Einst dominierte der Grasshopper Club Zürich den Fußball in der Schweiz nach Belieben, jetzt droht der Traditionsverein erneut im Chaos zu versinken.
Chaos bei Traditionsklub - und zwei Bayern-Spieler mittendrin
Traditionsverein versinkt im Chaos
Eine bisher unterirdische Saison fand am vergangenen Wochenende einen negativen Höhepunkt. Die Grasshopper unterlagen im Halbfinale des Schweizer Pokals mit 0:2 beim Zweitligisten Lausanne-Ouchy.
Damit verpasste es der Rekordmeister und Rekord-Pokalsieger, die Stimmung im Verein zumindest ein bisschen aufzubessern. Denn aktuell könnte diese wohl kaum schlechter sein.
In der Liga droht erneut der Abstieg in die zweite Liga. Fünf Spieltage vor dem Saisonende steht Grasshopper auf dem Relegationsplatz. Bei sieben Punkten Rückstand ist der vorzeitige Klassenerhalt nur noch theoretisch möglich.
Grasshopper-Fans randalieren nach Pokal-Aus gegen Zweitligisten
Zumindest direkt absteigen wird der Traditionsverein, der in der sogenannten Relegation Group um die letzten Saisonpunkte kämpft, wohl nicht. Auf das Schlusslicht FC Winterthur hat man acht Punkte Vorsprung, und nur der Letzte verabschiedet sich direkt. Die Nerven liegen in Zürich trotzdem blank. Das zeigte sich auch rund um das Pokal-Aus.
Nach dem zweiten Gegentor begannen die Fans zu randalieren. Aus Frust warfen sie Pyrotechnik aufs Spielfeld. Die Partie stand zwischenzeitlich sogar vor dem Abbruch.
Trotz des extrem vereinsschädigenden Verhaltens versuchte Sportchef Alain Sutter, die Wogen zu glätten. Die Randale seien „sicher etwas, das nicht auf den Fußballplatz gehört“, sagte der ehemalige Spieler des FC Bayern. Er könne den Frust und die Wut der Fans aber verstehen, meinte der heute 58-Jährige, der in der Saison 1994/95 22 Bundesliga-Spiele für die Münchner bestritten hatte.
„Ich habe ein großes Verständnis für die Enttäuschung. Das ist auch klar. Sie haben viele Hoffnungen gehabt, es hat sich viel angestaut“, sagte Sutter im SRF weiter. Dass er die Aktion nicht komplett verurteilt, zeigt auch, wie schwer die Gratwanderung in Zürich gerade ist. Sutter weiß, dass er die emotionalen Fans nicht verlieren darf, wenn die Katastrophe des erneuten Abstiegs verhindert werden soll.
Sportchef Sutter will mit „zwei blauen Augen“ davonkommen
Schon in der Saison 2017/18 hatte der Rekordmeister diese Katastrophe erlebt. Zum ersten Mal nach 70 Jahren stieg man damals wieder in die zweithöchste Schweizer Liga ab. 2021 gelang der Wiederaufstieg, jetzt könnte es wegen einer verkorksten Kaderplanung von Sutter erneut nach unten gehen.
Der zeigte sich nach dem Pokal-Aus sehr selbstkritisch: „Wir sind nicht gut genug gewesen. Wenn man die ganzen 90 Minuten anschaut, dann ist Lausanne besser gewesen und hat verdient gewonnen. Lausanne spielt eine gute Saison, wir spielen eine ganz schlechte Saison, sind nicht wirklich in einer positiven Spirale drin.“
„Am Schluss bin ich auch dafür verantwortlich. Viele Entscheidungen wurden getroffen, ob das die Transfers im Sommer, die Transfers im Winter waren und auch der Trainerwechsel (von Gerald Scheiblehner auf Gernot Messner, Anm. d. Red.) – das war auch meine Entscheidung. Und da stehe ich definitiv in der Verantwortung“, erklärte Sutter weiter.
Jetzt ginge es nur noch darum, „dass wir zusammenstehen, jetzt diesen nächsten Nackenschlag verarbeiten“ und in dieser Saison irgendwie mit „zwei blauen Augen“ davonzukommen.
Grasshoppers könnten für Relegation kein Stadion haben
Um die Katastrophe zu verhindern, werden die Grasshopper sich sehr wahrscheinlich in der Relegation durchsetzen müssen (Der Abstand auf Platz zehn beträgt sieben Zähler). Doch auch hier gibt es schon Probleme, bevor überhaupt der Ball rollt.
Denn das Rückspiel in der Relegation, in dem der Erstligist in der Schweiz Heimrecht hat, könnte der Rekordmeister nicht im heimischen Letzigrund-Stadion austragen. Am 23. Mai ist das Stadion durch ein Metallica-Konzert belegt.
Auch das bislang favorisierte Ausweichstadion in Lugano ist keine Option mehr. Denn die Tessiner Kantonspolizei hat wegen Sicherheitsbedenken ihr Veto gegen die Austragung eines möglichen Relegationsspiels im Cornaredo-Stadion eingelegt. Als Grund nannte sie explizit die bereits erwähnten Ausschreitungen beim Pokal-Halbfinale der Grasshoppers in Lausanne.
Somit bleibt als letzte Alternative nur noch der Tausch des Heimrechts. Am 20. Mai, an dem das Hinspiel angesetzt ist, wäre der Letzigrund frei. Für einen Tausch müsste aber der Gegner, aktuell wohl der FC Aarau, zustimmen.
Zwei Bayern-Talente mittendrin im Chaos
Mittendrin im aktuellen Chaos dabei sind übrigens auch zwei Offensiv-Talente des FC Bayern. Die Münchener parken, wie schon in den Jahren zuvor, auch in diesem Jahr mit Lovro Zvonarek und Jonathan Asp Jensen zwei Nachwuchsspieler in Zürich.
Hintergrund: Die Grasshoppers kooperieren mit den Bayern, seitdem deren US-Partnerverein Los Angeles FC den Schweizer Rekordmeister Anfang 2024 fast komplett übernommen hat.
Speziell der Däne Jensen ist einer der wenigen Lichtblicke der Grasshopper. In 34 Pflichtspielen kommt er auf neun Treffer und vier Vorlagen. In der Schweizer Liga ist er mit acht Treffern sogar der zweitbeste Torschütze.
Allerdings traf der 20-Jährige in den vergangenen 12 Spielen nur einmal. Ähnlich durchwachsen läuft es für Zvonarek. Der Kroate traf in 26 Pflichtspielen überhaupt nur zweimal und bereitete drei Treffer vor.
Trotzdem könnte es im Abstiegskampf ganz speziell auf die beiden jungen Bayern-Talente ankommen. Die beiden offensiven Mittelfeldspieler zählen zweifelsohne zu den talentiertesten Spielern der Grasshopper.
Auch auf sie wird es ankommen, wenn die Katastrophe beim Traditionsklub noch verhindert werden soll.