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Kaum einer wagte zu glauben, was noch in ihm steckte

Ein märchenhafter Neustart

Sasa Kalajdzic hat in fußballerischer Hinsicht wahrhaftig die Hölle erlebt. Doch der Österreicher hat sich nicht unterkriegen lassen und hat sich wieder zurück an die Spitze gekämpft.
Sasa Kalajdzic hat eine bewegte Karriere hinter sich
Sasa Kalajdzic hat eine bewegte Karriere hinter sich
© IMAGO/Yigit Örme
Sasa Kalajdzic hat in fußballerischer Hinsicht wahrhaftig die Hölle erlebt. Doch der Österreicher hat sich nicht unterkriegen lassen und hat sich wieder zurück an die Spitze gekämpft.

Die Bühne war am Sonntagnachmittag gerade einmal rund 20 Zentimeter hoch. Das Stadion von Austria Wien war auch nicht mehr prall gefüllt. Und doch hüpfte Sasa Kalajdzic mit seinen Teamkollegen des LASK total ausgelassen und jubelnd um die Wette – aus gutem Grund.

61 Jahre nach dem legendären Double-Gewinn 1965 wiederholte der LASK die Geschichte und gewann neben dem Pokal auch die Meisterschaft in Österreich – in einer Liga, in der 14 der letzten 16 Titel an den lange übermächtigen FC Red Bull Salzburg gingen. Eine waschechte Sensation! Für Kalajdzic war es mit nun 28 Jahren allerdings auch ein ganz besonderes Happyend aus persönlicher Sicht.

Kalajdzic durchschritt tiefe Täler

„Ich bin stolz und extrem glücklich darüber“, sagte Kalajdzic nach Abpfiff bei der Kronen Zeitung. Ausgerechnet der Stürmer sorgte in den vergangenen Wochen für viele entscheidende Momente auf dem Linzer Weg zum sensationellen Double, war beim Auswärtssieg in Wien an allen Toren beteiligt. Dabei deutete bereits vieles darauf hin, dass seine Karriere ein unliebsames Ende nehmen könnte.

Denn der Torjäger hat ganz dunkle Zeiten als Profi durchlebt. Er ging regelrecht durch die Hölle eines jeden Sportlers. Los ging alles am 18. Juli 2019 mit dem ersten Kreuzbandriss beim VfB Stuttgart. Das nächste bittere Kapitel schrieb das Leben dann am 4. September 2022 mit dem zweiten Kreuzbandriss bei Wolverhampton. Beide Male kämpfte sich Kalajdzic zurück. Und dann kam der 19. Februar 2024 mit dem dritten Kreuzbandriss, als der Stürmer leihweise bei Eintracht Frankfurt spielte!

Vom Sommer 2022 bis Sommer 2026 machte er deshalb gerade einmal 21 Spiele mit vier Toren. Im Podcast „KickermeetsDAZN“ sprach der Profi vor wenigen Wochen über seinen Tiefpunkt nach der dritten schweren Verletzung: „Ich habe die Welt nicht mehr verstanden. Jetzt war es das andere Knie auch noch als vorher. Es war sehr hart. Ich hatte das Gefühl, dass es bei Frankfurt anfing, zu laufen. Ein paar Tage vorher habe ich mein erstes Tor gemacht. Es war schwer, das zu akzeptieren.“

„Ich hätte alles Geld der Welt gezahlt“

Der Stürmer aus Österreich verschwand aus dem Rampenlicht und widmete sich vollends seiner Genesung. Von Februar 2024 bis Sommer 2025 machte er kein Spiel. Die Saison 2024/2025 fand komplett ohne Kalajdzic statt – und die Sorgen wuchsen. „Vieles kannst du kaufen. Gesundheit aber nicht. Ich hätte alles Geld der Welt gezahlt, gesund zu sein.“

Und so entschied sich der zwei Meter große Kopfballexperte ganz bewusst für einen kompletten Neustart. „Ich habe nach dem dritten Mal zwei Schritte zurück gemacht. Das macht sich jetzt bezahlt, dass wir uns dann extrem Zeit gelassen haben und noch viele Extratests gemacht haben vor der Rückkehr.“

Doch auch fußballerisch wollte es der Rechtsfuß ganz anders machen. Er ließ sich von Wolverhampton vor dieser Saison nach Linz verleihen. „Vielleicht ist der LASK auf den ersten Blick rein mit Blick auf die Liga im Vergleich zu Deutschland zum Beispiel nicht das Allerattraktivste. Aber es war genau das, was ich jetzt brauche. Ich lag richtig mit dem.“

Zurück in seiner Heimat Österreich blieb die große Wende in der Karriere zunächst aus. Bis zum 20. Spieltag stand gerade einmal ein Treffer zu Buche. Doch am Ende drehte er richtig auf.

Kalajdzic dreht in Linz wieder auf

In der Meistergruppe schaffte es Kalajdzic, mit fünf Treffern und sechs Vorlagen an seine einstige Glanzform aus Bundesliga-Zeiten anzuknüpfen. Beim entscheidenden 3:0 gegen Austria Wien am letzten Spieltag legte der Stürmer zwei Tore mustergültig vor und holte einen Elfmeter heraus.

Zudem war Kalajdzic auch der Garant dafür, dass der LASK im Pokal sogar den zweiten Titel holte. Im Finale gelangen gegen Altach beim 4:2 nach Verlängerung zwei Vorlagen. Alles erinnerte zuletzt an frühere Tage als in der Saison 2020/2021 beim VfB Stuttgart satte 16 Treffer für den VfB Stuttgart zu Buche. Damals war er mit 24 Jahren in ganz Europa gefragt. Und so legte Wolverhampton auch im Sommer 2022 rund 18 Millionen Euro auf den Tisch – bevor es ganz bitter wurde.

Österreichs Teamchef Ralf Rangnick belohnte Kalajdzic nun für den großen Willen und das Durchhalten. 857 Tage lagen zwischen dem 19. und 20. Länderspiel des Stürmers für das Nationalteam. Doch im März kehrte der exakt Kalajdzic gegen Ghana beim 5:1 für zehn Minuten zurück und durfte dann auch gegen Südkorea beim 1:0 für 12 Minuten helfen.

Und darf das Stehaufmännchen sogar mit zur WM. Kalajdzic steht im am Montag verkündeten Aufgebot des ÖFB für den Wettbewerb in den USA, Mexiko und Kanada. Das nächste Kapitel einer märchenhaften Rückkehr könnte also bald folgen.

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