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Historischer Titel nach 61 Jahren?

Historischer Titel nach 61 Jahren?

In Österreich winkt nach 61 Jahren eine Sensation. Am letzten Spieltag könnte sich für den LASK die Geschichte des Klubs wiederholen. Im Mittelpunkt steht dabei Sasa Kalajdzic, der nach langer Verletzungsmisere zurück zum Erfolg findet.
Sasa Kalajdzic (M.) steht mit dem LASK einen Punktgewinn vor einer Sensation
Sasa Kalajdzic (M.) steht mit dem LASK einen Punktgewinn vor einer Sensation
© IMAGO/STEINSIEK.CH
In Österreich winkt nach 61 Jahren eine Sensation. Am letzten Spieltag könnte sich für den LASK die Geschichte des Klubs wiederholen. Im Mittelpunkt steht dabei Sasa Kalajdzic, der nach langer Verletzungsmisere zurück zum Erfolg findet.

Der letzte Spieltag einer Saison ist der Moment, in dem sensationelle Erfolgsgeschichten endlich Wirklichkeit werden können – so auch in der österreichischen Bundesliga.

Lange Jahre war der Fußball in Österreich geprägt von der Dominanz von Red Bull Salzburg. Seit der Saison 2006/07 gewann der vom Energydrink-Hersteller gesponsorte Klub aus Salzburg 14 Meisterschaften in 17 Jahren.

Doch diese Zeit scheint vorerst vorbei. Vor dem Saisonabschluss in dieser Woche steht bereits fest: Der Serienmeister wird erstmals seit der Saison 2004/05 weder Meister- noch Vizemeister werden.

Allerdings geht ebenfalls weder der SK Sturm Graz (2.), der RB zuletzt zweimal in Folge die Meisterschaft verbaute, als Favorit in den letzten Spieltag, noch die beiden Wiener Traditionsklubs Austria (4.) und Rapid (5.).

LASK träumt von historischer Meisterschaft: „Wollen alles haben“

Nach 61 Jahren steht ein Sensationsteam davor, Geschichte zu wiederholen. Die Rede ist vom Linzer Athletik-Sport-Klub, allgemein besser bekannt als LASK. Mit dem 2:1-Sieg gegen Salzburg machten die Linzer nicht nur alle Resthoffnungen von RB zunichte, sondern sicherten sich auch die Pole Position am letzten Spieltag.

Nach 31 Spieltagen liegt der LASK mit 36 Punkten zwei Zähler vor Sturm Graz und hat zumindest die Vizemeisterschaft sowie eine Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation sicher.

„Wenn wir so nahe dran sind – so ehrlich müssen wir sein – wollen wir jetzt alles haben“, merkte Trainer Dietmar Kühbauer vor dem Showdown am Sonntag bei Austria Wien an. Ein Unentschieden würde dem LASK dabei ausreichen, egal wie die Partie zwischen Sturm und Rapid endet, da die Punkte der Linzer nach der Hauptrunde abgerundet wurden.

„Die Austria wird uns den Meistertitel nicht schenken“, warnte Kühbauer jedoch und stellte klar: Gezielt auf ein Unentschieden zu spielen, sei „der falsche Weg“.

Zweites Double nach 61 Jahren?

Den ersten Erfolg einer historischen Saison hatte der LASK schon am 1. Mai eingefahren. Im ÖFB-Cup-Finale setzten sich die Athletiker mit 4:2 nach Verlängerung gegen den SCR Altach durch. Mit dem möglichen Meistertitel und Double-Gewinn könnte sich die Geschichte nun in kurioser Weise wiederholen.

In der Saison 1964/65 feierte der LASK – als erste Mannschaft, die nicht aus Wien stammt – den bisher einzigen Meistertitel der Klubhistorie und holte im gleichen Jahr auch den Pokal. Bis zu dieser Saison sollte kein weiterer Titel mehr folgen.

Die jüngere Vergangenheit war stattdessen geprägt von turbulenten Zeiten. 2012 wurde den Oberösterreichern die Lizenz verweigert, weshalb der Klub in den Amateurbereich abstürzte.

