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"Es ist vorbei" - er erntet nur noch Mitleid

Er erntet nur noch Mitleid

Raheem Sterling kann bei Feyenoord Rotterdam nicht an die Erfolge alter Tage anknüpfen. Die Kritik am Engländer schwingt in den Niederlanden in Mitleid um, während die erhoffte Wiederbelebung des ehemaligen Wunderkinds ausbleibt.
Raheem Sterling trumpft in der Premier League und der englischen Nationalmannschaft auf. Doch dann folgt der folgenschwere Abstieg - bis heute.
Raheem Sterling kann bei Feyenoord Rotterdam nicht an die Erfolge alter Tage anknüpfen. Die Kritik am Engländer schwingt in den Niederlanden in Mitleid um, während die erhoffte Wiederbelebung des ehemaligen Wunderkinds ausbleibt.

Der Plan war klar: Spielpraxis, Selbstvertrauen, Neustart. Doch auch das Kapitel Feyenoord Rotterdam entwickelte sich für Raheem Sterling nicht zum gewünschten Befreiungsschlag.

Seit seinem ablösefreien Wechsel in die Niederlande im Februar sammelte Sterling bei acht Einsätzen nur magere 421 Spielminuten und bereitete einen Treffer vor.

Der Abgesang hat bereits begonnen. „Es ist vorbei“, erklärte der ehemalige Feyenoord-Profi und Oranje-Nationalspieler Jan Everse im Gespräch mit The Athletic unmissverständlich. „Ich hoffe, ich irre mich und habe ihn falsch eingeschätzt, aber ich glaube nicht“, schob er hinterher.

Sterling bleibt hinter den Erwartungen zurück: „Er hat Angst“

Nach der Verpflichtung von Sterling hatte Trainer Robin van Persie noch von einem „der größten Transfers der Vereinsgeschichte“ gesprochen. Feyenoord präsentierte den Engländer zudem als „Raheem the Dream“ und verlegte die Trainingseinheiten ins belgische Tubize, bis Sterling eine offizielle Arbeitserlaubnis erhielt.

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Die erhofften Leistungen, die Sterling einst zum 82-maligen Nationalspieler machten, blieben jedoch aus. Mit nur 31 Jahren scheint die Karriere eines früheren Wunderkinds stattdessen den nächsten Tiefpunkt erreicht zu haben.

„Er ist nicht fit. Wenn er drei oder vier Sprints macht, sieht man ihn 20 Minuten lang nicht mehr“, analysierte Everse – ein häufiger Gast bei Spielen seines Ex-Klubs – die Situation von Sterling: „Er ist nicht mehr explosiv. Er stolpert über seine eigenen Beine. Er zögert. Er hat Angst, Fehler zu machen.“

Ohne seine gefürchtete Geschwindigkeit aus früheren Jahren sei Sterling in Eins-gegen-Eins-Duellen oft hilflos und spiele ohne Risiko. „Er hat kein Selbstvertrauen, und das liegt daran, dass er weiß, dass er nicht mehr das tun kann, was er tun möchte“, meinte Everse.

Sterling erweckt Mitleid

„Ich empfinde Mitleid mit ihm“, führte der 72-Jährige aus. Aufgrund der finanziellen Situation von Profifußballern ein Umstand, den er selten bei sich feststelle. Bei Sterling sei dies anders, „weil er so ein fantastischer Fußballer war und ich den alten Raheem Sterling noch in meiner Erinnerung sehe. Es ist keine glückliche Ehe. Und wenn du Mitleid mit einem Spieler seiner Qualität und mit seiner Geschichte empfindest, dann weißt du, dass es vorbei ist.“

Schon im März war die Kritik an Sterling öffentlich lauter geworden. Die niederländische Fußball-Ikone Willem van Hanegem erklärte im Podcast „Willem & Wessel“ damals öffentlich: „Wenn ich an ihrer Stelle (Feyenoords Verantwortliche, Anm. d. Red.) wäre, würde ich mein Geld zurückverlangen und sagen: Geh einfach nach Hause. So einen Spieler sollte man nicht so vorführen.“

Ähnlich wie Everse kritisierte er anschließend: „Früher war er ein guter Spieler; er war noch fit und schnell, aber das ist auch alles. Wenn er mit dir zusammenstößt, fällt er um. Ist das nicht verrückt? Ihm fehlt die Schnelligkeit und wenn er den Ball hat, laufen sie einfach über ihn hinweg. Das ist sinnlos.“

Vom Wunderkind zum Bankdrücker

„Das Spiel wirkte wie Sterlings Abschied von Rotterdam“, stellte The Athletic nach dem 1:1 gegen AZ Alkmaar fest. Im nächsten Spiel gegen PEC Zwolle durfte er zwar von Beginn an ran, viel gelang ihm in 72 Minuten aber nicht.

