Für dieses Aufstiegsfinale gibt es eigentlich nur ein Wort: episch! In der fünften englischen Liga spielten sich im Kampf um den Aufstieg in den Profifußball schlicht unfassbare Szenen ab. „Der dramatischste Aufstieg jemals!“, titelte die Daily Mail.
Episches Aufstiegs-Chaos in England
„Der dramatischste Aufstieg jemals“
Klar war an einem chaotischen letzten Spieltag eigentlich nur die Ausgangslage: Spitzenreiter York City und Verfolger AFC Rochdale standen sich im direkten Duell gegenüber. Nur mit einem Sieg hätten sich die Hausherren aus Rochdale den Titel und den direkten Sprung in Liga vier gesichert.
Doch bis tief in die Nachspielzeit hielt York die Null, bis zur 95. Minute sahen sie in einem Duell, das die ganze Saison geprägt hatte, wie der Sieger aus. Dann kam Emmanuel Dieseruvwe.
Chaos pur in England: Platzsturm und Schläge
Mit einem Kopfball ließ er die Crown Oil Arena explodieren. Auf dem Platz und auf den Rängen gab es nach dem erlösenden 1:0 kein Halten mehr, die Heimfans fluteten den Rasen. Das Problem: Es waren noch rund 65 Sekunden auf der Uhr.
Sechs lange Minuten dauerte die Unterbrechung, bis die euphorisierten Fans von Ordnern wieder auf die Tribünen zurückgedrängt werden konnten. Chaos pur! Im Netz kursierende Videos machen das ganze Ausmaß der Tumulte deutlich: Zu sehen war ein Mann – offenbar ein Rochdale-Fan – der mit Hiram Boateng einen York-Spieler zu Boden gebracht hatte.
Als ein Ordner helfend eingriff, kam Boateng wieder auf die Füße – und verpasste seinem Angreifer einen Faustschlag ins Gesicht.
Vermutlich gleichzeitig versuchte Yorks Trainer Stuart Maynard, seine Mannschaft noch einmal um sich zu versammeln und auf die finalen Sekunden einer irren Saison einzuschwören. 96 Punkte hatten seinem Team in der vergangenen Spielzeit nicht zum Aufstieg gereicht, jetzt hatte man schon 107 Zähler auf dem Konto – und drohte wieder zu scheitern.
Es kam, wie es kommen musste
Als endlich wieder angepfiffen wurde, kam es, wie es kommen musste: In der mittlerweile 13. Minute der Nachspielzeit segelte noch eine Flanke in den Strafraum der Gastgeber.
Ein Kopfball, eine Parade, ein Nachschuss von Josh Stones und eine neuerliche Parade von Rochdale-Torhüter Ollie Whatmuff – allerdings wohl hinter der Torlinie. Ausgleich in letzter Sekunde, York war Meister. Rochdale muss in die Playoffs.
In der fünften englischen Liga gibt es keinen VAR und keine Torlinientechnologie, die wohl korrekte Entscheidung der Schiedsrichter hatte Bestand – die letzte Pointe in einem atemberaubenden Finale war perfekt. Und nun waren es die York-Fans, die zum Platzsturm ansetzten.
Vielleicht hatte die chaotische Spielunterbrechung den Gästen sogar geholfen, meinte York-Coach Maynard später: „Das gab uns Zeit zum Nachdenken. Wir blieben alle draußen und gingen zur Spielerbank. Callum Howell, unser Kapitän, sagte: ‚Chef, es gibt noch eine große Chance für uns‘ – und so war es auch! Wir haben einfach alle bis auf den Torwart nach vorne geschickt.“
York-Held genießt die Revanche
York Citys Held Stones fasste die Achterbahnfahrt so zusammen: „Hätten wir 0:1 verloren, hätte ich tagelang kein Auge zugetan. Jetzt werde ich tagelang kein Auge zutun – aber aus positiven Gründen.“
Er habe sich während des ersten Platzsturms „den ganzen Mist von ihren Fans anhören müssen, der mir ins Gesicht geschleudert wurde, deshalb war es schön, mich revanchieren zu können. Es war verrückt, das Verrückteste, was ich je erlebt habe.“ Man könnte auch sagen: episch!