Int. Fußball>

Vereins-Zerstörer Gérard Lopez - er trieb Traditionsklubs in den Ruin

Der Vereins-Zerstörer

Gérard Lopez führt nach Bordeaux den nächsten Traditionsverein in den Ruin. Der Luxemburger ist als Zerstörer verschrien. Sogar in der Formel 1 hinterließ er verbrannte Erde.
Gérard Lopez führte bereits Bordeaux in den Abgrund. Nun folgt Boavista Porto
Gérard Lopez führte bereits Bordeaux in den Abgrund. Nun folgt Boavista Porto
© IMAGO/Panoramic by PsnewZ
Gérard Lopez führt nach Bordeaux den nächsten Traditionsverein in den Ruin. Der Luxemburger ist als Zerstörer verschrien. Sogar in der Formel 1 hinterließ er verbrannte Erde.

In einem Gewerbegebiet in Luxemburg steht eine Halle, die das Herz aller Motorsportfans höher schlagen lassen dürfte. Dort hat sich Unternehmer Gérard Lopez sein Paradies mit rund 85 teuren Autos erschaffen. Ihm gehörte sogar mal die größte Lamborghini-Sammlung der Welt.

„Die Autos werden natürlich regelmäßig gefahren“, versicherte Lopez im Gespräch mit dem Magazin Auto Motor und Sport. Allein sein Ford GT40 aus Le Mans soll fünf bis sechs Millionen Euro wert sein. Doch in der Sportwelt ist der 54-Jährige freilich nicht nur für seine Wagensammlung bekannt. Vielmehr steht der luxemburgische Unternehmer in den Medien in einem kritischen Licht, wenn er Traditionsvereine in den kompletten Ruin führt. Lopez ist der Zerstörer.

Boavista Porto vor dem Aus

Nun erwischte es Boavista Porto, bei dem der Geschäftsmann seit 2021 der Eigentümer ist. Beim portugiesischen Traditionsklub gehen wohl endgültig die Lichter aus. Der Meister von 2001 muss zum 31. Juli den Spielbetrieb einstellen. Das geht aus einem Schreiben der Insolvenzverwalterin Clarisse Barros, aus dem die Zeitung O Jogo zitiert, hervor.

Demnach sei erneut die monatliche Gebühr zur Verlängerung des Insolvenzverfahrens in Höhe von 55.000 Euro nicht gezahlt worden. Der Insolvenzverwalter werde daher die „Schließung des Betriebs“ einleiten, hieß es in dem Schreiben.

Doch damit nicht genug. Nur kurz vor dieser Nachricht verkündete in Frankreich die Finanzaufsicht des französischen Fußballs (DNCG), dass Traditionsklub Girondins Bordeaux wegen mangelnder Zahlungsfähigkeit von allen nationalen Fußball-Wettbewerben ausgeschlossen wird und mindestens in die 6. Liga zurückversetzt wird. Auch dort ist Lopez der Besitzer.

„Ich bin angewidert wie alle, die diesen Verein lieben. Aber was hier passiert, ist leider die Folge einer seit vielen Jahren katastrophalen sportlichen und finanziellen Führung“, schrieb der ehemalige Bayern-Star Bixente Lizarazu und griff Lopez an. Seit dessen Ankunft übersteige dessen Misswirtschaft seine „Vorstellungskraft“.

Bordeaux und Boavista sind insolvent

Die L’Équipe schrieb nun: „Der Zeitpunkt hätte für Gérard Lopez nicht schlechter sein können. Weniger als vierundzwanzig Stunden nach dem Ausschluss von Bordeaux aus der nationalen Meisterschaft wurde Boavista, ein weiterer Verein im Besitz des spanisch-luxemburgischen Unternehmers, am Mittwoch darüber informiert, dass er seinen Betrieb einstellen muss.“

Bei beidem Vereinen hatte sich schon längst angekündigt, dass der Besitzer den Roten Teppich direkt in den Ruin schon längst ausgerollt hatte. 2021 übernahm der luxemburgische Geschäftsmann die Mehrheit der Klubanteile bei Boavista. Damit begann das Chaos. 2025 stieg der ehemalige Sensationsmeister ab, weil Lopez kaum investierte.

Schon 2024 gab es ein Gerichtsurteil. Die Gesellschaft, die das Stadion umbaute, durfte die Einnahmen aus Spielerverkäufen sofort pfänden. Es folgte eine Transfersperre von der FIFA, die im Februar 2025 aufgehoben wurde.

Im Mai 2025 stellte der städtische Stromanbieter bereits zwischenzeitlich den Strom ab, da die Rechnungen nicht gezahlt wurden. Nun folgte das endgültige Aus.

Lopez hinterließ ein finanzielles Chaos

Die Liste der von Lopez zerstörten Vereine ist jedoch noch länger. Er besaß auch schon den OSC Lille von 2017 bis 2020. Beim Ausstieg des Luxemburgers, dessen Eltern Spanier sind, hatte der Verein riesige finanzielle Sorgen, konnte aber gerettet werden. Anders sah es bei Royal Excel Mouscron in Belgien aus. 2020 kaufte Lopez auch den belgischen Verein, hatte große Pläne und führte den Klub 2022 in die Insolvenz. Der Verein wurde aufgelöst. Immerhin: Weitere Vereine besitzt er nun nicht mehr.

Kann man noch mehr Misserfolg haben? Ja! Denn auch in der Formel 1 hatte Lopez einst seine Finger im Spiel. Als Teamchef führte er das Lotus F1 Team an. Dieses kaufte er 2010 von Renault ab und nahm unter anderem Kimi Räikkönen als Fahrer unter Vertrag.

2015 war alles vorbei. Reifenlieferungen kamen in letzter Sekunde, Trucks wurden beschlagnahmt und die Kassen waren leer. Renault kaufte sich die Rechte zurück.

Kritik am Zerstörer gab es aber nicht. Stattdessen gab es sogar großes Lob. „Er ist so kreativ. Er hat fünfzig Ideen in der Sekunde“, meinte Renault-Geschäftsführer Cyril Abiteboul bei RMC. „Wer im Formel-1-Paddock ist denn nicht in Verruf? Hier reden die Leute einfach gerne.“

Wie viele Chancen bekommt Lopez noch?

Auch der heutige Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur wollte kein schlechtes Wort sagen: „Er ist dynamisch und enthusiastisch. Er wird die gleiche Energie in den Fußball stecken, die er auch ins Racing gesteckt hat. Er ist ein ausgezeichneter Geschäftsmann, der Sport liebt.“

Es war eine verheerende Fehleinschätzung über einen Mann, der nun mehrere Vereine auf dem Gewissen hat und immer wieder neue Chancen bekommt.