sao Paulo in den Sonnenuntergang tänzeln.

An diesem Samstag feiert der Brasilianer seinen 46. Geburtstag – und mit ihm sicher viele Fans weltweit. Doch der einstige Glanz, der Ronaldinho zu seiner aktiven Zeit umgab, ist seit seinem Karriereende 2018 ziemlich verstaubt, was nicht zuletzt an einigen Skandalen liegt, die er in den vergangenen Jahren auslöste, für kurze Zeit saß „Gaúcho“ sogar im Gefängnis.

So brillant der Fußballer Ronaldinho stets war, so seltsam und undurchsichtig erscheint der Mensch.

Dokumentenfälschung, Geldwäsche, Betrug: Gaúcho saß in Haft

Seit Ronaldinho im Sommer 2015 bei Fluminense sein letztes Spiel im Klubfußball bestritten hatte, machte der Flügelspieler vor allem abseits des Fußballs Schlagzeilen: 2018 etwa, als ihm und seinem Bruder Roberto die Reisepässe entzogen worden, nachdem die beiden Umweltschäden in Höhe von 2,25 Millionen Euro verursacht und diese nicht bezahlt hatten. Sie hatten mitten im Naturschutzgebiet einen Steg zum Angeln errichtet.

Im März 2020 versuchte Ronaldinho dann mit einem gefälschtem Reisepass, seinen eigenen hatte er ja nicht mehr, nach Paraguay einzureisen, um eine Werbekampagne für ein Gesundheitsprojekt zu unterstützen. Doch der Schwindel flog auf, Ronaldinho wurde wegen Dokumentenfälschung verhaftet und verbrachte seinen 40. Geburtstag im Gefängnis.

Nach gut einem Monat kaufte er sich für eine Kaution von knapp 1,6 Millionen Euro frei und verbrachte seine übrige Haftzeit gemeinsam mit seinem Bruder im „Hausarrest“ – für 350 Euro pro Nacht in einem Luxushotel. Es war der Tiefpunkt von Ronaldinhos seltsamem Absturz.

Im Zuge seiner Verhaftung waren damals auch 15 weitere Personen festgesetzt worden, die mit dem Brasilianer in Verbindung gestanden haben sollen. „Es handelt sich um eine schwere Straftat gegen die Interessen der Republik“, sagte die damalige Richterin Clara Ruiz Díaz.

Es ging um ein Netz aus Geldwäsche, Betrug und Drogenhandel. Insgesamt 400 Millionen US-Dollar soll die Hauptverdächtige, Dalia Lopez, so umgesetzt haben. Sie war es auch, die dem Fußballer die gefälschten Pässe für Paraguay besorgt und ihn zur Werbekampagne eingeladen hatte.

Lopez konnte flüchten und wurde per internationalem Haftbefehl gesucht, bis heute ist ihre Beziehung zu Ronaldinho nicht vollends geklärt.

Ronaldinho unterstützt Rechtspopulisten

Eingefädelt hatte diesen seltsamen Paraguay-Besuch wie so oft Ronaldinhos älterer Bruder Roberto, der auch sein Manager ist. Seit Jahren zerrt er den ehemaligen Weltfußballer durch die Werbestudios dieser Welt, kaum ein PR-Auftrag scheint für Ronaldinho zu obskur. Mal kickte er in Indien in einer Halle, dann nahm er in Saudi-Arabien an einer TV-Show teil oder bewarb seine eigene Krypto-Währung „18kRonaldinho“.

In Brasilien bleibt Ronaldinho trotz all dieser krummen Geschäfte weiter ein Heiliger, ein Künstler am Ball, den es zu verehren gilt. Doch selbst dieser Heiligenschein bekam Risse, als Ronaldinho 2018 begann, den als Rechtspopulist geltenden Jair Bolsonaro öffentlich zu unterstützen, der anschließend bis 2023 brasilianischer Präsident war und in der Bevölkerung viele Feinde hatte. Bis heute nehmen ihm das viele Brasilianer übel.

Unter der Bolsonaro-Regierung wurde Ronaldinho sogar zum „Sonderbotschafter“ des Tourismusministeriums ernannt. Blöd nur, dass er da gerade keinen Reisepass mehr hatte.

Neue Doku: Ronaldinho kommt zu Streaming-Riesen

Natürlich kann Ronaldinho dem Fußball nie ganz den Rücken kehren – seit kurzer Zeit steht er als Team-Manager in der US-Ausgabe der Kleinfeldliga „Baller League“ an der Seitenlinie. Das erste Spiel der neuen Saison gewannen Ronaldinhos „Midnight Wizards“ am Donnerstag mit 3:0. Trainer kann er also auch noch. Gelegentlich kickt der 46-Jährige auch noch im Legenden-Team vom FC Barcelona mit, natürlich noch immer mit Stirnband.

2001 war der Brasilianer von Porto Alegre zu Paris-Saint-Germain gewechselt. 2003 folgte der Schritt nach Barcelona, wo Ronaldinho jahrelang zu den besten Spielern der Welt gehörte. Doch sein sportlicher Fall begann schon relativ früh.

Bereits mit 30 Jahren kehrte er in seine Heimat zurück, ihm wurde oft nachgesagt, dass seine fehlende Disziplin ihm eine Karriere wie die eines Lionel Messi verbaut habe. Doch er wollte einfach nur spielen. Denn „nur spielen“ konnte keiner so gut wie er. Ronaldinho arbeitete Fußball nie. Die Eleganz war sein bester Mitspieler – das verkauft sich bis heute gut.

Am 16. April erscheint auf der Streaming-Plattform Netflix die Dokumentation „Ronaldinho Gaúcho“. Was der Titel an Kreativität vermissen lässt, holt die Beschreibung wieder raus: „Van Gogh liebte Gelb nur, weil er das Weiß von R10’s Lächeln nicht kannte.“ Sein Lächeln hat Ronaldinho auch 2026 nicht verloren.

Fast täglich grinst er seine 78 Millionen Instagram-Follower an – in Werbeclips, auf Urlaubsfotos oder bei alten Highlights seiner Karriere, die er seinen Fans wieder in Erinnerung ruft. Als würden sie sonst vergessen können, was für ein genialer Fußballer Ronaldinho war.