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"Einer der spektakulärsten Abstürze der jüngeren Geschichte"

„Von Champions zu Versagern“

Vor zehn Jahren vollbrachte Leicester City eines der größten Wunder der Fußballgeschichte und wurde sensationell englischer Meister. Jetzt stürzt der Klub in die Drittklassigkeit ab. Die Presse reagiert.
Leicester City muss den Gang in die Drittklassigkeit antreten - zehn Jahre nach einem denkwürdigen Triumph.
Vor zehn Jahren vollbrachte Leicester City eines der größten Wunder der Fußballgeschichte und wurde sensationell englischer Meister. Jetzt stürzt der Klub in die Drittklassigkeit ab. Die Presse reagiert.

Der sportliche Absturz hatte sich über Wochen hinweg abgezeichnet, seit Dienstagabend ist er auch rechnerisch besiegelt: Leicester City spielt in der kommenden Saison drittklassig. Nach dem 2:2 gegen Hull City ist der Abstieg in die League One zwei Spieltage vor Schluss nicht mehr abzuwenden. Der Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze beträgt uneinholbare sieben Punkte – der tiefe Fall ist damit endgültig Realität. 

Besonders bitter: Erst in der Vorsaison war Leicester aus der Premier League abgestiegen, eigentlich sollte die direkte Rückkehr ins Oberhaus gelingen. Das gelang bei weitem nicht, stattdessen setzte sich die Negativspirale fort. „Eine sportliche Katastrophe“, analysierte die britische Tageszeitung Guardian deswegen und sprach von „einem der spektakulärsten Abstürze in der jüngeren Geschichte“. 

Einen solchen Fall gab es in England noch nicht oft. „Die Foxes sind erst die fünfte Mannschaft in der Ära der Premier League, die zweimal hintereinander aus der höchsten Spielklasse in die dritte Liga abgestiegen ist“, stellte The Sun fest.  Entsprechend schlecht war die Stimmung am Dienstag, wie talkSPORT berichtete: „Fans fordern den Rücktritt des Vorstands, es gibt obszöne Sprechchöre gegen die Spieler – im King Power Stadium herrscht eine vergiftete Stimmung.“ 

Leicester gewann nur eines der jüngsten 18 Ligaspiele

Bei vielen Fans ist Leicester in erster Linie mit positiven Schlagzeilen verbunden. Die Meisterschaft im Jahr 2016 gilt als die größte Sensation in der Geschichte des englischen Fußballs. 2021 folgten die Triumphe im FA Cup gegen den FC Chelsea und im englischen Supercup gegen den damaligen Meister Manchester City. Der Absturz hatte sich allerdings seit Monaten abgezeichnet. Von den jüngsten 18 Liga-Begegnungen wurde nur eine einzige gewonnen. 

Überdies war Leicester mit der Hypothek eines Sechs-Punkte-Abzugs wegen Verstößen gegen die Finanzregeln in die Saison gestartet. Teile der Fangemeinde protestieren seit geraumer Zeit gegen den Klubboss, den thailändischen Milliardär Khun Aiyawatt ‚Top‘ Srivaddhanaprabha. Andere fordern den Rauswurf von Sportdirektor Jon Rudkin oder attackieren die Spieler („Ihr seid nicht geeignet, dieses Trikot zu tragen!“).

Leicester City? „Niedergang war schon lange klar.“

Die Reaktionen sind nun mitunter heftig. „Von Champions zu Versagern“, titelte der Mirror in aller Schärfe und fügte hinzu: „Leicester City ist nur ein Jahrzehnt nach dem Gewinn der Premier-League-Meisterschaft in die League One abgestiegen, doch den Fans waren die Anzeichen für den Niedergang der ‚Foxes‘ schon lange klar.“ So blickte The Independent noch einmal auf das große Ganze zurück und fasste die Lage zusammen.

„Das Märchen vom Premier-League-Titelgewinn von Leicester City mit einer Quote von 5000:1 ist eine der großartigsten Geschichten, die der englische Fußball je gesehen hat“, schrieb die Zeitung: „Doch nur ein Jahrzehnt, nachdem Claudio Ranieris Mannschaft Geschichte geschrieben hat, werden die ‚Foxes‘ in der nächsten Saison in der League One spielen, nachdem ihr Fall aus der Championship nun besiegelt ist.“