LASK nach turbulenten Zeiten zurück an der Spitze

„Ein bisschen erinnert der LASK an den Kultklub TSV 1860 München“, schrieb Heimatsport: „Allerdings mit dem einen wesentlichen Unterschied zu den ‚Löwen‘, dass sich in Linz kein Krösus als Lokalrivale im Stile von Deutschland Rekordmeister Bayern München etabliert hat.“ 

Ein weiterer Unterschied: Nach zwei Jahren in der dritten Liga Österreichs gelang zur Saison 2014/15 zunächst der Aufstieg in die zweite Liga, ehe man seit der Spielzeit 2017/18 wieder zurück im Oberhaus ist.

Seitdem hat sich der LASK schnell wieder stabilisiert und marschierte bei der ersten von drei Teilnahmen an der Europa League (2019/20) sogar bis ins Achtelfinale, wo man an Manchester United scheiterte.

Dass jedoch ausgerechnet Trainer Kühbauer den LASK zu einem der größten Erfolge seiner Geschichte führen könnte, ist eine weitere mittelgroße Überraschung. Durch einen Coup wurde der 55-Jährige erst im Oktober 2025 vom Ligakonkurrenten aus Wolfsberg losgeeist – und das, obwohl er trotz sportlicher Erfolge nach massiven Unstimmigkeiten erst im Juni 2023 vom LASK entlassen worden war.

Kalajdzic: Eine unglaubliche Rückkehr zum Glück

Neben Kühbauer schrieb beim LASK jedoch auch ein weiterer Akteur eine unwahrscheinliche Erfolgsgeschichte. Der ehemalige Bundesliga-Stürmer Sasa Kalajdzic fand nach drei Kreuzbandrissen und weiteren schweren Verletzungen in dieser Saison sein Glück wieder.

Im Sommer wurde der 28-Jährige vom feststehenden Premier-League-Absteiger Wolverhampton an den LASK verliehen. Aufgrund seiner Verletzungshistorie hatte Kalajdzic seit 2022 nur 25 Pflichtspiele absolviert und sollte in seinem Heimatland wieder Selbstvertrauen finden – mit Erfolg.

Der ehemalige Profi des VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt erzielte in 26 Spielen sieben Tore und bereitete acht Treffer vor. Besonders beachtlich: Alle Torbeteiligungen verbuchte er nach dem Jahreswechsel. In der ersten Saisonhälfte war der Torjäger noch zumeist als Joker zum Einsatz gekommen und entwickelte sich nach und nach zum Stammspieler.

Vor allem in den vergangenen Wochen wurde Kalajdzic dabei zum X-Faktor im Aufstiegsrennen. Ende April überzeugte er mit zwei Toren und einer Vorlage beim 5:1-Sieg gegen den TSV Hartberg – darunter ein Zauberschuss aus rund 50 Metern ins rechte obere Eck. Eine Woche später hielt er sein Team mit zwei Vorlagen gegen Rapid auf Meisterschaftskurs. Nach 0:1-Rückstand leitete Kalajdzic das Comeback zum 3:1-Sieg ein.

Vor der WM 2026 durfte sich Kalajdzic nach zweieinhalb Jahren auch wieder bei der Nationalmannschaft zeigen und wurde bei den Testspielen im März gegen Ghana und Südkorea zweimal eingewechselt. „Man weiß nie, was im Leben passiert. Ich genieße einfach den Moment“, sagte er damals mit Blick auf seine Zukunft und das Turnier im Sommer.

LASK vor Saisonabschluss angriffslustig

Vor dem letzten Spieltag der Saison bestätigte auch Kalajdzic die Ansprüche der Linzer und betonte beim ORF: „Wir werden nicht auf einen Punkt spielen, das ist nicht unser Anspruch.“

Noch angriffslustiger zeigte sich allerdings Torhüter Lukas Jungwirth, der die Ansage formulierte: „Wir haben Rapid und Salzburg aus dem Rennen genommen. Jetzt fahren wir gegen die Austria wieder einen Sieg ein und dann sind wir Meister.“

Der 22-Jährige zeigte sich überzeugt, dass man nur erneut das eigene Niveau auf den Platz bringen müsse. Trotzdem warnte er: „Das wird definitiv kein einfaches Spiel werden, die Austria ist auch aufgespitzelt. Es ist das letzte Spiel der Saison, da wird jeder alles reinhauen.“ 

Wenn der Schlusspfiff dann ertönt, könnte das zweite Double der Vereinsgeschichte gefeiert werden – nach einer Wartezeit von 61 Jahren.

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