Dass ein Spieler von seinem Format mit nur 31 Jahren kaum noch zum Zug kommt, schien noch vor wenigen Jahren ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Als Star der Generation, die die Lampards und Gerrards beerben sollte, schlug Sterling einst als Wunderkind in der Premier League auf.

Keine vier Monate nach seinem 17. Geburtstag feierte Sterling in der Saison 2011/12 sein Profidebüt für den FC Liverpool, wo er schnell Schlagzeilen schrieb. Rund ein halbes Jahr später folgte sein erster Einsatz für die englische Nationalmannschaft.

Weiter ging es 2014 mit dem Golden-Boy-Award, den er als bester U21-Spieler Europas erhielt, und dem Wechsel zu Manchester City im Folgejahr. Dort verbrachte er mit elf Titelgewinnen sowie insgesamt 131 Toren und 86 Vorlagen die erfolgreichsten Jahre seiner Karriere.

Seit seinem Wechsel zum FC Chelsea im Sommer 2022 für stolze 56 Millionen Euro ging es mit der Karriere von Sterling jedoch steil bergab. Seine Zeit bei den Blues endete nach einer mehr oder weniger erfolglosen Leihe zum FC Arsenal in der sogenannten „Bomb-Squad“ der aussortierten Spieler.

Vor seinem Wechsel zu Feyenoord hatte er aufgrund dieser Entscheidung bereits sieben Monate keinen professionellen Fußball mehr gespielt – und arbeitete mit dem Individualtrainer Ben Rosenblatt.

„Es war unglaublich“, wird Rosenblatt von The Athletic zitiert: „Als wir anfingen, dachte ich: ‚Ich weiß nicht, wie dieser Typ jemals wieder spielen soll.‘ Doch nach ein paar Einheiten war es plötzlich: ‚Wow, beeindruckend.'“

Wie geht es für Sterling weiter?

In den Niederlanden hat der Engländer jedoch niemanden beeindruckt. Sein Vertrag bei Feyenoord läuft am Ende der Saison aus, dass dieser noch einmal verlängert wird, scheint derzeit unwahrscheinlich.

„Ich habe gerne mit ihm gearbeitet“, sagte van Persie nach dem letzten Heimspiel der Saison. Jüngst kündigte er ein Gespräch mit dem Spieler an. Vor allem aber schimpfte der einstige Topstürmer über die Behandlung Sterlings.

„Ich persönlich habe Probleme mit dem Zynismus, der ihn umgibt“, sagte Van Persie. „Ich finde, Respekt wäre angemessener. Jedenfalls mag ich Zynismus nicht. Ich kann die ganze Atmosphäre um ihn herum nicht ausstehen.“

Sterling habe große Erfolge gefeiert: „Aber ich finde, die Art und Weise, wie wir als Fußballnation damit umgehen, ist wirklich sehr schlecht.“

Es sei bei Sterling nie um seine Qualität gegangen: „Er hat über 200 Tore in England erzielt. Meiner Meinung nach war und ist er ein Gewinner. Und vom ersten Tag an hat er hart gearbeitet“, lobte der ehemalige Top-Stürmer den Spieler, dessen Einstellung stets tadellos gewesen sei.

Ohne ein großes „Aber“ konnte er seine Analyse jedoch nicht beenden. „Wir haben ihn körperlich aufgebaut und er wurde langsam besser … aber gleichzeitig mussten wir jedes Spiel gewinnen, um unser Ziel Champions League zu erreichen.“

Ob Sterling in der kommenden Saison mit Feyenoord in der Königsklasse angreifen darf und will, dürfte sich in den kommenden Wochen schnell zeigen. Bereits jetzt steht hingegen fest: Von einer Rückkehr zu alten Zeiten ist aktuell keine Rede.

Hoffnung dürfte Sterling hingegen die Reaktion nach seinem wohl letzten Auftritt vor dem Rotterdamer Publikum gemacht haben. Die Fans, von denen der Engländer oft genug gescholten wurde, begannen für kurze Zeit seinen Namen zu singen und erinnerten somit an bessere Zeiten, in denen Sterling auf dem Flügel durch die Premier League wirbelte.

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