„Meine Bestimmung als Spieler ist erfüllt“. Mit diesen Worten hat Divock Origi am Montag auf Instagram sein Karriereende bekanntgegeben. Der Stürmer spielte in seiner Karriere unter anderem für den VfL Wolfsburg, den FC Liverpool und die AC Milan und gehörte zur „goldenen Generation“ der belgischen Nationalmannschaft.
Divock Origi: Ein Tor machte ihn zur Legende
Ein Tor machte ihn zur Legende
Die Karriere des Belgiers ist durchaus bemerkenswert. Früh durchgestartet, später selten gesetzt und mit Liverpool nahezu alle Titel im englischen Vereinsfußball abgeräumt. Trotz vergleichsweise geringer Einsatzzeiten wird er vielen Fans als Legende in Erinnerung bleiben. Besonders wegen eines Titels – und wegen eines Abends.
Sensation gegen Barca machte ihn zur Legende
Es war der 7. Mai 2019, der Divock Origi in Liverpool unsterblich machen sollte. Die Reds hatten das Halbfinal-Hinspiel der Champions League eine Woche zuvor klar mit 0:3 in Barcelona verloren. Der Traum vom Gewinn des Henkelpotts schien für den Großteil aller Liverpool-Fans jäh geplatzt.
Dass mit Superstar Mo Salah (Gehirnerschütterung) und Roberto Firmino (Zerrung) zwei der drei absoluten Erfolgsgaranten in der Offensive für das Rückspiel nicht zur Verfügung standen, erhöhte die Chancen auf ein Liverpooler Märchen nicht wirklich. Klopp entschied sich im Angriff für Xherdan Shaqiri und Divock Origi – eine Entscheidung, die sich später als goldrichtig herausstellen sollte.
Origi hatte zum damaligen Zeitpunkt wettbewerbsübergreifend gerade einmal 500 Minuten Spielzeit gesammelt, nur ein einziges Mal stand er zuvor in der Startelf. Es sollte nicht lange dauern, bis sich Klopps Entscheidung auszahlte.
Klopp: „Leute werden Bücher über ihn schreiben“
Nach sieben Minuten ließ Marc-André ter Stegen einen Schuss von Jordan Henderson nach vorne abprallen und Origi staubte zum 1:0 ab. In Anfield keimte Hoffnung auf. Als Georginio Wijnaldum zu Beginn der zweiten Halbzeit das 2:0 (54.) und 3:0 (56.) erzielte und somit das Hinspiel-Ergebnis egalisierte, glich das Liverpooler Stadion einem Tollhaus. Das womöglich bekannteste Tor der jüngeren Vereinsgeschichte des LFC sollte folgen.
Es lief die 79. Minute, als sich Origi endgültig einen Platz in den Geschichtsbüchern des Klubs sicherte. Bei einer der vielleicht legendärsten Ecken der CL-Geschichte war Trent Alexander-Arnold gedankenschneller als alle anderen und spielte den Ball flach durch die ebenso unsortierte wie überraschte Barca-Abwehr in die Mitte, wo der ebenfalls überraschte Origi zum vielumjubelten 4:0 einschob. „Ja, die (Ecke; d. Red.) war einstudiert“, verriet er nach dem Spiel bei Sky.
Ex-Stürmer Peter Crouch kündigte später scherzhaft an, seinen Sohn „Divock“ zu nennen. Jürgen Klopp schwärmte später: „Er ist eine Legende. Die Leute werden Bücher über ihn schreiben.“
Origi macht in Madrid alles klar
Dreieinhalb Wochen später traf Liverpool in Madrid im Finale der Königsklasse auf Tottenham Hotspur. Origi, diesmal nur Ersatzspieler, sah, wie sein Team durch einen Treffer von Salah früh in Führung ging, den Sack aber nicht zumachen konnte. In der 58. Minute brachte Klopp den Belgier für Roberto Firmino auf das Spielfeld.
Tottenham hatte gerade eine Serie an Chancen auf den Ausgleich vergeben, als erneut der Mann für die besonderen Momente das Zünglein an der Waage wurde. Nach einem Eckball legte Joel Matip im Sechzehner für Origi auf, der humorlos ins lange Eck zum 2:0 vollstreckte. Der „Super-Sub“, wie der Stürmer in England dank seiner Joker-Qualitäten genannt wurde, entschied das Endspiel und sicherte Liverpool den ersten Champions-League-Titel seit 2005.
Origi rettete auch den VfL Wolfsburg
Auch für den VfL Wolfsburg war Origi vor vielen Jahren aktiv. Liverpool verlieh den Stürmer für die Saison 2017/18 an die Niedersachsen, die in dieser Saison nur knapp dem Abstieg entkamen.
Wolfsburg beendete die Bundesliga-Saison auf Platz 16 und musste, wie schon im Vorjahr, in der Relegation antreten. Gegner im Mai 2018 war Holstein Kiel, Origi nahm im Hinspiel entscheidenden Einfluss: Der heute 31-Jährige brachte den VfL in der 13. Minute mit 1:0 in Führung und legte das 3:1 durch Yunus Malli (56.) auf. Wolfsburg hielt durch zwei Siege gegen Kiel die Klasse, Origi verließ die Niedersachsen mit sieben Toren und drei Assists.
Zuletzt war die Karriere des in Lille ausgebildeten Stürmers ins Stocken geraten. Bei der AC Milan trainierte er nur noch mit der zweiten Mannschaft, sein letzter Pflichtspieleinsatz liegt über zwei Jahre zurück. Im Winter war sein Vertrag bei den Italienern vorzeitig aufgelöst worden.
„Die Mission ist erfüllt. Nun wende ich mich meiner nächsten Berufung zu. Die Reise geht weiter.“ So beendete Origi sein Statement auf Instagram, mit dem er sein Karriereende mitteilte. Zuletzt kündigte er an, sich zukünftig seiner zweiten Leidenschaft zu widmen: der Champions-League-Sieger möchte künftig als Modedesigner durchstarten.