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Großer Name in der Provinz! Neustart in der 5. Liga

Von der großen Bühne in die Provinz

Jermain Defoe tritt seinen ersten Posten als Cheftrainer an. Den einstigen Premier-League-Torjäger verschlägt es in die fünfte englische Liga - in eine kleine Stadt südwestlich von London.
Jermain Defoe ist sich sicher, dass Roberto De Zerbi der richtige Trainer ist, um die Spurs vor dem Abstieg zu bewahren. Tottenham Hotspur ist in der Premier League seit 13 Spielen sieglos
Jermain Defoe tritt seinen ersten Posten als Cheftrainer an. Den einstigen Premier-League-Torjäger verschlägt es in die fünfte englische Liga - in eine kleine Stadt südwestlich von London.

Die „Cardinals Bar“ im Laithwaite Community Stadion war an diesem Mittwoch kaum wiederzuerkennen. Noch am Abend zuvor hatte der heimische FC Woking in der Conference National, der fünfthöchsten Liga Englands, Altrincham empfangen – das Spiel endete 1:1. Doch nun standen Stühle in Reihen aufgestellt, um den Mann zu sehen, der gerade den Trainerposten übernommen hatte: Jermain Defoe.

In einem schicken Anzug betrat der 43-Jährige den Raum in Woking, einer Stadt mit 63.000 Einwohnern rund 40 Kilometer südwestlich von London. Ein großer Name für einen Klub, der in seiner 137-jährigen Vereinsgeschichte nie über die 5. Liga hinausgekommen ist.

Immerhin liegt Defoe mit 163 Toren auf Platz zehn der besten Torschützen der Premier-League-Geschichte, absolvierte für West Ham United, Tottenham Hotspur, FC Portsmouth und AFC Sunderland 496 Partien in Englands Oberhaus. Daneben stehen insgesamt 57 Länderspiele und 20 Tore für die englische Nationalmannschaft sowie Teilnahmen an der WM 2010 und EM 2012 in seiner Vita.

Erste Trainerstation für Defoe

Woking ist nun die erste Trainerstation für den Engländer, Erfahrungen konnte er bereits als Spielertrainer bei Glasgow Rangers (2021/22) und in der Akademie der Spurs sammeln (2022 bis 2024). Seit gut zwei Jahren führte er Gespräche über einen möglichen Posten, bisher ohne Erfolg. „Ich habe nie gedacht: ‚Das wird schon nicht klappen‘, und wollte einfach aufgeben. So war ich eigentlich noch nie. Ich glaube, man muss immer positiv bleiben“, zeigte sich Defoe stets optimistisch.

Dann überzeugte ihn das Projekt in Woking: „Dieses Projekt und die Unterstützung, die ich von den Leuten bekomme, ist mir besonders in Erinnerung geblieben – und das, obwohl ich noch kein einziges Spiel geleitet habe“, begründete Defoe seine Entscheidung beim Einstand.

Todd Johnson, Vorsitzender beim FC Woking, erklärte, warum Defoe als neuer Trainer gewählt wurde: „Jermains Erfolge als Spieler sprechen für sich, doch was uns während des Auswahlverfahrens besonders beeindruckt hat, war seine Spielübersicht, sein Anspruch an die Mannschaft sowie sein Führungsstil und sein Ansatz bei der Spielerentwicklung.“

„Wir haben einen klaren Plan, wohin wir als Verein gelangen wollen, und wir sind überzeugt, dass Jermain der Richtige ist, um auf dem bereits vorhandenen soliden Fundament aufzubauen und uns in der nächsten Phase dieser Reise voranzubringen“, so Johnson. Aktuell steht der Verein auf Rang zehn der Tabelle.

Defoe immer noch ungeschlagen

Defoes Vorgänger Neal Ardley war am 1. März nach einer schwachen Serie entlassen worden, die den Verein aus dem Rennen um die Playoffs warf und zudem das Aus im Viertelfinale der FA Trophy (Äquivalent zum EFL-Cup, für Mannschaften aus der 5.-8. Liga, d. Red.) beinhaltete. Zwischenzeitlich hatten Interimstrainer das Amt übernommen.

„Wir müssen einfach abwarten. Er hat eine erfolgreiche Fußballkarriere hinter sich. Ich hoffe nur, dass er etwas von dieser Erfahrung nach Woking mitbringen kann“, erklärte ein Fan des Klubs, der seit 1982 regelmäßig an der Kingfield Road die Spiele verfolgt, beim Antritt Defoes.

Nach sechs Spielen lautet die Bilanz: Zwei Siege, vier Remis, ungeschlagen. Ein verheißungsvoller Einstieg in eine Saison, die für Woking und Defoe am Samstag zu Ende geht. In der kommenden Spielzeit soll dann die ganz große Erfolgsstory geschrieben werden.