Int. Fußball>

Dieser Deutsche hat einen abgestürzten Traditionsklub wiederbelebt

Er lässt die Rangers wieder träumen

Als Danny Röhl im Oktober den taumelnden schottischen Topklub Glasgow Rangers übernimmt, scheint der Titel unrealistisch. Doch der einstige Schattenmann von Hansi Flick hat Bemerkenswertes geschafft.
Danny Röhl hat mit den Glasgow Rangers einen Lauf
Danny Röhl hat mit den Glasgow Rangers einen Lauf
© IMAGO/Shutterstock
Als Danny Röhl im Oktober den taumelnden schottischen Topklub Glasgow Rangers übernimmt, scheint der Titel unrealistisch. Doch der einstige Schattenmann von Hansi Flick hat Bemerkenswertes geschafft.

Der Glaube ist zurück, auch die Fans der Glasgow Rangers verbreiten Zuversicht. „Keep Believing“, prangte auf einem Banner im Block nach dem spektakulär wilden 6:3-Erfolg in Falkirk am vergangenen Wochenende.

Sechs Monate ist es her, da dachten wohl nur die kühnsten Optimisten noch an einen Titelgewinn des schottischen Rekordmeisters. Nach einem katastrophalen Saisonstart mit nur einem Sieg aus den ersten acht Spielen fanden sich die Rangers plötzlich in den Niederungen der Premiership wieder.

Die Stimmung war aufgeheizt, der damalige Coach Russell Martin musste Anfang Oktober das Stadion nach einem 1:1 in Falkirk unter Polizeischutz verlassen. Kurz darauf zog der Klub die Reißleine und engagierte Danny Röhl als Nachfolger, nachdem Fanliebling Steven Gerrard doch noch abgesagt hatte.

Röhl lässt Rangers träumen: „Er hat das Schiff auf Kurs gebracht“

Als der frühere Assistent von Hansi Flick erstmals an der Seitenlinie stand, betrug der Rückstand der Rangers auf das Überraschungsteam Heart of Midlothian an der Spitze 13 Punkte. Mittlerweile ist der Vorsprung auf einen mageren Punkt geschmolzen. Und plötzlich träumen die Rangers sogar wieder vom Titel. Auch dank Röhl.

„Er ist gekommen und hat das Schiff wieder auf Kurs gebracht“, wurde Kapitän James Tavernier bei The Scotsman zitiert. „Er hat den Jungs Ruhe verliehen, was ebenfalls geholfen hat. Jeder hat sich in dieser Saison wirklich weiterentwickelt.“

Von Beginn an habe enormer Wirbel geherrscht, resümierte Tavernier. „Bei den Rangers gibt es einfach keine Atempause oder einen Moment zum Durchatmen. Man wird direkt ins kalte Wasser geworfen. Ich hatte das Gefühl, dass viele neue Spieler, vor allem die jungen, diese Last vielleicht besonders stark zu spüren bekamen.“

Rangers-Offensive ist das Prunkstück

Wie beispielsweise Königstransfer Youssef Chermiti, der im Sommer für über acht Millionen Euro vom FC Everton kam, aber nicht auf Anhieb funktionierte. Unter Röhl wurde Chermiti zum Toptorjäger der Rangers – insbesondere in den Topspielen. Acht seiner elf Tore in der Premiership erzielte er in den Partien gegen die Hearts und den Stadtrivalen Celtic.

Ein Trumpf, der den Rangers in der nun beginnenden Meisterrunde der Liga, in der die Top Sechs der Tabelle den Titel ausspielen, in die Karten spielen könnte. Zumal sich der 21 Jahre alte Juniorennationalspieler Portugals beim eingangs erwähnten 6:3-Spektakel nach 0:2-Rückstand mit einem Doppelpack ebenfalls treffsicher präsentierte.

Generell ist die Offensive das Prunkstück der Rangers, 66 Tore in 33 Spielen sind Ligabestwert. „Drei Spiele in Folge mit insgesamt 14 Toren zeigen, wie wir spielen wollen. Das ist das Ergebnis der letzten Monate und Wochen. Ich versuche, meiner Mannschaft Ruhe und Selbstvertrauen zu vermitteln“, sagte Röhl nach dem Erfolg in Falkirk. In der Liga holte er mit seinem Team 60 von 75 möglichen Punkten.

Röhl als „Daddy Cool“ bei Sheffield gefeiert

Auf der Insel hat sich der 36 Jahre alte gebürtige Zwickauer mit seinem Engagement bei Sheffield Wednesday bereits einen Namen gemacht. In der Saison 2023/24 führte Röhl den mittlerweile wieder tief gefallenen Traditionsklub vom Tabellenende der englischen Championship noch zum Klassenerhalt. Im Zuge des Erfolgs dichteten die Fans „Daddy Cool“ von Boney M auf Danny Röhl um.

Seine aktive Laufbahn musste Röhl mit Anfang 20 aufgrund eines Kreuzbandrisses beenden. Abseits des Platzes begann er als Videoanalyst bei RB Leipzig. Der studierte Sportwissenschaftler arbeitete später in dieser Funktion unter Ralf Rangnick bei den Profis, ehe er 2016 zum Co-Trainer von Ralph Hasenhüttl aufstieg.

Der Österreicher nahm seinen Assistenten im Dezember 2018 mit zum FC Southampton. Auf Initiative des damaligen Bayern-Trainers Niko Kovac landete Röhl im Sommer 2019 beim deutschen Rekordmeister. Nach 15 Spielen unter dem Kroaten arbeitete er dann im Trainerteam von Hansi Flick. In der Triple-Saison 2020 mauserte sich Röhl zum wichtigen Mann hinter Flick, den er später auch zum DFB begleitete.

Als Flick-Assistent geriet auch Röhl in die Kritik

Nach dem Debakel bei der WM 2022 wurde aber auch Röhl zur Zielscheibe der Kritik. „Ich glaube, dass Flick bei der WM verrückt gemacht wurde von seinem Co-Trainer-Studenten, der ihn mit dem iPad permanent abgelenkt hat“, ätzte der bekennende Laptoptrainer-Skeptiker Mehmet Scholl 2024: „Da hat Hansi so ein bisschen den Überblick verloren, weil er dem falschen Mann vertraut hat.“

Als Cheftrainer hat Röhl die Kritiker verstummen lassen. Zunächst in Sheffield und – nachdem er im vergangenen Sommer zwischenzeitlich auch bei RB Leipzig gehandelt wurde – nun auch in Glasgow.

Als Krönung winkt den Rangers sogar die erste Meisterschaft seit fünf Jahren. Röhl gibt sich selbstbewusst: „Meine Mannschaft hat die Qualität, den Kampfgeist, das Selbstvertrauen und die Mentalität, um bis zum Ende durchzuhalten.“

Abonniere den Fußball-Newsletter und bleib immer am Ball! Alle Tore, Transfers und News aus den internationalen Top-Ligen direkt in dein Postfach